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Rundruf: Kaufverhalten im Wandel

3. September 2026, 7:34

Die Kaufzurückhaltung und der wachsende Second-Hand-Markt stellen die Baby- und Kleinkindbranche vor Herausforderungen. 1st Steps hat bei Herstellern und Händlern nachgefragt, wie sie auf diese Entwicklungen reagieren.

Dr. Jan-Willem Weischer, Managing Director & Owner, BabyOne (Foto: hannawitte)

„In wirtschaftlich eher unsicheren Zeiten spielt Vorsicht und auch Kaufzurückhaltung, bei unseren Kund:innen, eine große Rolle. Secondhand hat an Bedeutung gewonnen und das wirkt sich auf den gesamten Handel aus.
Werdende Eltern, möchten alles richtig machen, besonders bei dem Thema Sicherheit. Da können wir als Händler bestmöglich unterstützen: Durch eine kompetente, individuelle Beratung unserer Teams in den Fachmärkten und durch die große Auswahl der neuesten und innovativsten Produkte unserer Partner:innen auf Herstellerseite. Für die Kombination der bestmöglichen Produkte und der persönlichen Beratung kommen die Kundinnen und Kunden in den Fachhandel. Es geht nicht um den reinen Einkauf, sondern um das gute Gefühl, die absolut richtige Entscheidung für das eigene Kind zu treffen und Fehlkäufe zu vermeiden. Hier sehen wir die Stärke des Fachhandels, dies sollte die gesamte Branche weiter stärken.
BabyOne steht für:
– Einfach erreichbar: Durch unser breites Filialnetz sind wir fast immer gleich in der Nähe. Garantierte Sicherheit durch Neuware: Bei uns bekommen Kundenn ausnahmslos fabrikneue Ware auf dem aktuellsten Stand der Sicherheitstechnik. Beratung auf Augenhöhe: Wir unterstützen werdende Eltern und finden gemeinsam heraus, was benötigt wird.
Direkt im eigenen Auto testen: Ergonomie-Check oder Probe-Einbau im eigenen Fahrzeug – spart Nerven und verhindert Fehlkäufe.
Langfristig: Vom kostenlosen Einbau-Check bis zum Leihgerät im Reparaturfall begleiten wir auch lange nach dem Kauf. Am Ende zählt nicht die scheinbare Ersparnis beim Gebrauchtkauf, sondern die kompromisslose Sicherheit und das absolut gute Gefühl dabei.“

„Statt zu versuchen das Kaufverhalten zu verändern und die Konsumenten vom Secondhand-Kauf abzuhalten, ist es erfolgversprechender, von diesem Trend zu profitieren. Kleinkindprodukte zu mieten und auch der Kauf neuer und geprüfter Produkte aus der Miete heraus haben sich in den vergangenen Jahren deutlich als stabiler Trend bei jungen Eltern etabliert. Immer mehr Hersteller nutzen daher Partnerschaften mit professionellen Plattformen wie StrollMe oder hey little, um auf diesem Weg vom Recommerce zu profitieren. Zumal die Secondhand-Produkte dort auf Tauglichkeit geprüft und gereinigt werden, bevor sie erneut zum Kunden gelangen.“

Michael Neumann, Managing Director, German Association of Baby and Child Equipment Manufacturers (BDKH) (Foto: Uta Wagner)
Fiona Wang, Country Manager DACH & Poland, Dorel

„Die aktuelle Kaufzurückhaltung und die wachsende Bedeutung des Second-Hand-Marktes zeigen, dass Familien heute noch bewusster abwägen, wofür sie ihr Budget einsetzen. Für uns bei Dorel Juvenile bedeutet das, auf veränderte Kundenbedürfnisse einzugehen und gleichzeitig den Mehrwert unserer Produkte klar erlebbar zu machen. Und für uns ist das vor allem ein Ansporn, mit relevanten Produkten, Innovationen und starken Services überzeugende Argumente für den Neukauf zu schaffen.
Mit einer konsequenten Good-Better-Best-Produktstrategie bieten wir Lösungen für unterschiedliche Budgets und Familienbedürfnisse. Gleichzeitig investieren wir kontinuierlich in Neuheiten und Innovationen, die einen spürbaren Mehrwert im Familienalltag schaffen. Dabei spielen auch mitwachsende und multifunktionale Produkte eine wichtige Rolle: Lösungen, die Familien über verschiedene Entwicklungsphasen hinweg begleiten oder mehrere Funktionen vereinen, schaffen einen langfristigen Nutzwert und können zusätzliche Anschaffungen reduzieren. So entstehen überzeugende Argumente für die Investition in ein neues Produkt.
Neben dem Produkt selbst gewinnen Qualität, Service und Vertrauen weiter an Bedeutung. Ein Beispiel dafür ist unser erweiterter Service, mit zum Beispiel der verlängerten Garantie oder unserem Unfallsitz-Austausch-Service, mit dem wir ein klares Signal für Qualität und Langlebigkeit setzen. Darüber hinaus bieten wir verstärkt Bundles und Komplettlösungen, die optimal aufeinander abgestimmte Produkte miteinander verbinden. Sie erleichtern Familien die Kaufentscheidung und bieten durch attraktive Paketpreise gleichzeitig einen konkreten finanziellen Mehrwert.
Entscheidend ist für uns das Gesamtpaket: Wir wollen Familien mit attraktiven und langlebigen Produkten, relevanten Innovationen, durchdachten Komplettlösungen, verlässlichem Service, Qualität und einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis erreichen. So schaffen wir auch in einem herausfordernden Marktumfeld relevante Angebote und überzeugende Gründe, sich bewusst für ein neues Produkt von Dorel Juvenile und unseren Marken zu entscheiden.“

