Spiele – Frisch auf den Tisch, Folge 64: Kommunikative Spiele
Die kommunikativen Spiele sind eine besondere Spezies im Reigen der analogen Spiele. Sie sind schnell gelernt, es bedarf keiner langen Regelerklärungen. Außerdem sind sie häufig für große Gruppen bis zu acht, zehn oder gar zwölf Mitspieler geeignet. Das hat den Effekt, dass sich auch mal ein Spieler aus einer laufenden Runde verabschieden kann, ohne dass der Spielverlauf gestört wird. Und auch umgekehrt gilt. Es können Spieler während einer laufenden Partie hinzukommen und ein Team ergänzen. Das sind prächtige Bedingungen.
Schätzen ist gefordert

Green Team Wins von Nathan Thornton für 3-12 Spieler ab 10 Jahre vom PD Verlag
Jeder startet im Team „Orange“. Dann gibt es einen Impuls an die Spieler, z.B. „Kölner Dom oder Hamburger Dom“. Dabei gibt es kein richtig oder falsch nur, wie es die Regel nennt, eine Gewinner-Antwort. Alle notieren, was wohl die Mehrheit nennt, nicht, was man selbst favorisiert. Richtige Tipper dürfen ins Team „Green“ wechseln und Punkte kassieren. Drei verschiedene Frage-Kategorien, pfiffige Impulse, das clevere Spielsystem und Material für eine große Spielerzahl sind hervorzuheben.
Red Flag Green Flag von Lucky Egg Ltd. für 2-10 Spieler ab 17 Jahre von Huch!
Bekannt von Content Creators. Es geht um Beziehungsentscheidungen zwischen Partnern oder im Freundeskreis. Z. B., ob der aktive Spieler an Horoskope glaubt. Alle anderen bestimmen mit Markierungschips in Grün (hab‘ ich nichts dagegen) oder Rot (das geht gar nicht), wie ihre Meinung dazu ist. Dann hebt der Aktive eine der zwei Farbflaggen. Für Übereinstimmungen gibt es Punkte. Diskussionsstoff ist häufig gegeben, zumal manche Impulse heftig ans Eingemachte gehen. Deshalb auch das höhere Einstiegsalter.


Wie Arsch auf Eimer von Christian Fiore & Knut Happel für 3-8 Spieler ab 10 Jahre vom frechverlag
Was nicht passt, wird passend gemacht. Je nach Spielerzahl liegen acht, zehn oder zwölf Bildkarten in der Tischmitte. Die Spieler bilden Pärchen, z. B. „Krone“ und „Löwe“, weil „König der Tiere“. Dann hofft man, dass wenigstens ein Mitspieler ebenfalls so denkt. Je mehr Matches gefunden werden, um so größer die Punktausbeute. Es ist schon verquer, wie mancher assoziiert. Aber das ist dann auch wieder die Grundlage für anschließende Gespräche, in denen jeder seine Bild-Verknüpfungen begründen darf.
Match Me If You Can von Julien Gupta & Johannes Berger für 3-8 Spieler ab 8 Jahre von Ravensburger
Es geht ebenfalls um Matches. Mitspieler mit gleicher Assoziation werden gesucht. Auf drei gestaffelten Leveln können Punkte gesammelt werden. Wer keinen Gleichgesinnten findet, scheidet aus, darf aber in den Folgerunden tippen, ob es zu einem Match kommt und kann dann doch noch Punkte bekommen. Die leicht abgedrehten Frage-Impulse erhöhen den Spielspaß: „501 Jeans haben wir gefragt – Wie oft wirst du getragen, bevor man dich wäscht?“, „99 Spiele haben wir gefragt – Um welche Spielfarbe wird sich gestritten?“, u.a.


Let’s Schätz von Billy Langsworthy, Deej Johnson & Matt Burtonwood für 2-8 Spieler ab 10 Jahre von Helvetiq
Mit Halbwissen punkten. Es geht immer um eine Zahl, die keiner eigentlich wissen kann. Zehn Kärtchen müssen von allen Spielern in eine aufsteigende Folge gebracht werden. Es wird gemeinsam gespielt. Jeder äußert seine Vermutung. Die Karte wird eingeordnet und der nächste Impuls vorgelesen. Unter den 360 Fragekarten gibt es keine Doppelung bei den Zahlenwerten, die auf der Rückseite stehen. Wichtiger und den Spielspaß ausmachend aber sind die schrägen Impulse: „Wie lautet die Zahl auf Donald Ducks Nummernschild?“, u.ä.
Quiz-O-Meter von Paul Schulz für 2-4 Spieler ab 14 Jahre von moses.
Quizzen auf neuem Niveau. Es werden zwar Wissensfragen gestellt, die aber kaum jemand exakt beantworten kann. Deshalb genügt es, Annäherungswerte zu vermuten. In vier Kategorien muss geschätzt werden. Pfiffig ist der neuartige Bereich „Schnittmenge“, z. B.: Ist eine Zehnkampfdisziplin – ist eine Siebenkampfdisziplin? Dann werden fünf Disziplinen genannt und man muss zuordnen. Ein Highlight sind die Antworttafeln, auf denen sehr interaktiv Vermutungen mit Schiebeelementen eingestellt werden.

