Modellbau/Modellbahn mit „stabiler Performance“ in unruhigen Zeiten
Der Wunsch nach sinnvoller Freizeitbeschäftigung bleibt ungebrochen und das Hobby Modellbau/Modellbahn beliebt. Es eröffnet gerade in Umbruch- und Krisenzeiten einzigartige Möglichkeiten, um einen Ausgleich zum Alltag zu erleben und eine kleine heile Welt auf Zeit zu schaffen. 14 Prozent der Newcomer, die den Einstieg in das Hobby durch den Pandemieeffekt der Corona-Jahre fanden oder durch gezielte Kampagnen wie wirmodellbahner.de angesprochen wurden, sind dem Hobby treu geblieben und bei weiteren 48 Prozent gab der Fachhandel an, dass die Kunden dem Hobby danach „teils, teils“ treu geblieben sind. Das zeigt der DVSI Modellbau & Modellbahn-Index, der damit vorherige Studien bestätigt, dass Modellbau/Modellbahn weiterhin ein gesellschaftlich stark verankertes Hobby ist und trotz digitaler Medien nichts an Attraktivität eingebüßt hat.
„Die Intermodellbau mauserte sich seit ihren Anfängen Ende der Siebziger Jahre zum absoluten Place-to-be für die Branche“, sagt DVSI-Geschäftsführer Ulrich Brobeil. „Die publikumsstarke Messe ist nicht nur ein Community-Get-together, bei der sich die Fan-Szene über aktuelle Trends austauscht, sondern die Messe ist eben auch ein zentrales Schaufenster, um Schnuppernasen, Bastelanfänger und Gelegenheitsbastler für das Hobby zu gewinnen. Die weltgrößte Messe für Modellbau und Modellsport, die Intermodellbau, steht wie keine andere Messe für die Vitalität einer Branche, die Tradition und Innovation vereint.“
Verschärfter Wettbewerbsdruck
Trotz Erlebnis, Vielfalt, kreativem Freiraum und Entschleunigung, die die Modellbau/Modellbahn-Branche heute bietet – auch die Hersteller und der auf diese Produkte spezialisierte Fachhandel können sich nicht gänzlich der von Polykrisen und den geopolitischen Unsicherheiten eingetrübten Konsumstimmung entziehen. Dazu kommt die Konkurrenz asiatischer Billig-Online-Shopping-Plattformen. Steigende Abgaben für Energie und Arbeit, Steuern sowie ein „bürokratischer Overflow“ tun ein Übriges, um den Wettbewerbsdruck zu verschärfen. Das macht die Auswertung des neuen DVSI-Index deutlich, wofür die Antworten von 93 in Herstellung oder Handel von Modellbahn & Zubehör und/oder im Modellbau tätigen Unternehmen anonym und freiwillig online erhoben wurden (Beteiligungsquoten: Hersteller 40,8 Prozent, Handel 51,8 Prozent).
„Profitierten Hersteller und Handel noch überproportional vom Pandemie-Effekt, spüren sie jetzt die anhaltende Kaufzurückhaltung. Der demografische Wandel, die strukturellen Marktveränderungen sowie hausgemachte Probleme des Standorts zählen, wie in anderen Konsumgüterbranchen, zu den größten Belastungsfaktoren,“ sagt Ulrich Brobeil. Industrie und Handel sehen dennoch Chancen für weiteres Wachstum. Mit attraktiven Neuheiten, Exklusiv- und Lizenzmodellen, dem Ausbau des Digital-Sortiments sowie Sets für Modellbahn-einsteiger oder einfachen Click-Systemen für Bastelanfänger und Gelegenheitsbastler zeigen Modellbau und Modellbahn auch in heraus-fordernden Zeiten eine beachtenswerte Resilienz.
