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BDKH: Aktueller Branchenüberblick im Vorfeld zur Kind + Jugend 2019

3. September 2019, 0:00

Am Dienstag, den 3. September 2019 lud die Koelnmesse im Vorfeld der Kind + Jugend zur Wirtschafts-Pressekonferenz ins Messehochhaus ein. Der Bund Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller e.V. (BDKH) gab in der parallel verschickten Pressemitteilungen einen aktuellen Überblick über die Branche.

Geburtenrate steigt weiter
Der BDKH sieht den anhaltenden (wenn auch langsamer werdenden) Aufwärtstrend bei den Geburtenzahlen in Deutschland als grundsätzlich positiv. Laut Statistischem Bundesamt kamen 2018 in Deutschland rund 787.600 Kinder zur Welt (vorläufiges Ergebnis). Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 2.700 Kinder oder 0,3 Prozent. Die Erklärung dafür liegt zum einen darin, dass die Kinder der in den 1960er-Jahren geborenen starken Jahrgänge nun selbst alt genug sind, um Familien zu gründen. Zum anderen trägt die jüngste Migrationswelle zur Verjüngung Deutschlands bei: Rund 24 Prozent beträgt der Anteil der Babys, die von nicht-deutschen Müttern geborgen wurden. Ein weiterer signifikanter Grund ist, dass Frauen immer länger warten, bis sie ihr erstes Kind bekommen. Schon 2017 lag das durchschnittliche Alter der Erstgebärenden bei 30,6 Jahren.

Marktvolumen auch 2018 gewachsen
Der kleine Babyboom macht sich auch in der Baby- und Kleinkindausstattungsbranche bemerkbar. 2018 stieg das Marktvolumen leicht an (+ 0,6 Prozent) und liegt damit bei aktuell 7,3 Milliarden Euro. Dabei ist das Segment Hartware, also Kinderwagen, Buggys, Autokindersitze, Fläschchen und Schnuller mit 1,3 Prozent überproportional gewachsen. Insgesamt sind die Ausgaben pro Kind (zwischen 0 und 12 Jahren) aber von rund 760 Euro auf 750 Euro gesunken. Der BDKH sieht den Grund hierfür im gesteigerten Preisbewusstsein der Eltern. Günstigere Vertriebsformen (zum Beispiel online) scheinen attraktiver, was direkte Auswirkungen auf den spezialisierten Fachhandel hat. Ausnahme ist das Thema Sicherheit: Hier achten Eltern weiterhin wenig auf den Preis, sondern auf Qualität und Prüfsiegel, wie etwa von Stiftung Warentest.

Online immer attraktiver
Der Online-Handel wächst weiter, auch in der Baby- und Kleinkindausstattung und sorgt damit für erhebliche Marktverschiebungen. Dabei sind laut Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln, online andere Akteure erfolgreich als im stationären Handel. Bekannte und starke Marken hätten es in diesem Bereich einfacher als generische, da nach ihnen aktiv im Netz gesucht würde.

Konsumverhalten immer unberechenbarer
Das liegt vor allem daran, dass Kunden immer sprunghafter entscheiden und hybrider kaufen. Viele Digital Natives wickeln einen Großteil ihrer Einkäufe nur noch über das Smartphone ab, während die ältere Generation es hauptsächlich zur Information nutzen, dann aber im stationären Handel einkaufen. Diese Verlagerung auf Online-Kauf hängt auch mit dem steigenden Einfluss von Bloggern und Influencern zusammen. Eine Empfehlung von ihnen ist fast so bedeutsam wie eine Empfehlung aus dem persönlichen Freundeskreis. Und ist man schon mal online, kann man dort auch gleich shoppen.

Wettbewerb hat sich verschärft
Wachsendes Preisbewusstsein in Verbindung mit sinkender Konsumlaune setzen Handel und Hersteller gleichermaßen unter Druck. Immer ausgeklügeltere, multifunktionale Produkte erfordern einen immer höheren Entwicklungsaufwand, was bei gleich bleibender Entwicklungszeit höhere finanzielle Investitionen bedeutet. Die Entwicklung eines Kombinations-Kindersitzes kann so heute zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro kosten.

Grundsätzlich ist in der Branche derzeit viel in Bewegung. Bekannte Marken wechseln den Eigentümer, verschwinden ganz oder temporär. Gleichzeitig gibt es gerade im Segment Kindersitze viele Firmenneugründungen. Außerdem begeben sich einige Hersteller auf Neuland, indem sie auf ungewohnte Produktsegmente setzen, um so ihre Wettbewerbsfähigkeit auszubauen.