„Die aktuelle Kaufzurückhaltung macht Herstellern und Händler der Babybranche weiterhin zu schaffen und der Second-Hand-Markt boomt inzwischen nicht nur im Textilbereich. Wie gehen Sie als Hersteller bzw. Händler damit um? Mit welchen Strategien reagieren Sie darauf, um Kundinnen und Kunden weiterhin für den Kauf neuer Baby- und Kleinkindprodukte zu gewinnen? 
Dass Konsumentinnen und Konsumenten bewusster entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben, spüren wir natürlich auch in unserer Branche. Gerade deshalb müssen Produkte heute mehr denn je durch Qualität, Gestaltung und einen echten Mehrwert überzeugen.
Bei Heless setzen wir auf langlebige, hochwertig verarbeitete Produkte, die Kinder lange begleiten und häufig sogar weitergegeben werden. Second Hand sehen wir deshalb nicht ausschließlich als Konkurrenz. Im Gegenteil: Wenn Spielwaren auch nach Jahren noch gerne genutzt werden, spricht das für ihre Qualität und ihren Wert.
Gleichzeitig müssen wir als Hersteller immer wieder gute Gründe für einen Neukauf schaffen. Bei Puppenbekleidung und Zubehör gelingt das auf eine besondere Weise: Ein neues Outfit oder Accessoire gibt einer bereits vorhandenen Puppe einen neuen Spielimpuls. Dafür braucht es keine immer größeren Anschaffungen, sondern Produkte, die Fantasie anregen und immer wieder neue Spielwelten eröffnen.
Hinzu kommt der Geschenkcharakter unserer Produkte. Ein sorgfältig ausgewähltes, schön gestaltetes neues Produkt hat gerade als Geschenk weiterhin einen besonderen emotionalen Wert. Deshalb bieten wir attraktive Produkte in unterschiedlichen Preislagen an und setzen regelmäßig neue Impulse durch zeitgemäße Designs und Neuheiten.
Für uns geht es daher nicht darum, gegen Second Hand anzutreten. Unsere Aufgabe ist es, Produkte zu entwickeln, bei denen Qualität, Design, Spielwert und Preis so zusammenspielen, dass Kundinnen und Kunden ganz bewusst sagen: Das möchte ich neu kaufen und verschenken.“

Susanna Becker, Managing Director, Heless GmbH
Steffen Kahnt, Managing Director, German Toy Retailers Association (Foto: Valéry Kloubert)

„Auch wenn Familien aktuell genauer aufs Geld schauen: Bei Babys und Kleinkindern wird zuletzt gespart. Der Handel ist überlebensnotwendig für junge Familien und bietet viele starke Produkte, die durch Qualität, Sicherheit, gute Ideen sowie einem echten Mehrwert im Familienalltag überzeugen. Mit unserer Marketingaktion TOP 10 Baby & Kind holen wir genau diese Produkte ins Rampenlicht und zeigen, wie viel Innovationskraft in unserer Branche steckt.“

„Der Second-Hand-Markt wächst stark und diese Entwicklung sehen auch wir bei Träumeland. Grundsätzlich zeigen jedoch diverse Umfragen und Marktbeobachtungen, dass die Matratzen hiervon am wenigsten betroffen sind. Viele Eltern nehmen die Matratze bereits als sicherheitsrelevantes Produkt wahr und entscheiden sich daher eher für den Neukauf. Bei Produkten, die unmittelbar die sichere Schlafumgebung eines Babys betreffen, sehen wir eine Neuanschaffung für besonders wichtig.
Gerade bei Babymatratzen spielen Zustand und Festigkeit eine entscheidende Rolle. Die europäische Norm EN 16890 definiert konkrete Sicherheitsanforderungen an Matratzen für Baby- und Kinderbetten. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Prüfung der Matratzenfestigkeit mittels sogenanntem Kugeltest. Dieser stellt sicher, dass die Matratze ausreichend fest ist und das Köpfchen des Babys nicht zu tief in die Schlafunterlage einsinken kann. Unsere Babymatratzen werden nach den Anforderungen dieser Norm entwickelt und geprüft.
Wird eine Matratze über längere Zeit genutzt und anschließend weitergegeben, ist für Eltern jedoch oftmals schwer nachvollziehbar, welchen Belastungen sie bereits ausgesetzt war und ob ihre ursprünglichen Eigenschaften und ihre Festigkeit noch in gleichem Maße gegeben sind. Auch deshalb empfehlen wir, nach Möglichkeit für jedes Baby eine neue Matratze zu verwenden. Eine sichere Babyschlafunterlage sollte fest, flach und in einem einwandfreien Zustand sein.
Unsere Strategie setzt daher vor allem auf Aufklärung. Wir möchten das Bewusstsein dafür stärken, dass eine Matratze weit mehr ist als nur Zubehör zum Babybett, sondern ein wichtiger Bestandteil einer sicheren und geeigneten Schlafumgebung. Dieses Bewusstsein möchten wir künftig noch stärker vermitteln – vom Baby- und Beistellbett bis hin zu passenden Schlaflösungen für den Kinderwagen.
Viele Babyprodukte können sinnvoll weitergegeben und wiederverwendet werden. Beim Schlafplatz des Babys empfehlen wir jedoch, ganz bewusst auf eine neue Matratze zu setzen.“

Hannes Nösslböck, Founder and Managing Director, Träumeland GmbH