Gestalten ist das A und O

Meisterwerke von Amanda A. Kohout & William P. Jacobson für 3-8 Spieler ab 8 Jahre von Zygomatic, Vertrieb Asmodee
Meisterwerke ist ein Meisterwerk. Ein aktiver Spieler hat als Bildvorlage eine Schwarz-Weiß-Zeichnung. Er beschreibt diese möglichst genau. Die anderen Spieler übertragen das Beschriebene auf ihren Zettel. Nach Abschluss wird überprüft, welche Details übernommen wurden. Es kommt nicht auf Schönheit an, sondern auf zehn Aspekte, die auf der Rückseite der Bildkarte stehen und die keiner vorher gesehen haben darf. Wie viele Strahlen hat die Sonne? In welche Richtung schauen die Personen?, etc. Schön knifflig, aber ziemlich gut.
Wiped Out von Autor unbenannt für 3-6 Spieler ab 12 Jahre von Mattel
Wechselnde Zweierteams im Wettstreit. Immer ist einer der Blinde. Er darf erst schauen, wenn alles bereitet ist. Der Partner muss eine Wortvorgabe mit bis zu fünf Begriffen umschreiben. Die Hinweise werden auf einer Tafel notiert. Jetzt greifen alle anderen ein. Ein Würfel bestimmt, dass bis zu drei der Hinweise wieder ausgewischt werden. Erst danach darf der Ratende hinschauen und versuchen, das Lösungswort zu entschlüsseln. Kreativität bei den Hinweisen, aber auch Gemeinheit beim wohlüberlegten Wegwischen sind gefordert.


Reiss aus von Ralf zur Linde für 2-6 Spieler ab 7 Jahre von den Denkriesen
Mitreißendes Partyspiel. Im wahrsten Sinne des Wortes müssen Begriffe mit einem Blatt Papier gestaltet werden. Dabei wird zerrissen, geknüllt, gefaltet. Hauptsache ist, dass die Vorgabe gut zu erkennen ist. Da alle gleichzeitig agieren und jeder einen anderen der sechs Begriffe von der Vorgabenkarte zugelost bekommen hat, ist das anschließende Zuordnen nicht ganz so schwer. Deshalb wird auch noch Geschwindigkeit belohnt. Und es muss gehaushaltet werden, denn für vier Runden erhält jeder nur ein Blatt Papier.
Party & Co: Rush! – Flip & Fun von Gmotio.com für 4-10 Spieler ab 16 Jahre von Jumbo
Klassiker modern interpretiert. Zwei Teams spielen gegeneinander. Unter Zeitdruck verdeutlicht ein Spieler eine Aufgabe. Es muss umschrieben, gesummt, gezeichnet oder pantomimisch dargestellt werden. Die Teammitglieder versuchen zu raten. Zusatzpunkte gibt es bei der Erfüllung von Twist!-Karten. Hier wird manch Unsinniges aber für die anderen oft Spaßiges gefordert: Summe die Nationalhymne, während dich ein Gegenspieler kitzelt. Eine gewisse Offenheit für Schabernack ist notwendig. Dann kann der Party-Funke überspringen.


Dying Message von Fumiko Shimizu für 2-8 Spieler ab 12 Jahre von Oink Games
Einen Mord inszenieren. Ein Spieler mimt den Leichnam. Er legt sich auf den Boden auf ein rotes Stück Filz, die Blutlache. Vorher hat er aus 15 blutroten Skizzen und seinem „toten“ Körper eine Nachricht zusammengestellt, um den Kommissaren einen Hinweis zu geben. Sechs Verdächtigen-Karten liegen auf dem Tisch. Einer, per Zufall ausgelost, muss überführt werden. Seine Charakterbeschreibung sollte für die blutigen Hinweise genutzt werden. Die anderen Spieler kommen zum Tatort, machen Handyfotos und ermitteln den Täter.
Ultraviolett von Angela Vögtli für 3-4 Spieler ab 12 Jahre von Kampfhummel
Abgefahrenes Zeichenspiel. Es ist nicht neu, dass ein zusammengewürfelter Satz aus Subjekt, Prädikat, Adjektiv und Objekt gezeichnet werden muss. Z. B.: Pinocchio verbuddelt einen feuchten Flamingo. Gänzlich neu ist nun, dass mit UV-Stiften gemalt werden muss, so dass der Spieler mehr nach Gefühl als nach Augenschein zeichnet. Mit einer UV-Licht-Lampe wird das Gemälde beleuchtet und die anderen raten, was da zu Papier gebracht wurde. Dabei hilft, dass es pro Kategorie sechs Vorgaben gibt. Wie eingangs gesagt: Abgefahren!

Und sonst so
LOL Ladies von Rita Modl für 3 und mehr Spieler ab 16 Jahre von AnZen ist ein pinkfarbiges Trinkspiel für den Mädelsabend. Die Spielerinnen müssen sich verschiedenen Aufgaben, bisweilen nicht ganz jugendfrei, stellen. Wer einen Fehler macht oder lacht, muss einen Schluck trinken, wahrscheinlich Prosecco. Für aufgeschlossene Menschen ist sicherlich das Schätzspiel Sex, Drugs und Rock ’N‘ Roll für 2-8 Spieler ab 16 Jahre von Schätz mal! Beispiel: Wie viel Prozent der Paare hat in der Hochzeitsnacht keinen Sex? Die Antwort wird geschätzt, anschließend die Richtigkeit gegoogelt oder freigerubbelt. Wer am nächsten an der Antwort ist, punktet. Quick Stop von Remy für 2-7 Spieler ab 10 Jahre von ATM Gaming ist mittlerweile ein Klassiker unter den Wort-Spielen. Jeder hält fünf Buchstabenkarten. Eine Kategorie wird vorgelesen und alle spielen gleichzeitig. Es gilt, Begriffe zu finden, die zur Vorgabe passen und mit dem Buchstaben auf der Karte beginnen. Nach der dritten richtigen Antwort wird dieser Letter umgedreht und es geht mit einer neuen Aufgabe weiter.
-pen