Digitalisierung überall
Digitale Features halten bei fast allen Kinderprodukten Einzug. Das ist einerseits einem Trend geschuldet, andererseits neuen Gesetzesvorgaben. In Italien beispielsweise ist ab November die Sitzbelegungserkennung bei Kindersitzen Pflicht. Lässt der Fahrer sein Kind versehentlich im Auto zurück, sendet der Sitz ab einer bestimmten Entfernung ein Signal auf sein Smartphone. Experten erwarten, dass diese Alarmfunktion sich europaweit durchsetzen wird. Weitere digitale Themen, die in Zukunft bei Kindersitzen eine Rolle spielen werden: Installationskontrollen, Sitzkomfort, Infotainment und Kommunikationsmöglichkeiten. Auch im Bereich Sicherheit und Monitoring wird geforscht. So sollen Babyschalen bald kontinuierlich Temperatur, Herz- und Atemfrequenz überwachen können, ergänzt durch ein Live-Bild, das per eingebaute Kamera zugeschaltet werden kann. Auch was Stroller und Buggys betrifft, wird es in Zukunft elektronische Unterstützung beim Schieben und Bremsen geben.

Nachhaltige Hartware
Umweltverträglichkeit ist seit langem ein Thema bei Hartware, wird seit dem Einsetzen der Klimadiskussion aber noch stärker fokussiert. Besonders wichtig sind den Herstellern, aber natürlich auch den Kunden die Kilometerbilanz, der CO2-Fußabdruck sowie die Recyclingfähigkeit der Produkte. Materialien wie Bambus. Holz, Porzellan, Glas und Edelstahl kommen statt Kunststoffen immer häufiger zum Einsatz. Auch Wolle und Bio-Baumwolle für Auflagen und Bezüge finden immer stärker Verwendung. Einige Hersteller setzen auf Polyesterfasern aus gebrauchten Plastikflaschen für Bezüge und Wickeltaschen.

Hohe Sicherheitsstandards bleiben zentrales Anliegen
Laut Stiftung Warentest sind Kinderwagen qualitativ noch nie so hochwertig gewesen wie heute. Auch Autokindersitze erzielten Bestnoten. Das liegt vor allem an der seit einigen Jahren schrittweise in Kraft tretenden EU-Sicherheitsnorm R129. Sie erhöht vor allem den Standard bei Rückhaltesystemen für Kinder. Doch das kann nur der Anfang sein. Eine im Herbst 2018 veröffentlichte Studie ergab, dass jeder zweite Kindersitz nicht sicher im Auto montiert ist. Das wird sich durch eingebaute Installationsüberwachungssystem in Zukunft jedoch ändern. Diese Systeme schlagen Alarm, sobald sie „Misuse“, also fehlerhaftes Einbauen erkennen. Alternativ gibt es Hersteller, die gleich auf eine Kombination aus Basis und Sitz setzen, die nur eine Einbaumöglichkeit erlauben und zwar die korrekte.

Forschung für Unfallmanagement
Laut Statistischem Bundesamt verunglückten 2017 fast 11.000 Kinder als Mitfahrer im Pkw. Daher wird mit Hochdruck an Sitzen mit eingebauten Pre-Crash-Systemen gearbeitet, die einen Unfall in Millisekunden erkennen und automatisch reagieren, indem sie die Gurte straffen, die Schale in Position bringen und Seitenaufprallelemente ausfahren. Auch ein Warnmeldesystem im Sitz soll nach einem Unfall ein Signal aussenden, sodass Polizei, Feuerwehr und Notärzte unmittelbar über den Standort, die Art und Belegung des Kindersitzes informiert werden.

Ästhetisch, stylisch, funktional
Sicher, nachhaltig, hochwertig und nicht zu vergessen schön anzuschauen. So sollen Kinderprodukte heute sein. Design und Funktion sollen Hand in Hand gehen. Die neuen Kinderwagenmodelle kommen beispielsweise mit modularem Aufbau und wachsen mit. So können sie sich in Babywanne, Babyschale und Sportsitz verwandeln. Praktisch sind auch zusammenlegbare leichte Babywannen und ein extragroßes Verdeck mit UV-Schutz 50+. Die Farbtrends der Saison 2019/2020 sind monochrom und natürlich. Ihre Namen klingen stilvoll: Saphire, Frost, Caviar, Cherry, Gray Flannel, Deep Sea, Pewter, Laurel und Ember.

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