Unterschiedliche Wahrnehmung
Die befragten Hersteller machen weit überwiegend die nach wie vor angespannte konjunkturelle Entwicklung in Deutschland verantwortlich für ausbleibende positive Signale beim Konsum. 37 Prozent der Hersteller erwarten des-halb für 2026 im Bereich Modellbahn & Zubehör nur gleichbleibende Branchenumsätze, wohingegen sie im Bereich Modellbau etwas optimistischer nach vorne blicken. Hier prognostizieren 57 Prozent gleichbleibende oder sogar steigende Umsätze. Für die Entwicklung des eigenen Unternehmens zeigen sich die Hersteller zuversichtlicher: 29 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen, 29 Prozent mit solchen auf Vorjahresniveau. Die Entwicklung des eigenen Unternehmens wird somit oft besser eingeschätzt als die der Branche. Die Gründe dafür könnten darin liegen, dass man für das eigene Unternehmen Wettbewerbsvorteile sieht, etwa bei den Produkten, im Vertrieb oder in der Stärke der Marke.
Pandemieeffekt spürbar
Mit Vorsicht blickt auch der Handel auf die Branchenentwicklung. 40 Prozent der befragten Unter-nehmen des Handels erwarten unveränderte oder leicht steigende Umsätze für das Segment Modellbahn & Zubehör. Zurückhaltender bewertet der Handel die Entwicklung des Modellbau-marktes. Hier rechnen nur 24 Prozent der befragten Handelsunternehmen mit besseren oder unveränderten Umsätzen. Wie auch in der Industrie divergieren im Handel die Einschätzungen zur Branchenentwicklung mit denen für das eigene Unternehmen. Zwei von drei befragten Händlern erwarten für ihr Geschäft eine konstante oder bessere Entwicklung. Die befragten Händler blicken also positiver aufs laufende Jahr als die Hersteller. Ein Grund für die optimistischere Einschätzung könnte im „Pandemieeffekt“ liegen.
Fachhandel von zentraler Bedeutung
Als zentrale Herausforderung nennen die Hersteller den Rückgang des stationären Fach-handels, der aufgrund der kapitalintensiven Investitionen für das rollende Material immer mehr zu „bedarfsgerechter Bestellung“ und „vorsichtigeren Dispositionen“ übergegangen ist. Aber auch der wachsende Secondhand-Markt wird zunehmend zu einem Problem für den Handel -51 Prozent sehen ihn jedenfalls als zusätzliche Herausforderung. Der Rückgang des Fachhandels als auch die Pandemie führten zum Erstarken des Versandhandels- und B2C-Geschäftes. Im Handel liegt der durchschnittliche Online-Umsatzanteil inzwischen bei einem Drittel. Um weiteres Wachstum zu generieren, spielt die Ansprache neuer Zielgruppen eine wichtige Rolle: Das sehen Industrie (50 Prozent) und Handel (49 Prozent) fast identisch.Vor allem „Best Ager“, „Kidults“ und Wiedereinsteiger werden als wichtiges Wachstumspotenzial genannt.
Die weitere Digitalisierung, die Sortimentsprofilierung sowie Exklusivmodelle dürften neben attraktiven Einsteigerprodukten und der Internationalisierung des Geschäftes in den kommenden Jahren die Warengruppen Modellbahn & Zubehör und/oder Modellbau prägen. Beim Exportgeschäft richten sich die Hoffnungen der Industrie vor allem auf Osteuropa. Eine wichtige Aufgabe dürfte erkennbar darin liegen, die Strategien der Industrie mit den Anforderungen des Handels zu verzahnen, um auf einen Wachstumspfad zurückzukehren. So erwartet der Handel weniger, aber dafür echte und marktrelevante Neuheiten (65 Prozent) und eine bessere Planbarkeit bei Lieferfähigkeit und Produktzyklen (50 Prozent), während für die Industrie auch der Ausbau des B2C-Geschäftes (50 Prozent) an Bedeutung gewinnt, um neue Zielgruppen zu erreichen.
„Die weitere Entwicklung im Bereich Modellbau & Modellbahn prägen zahlreiche Faktoren“, sagt Ulrich Brobeil. „Neben dem Sortiment, der Markenbildung, den Modellbau- und Modellbahnmessen sowie der Ansprache von neuen Zielgruppen spielt mit Blick auf den Kunden die Verzahnung mit dem Fachhandel eine zentrale Rolle. Auch die Intermodellbau in Dortmund liefert hierzu eine Plattform.“
