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Mount-Flix: Bauen ohne Grenzen

10. August 2026, 8:05

Vom kleinen Startup zur Nominierung für den Deutschen Spielzeugpreis 2026: Wie aus einer Idee aus dem Familienalltag ein modulares Bausystem entstand, das freies Konstruieren mit spielerischen Lernimpulsen verbindet und heute als eigenständiges Spielkonzept im Markt positioniert wird.

Der Fantasie sind beim Bauen keine Grenzen gesetzt.

Was passiert, wenn ein improvisiertes Kinderbauprojekt auf den Boden eines frisch eingerichteten Hauses trifft? Im Fall von Guido und Sandra Niemeyer führte genau diese Situation zur Entwicklung von Mount-Flix, einem modularen Bausystem „Made in Germany“, das freies Konstruieren mit spielerischen Lernimpulsen verbindet. Die Idee entstand nicht in einer Entwicklungsabteilung, sondern im Alltag der Familie: Die Söhne Marvin und Fabian experimentierten mit herumliegenden Parkettstäben, bauten Türme, ließen sie einstürzen und stellten die Frage, warum sich Stabilität nicht besser lösen lässt. Aus dieser Beobachtung entwickelte sich zunächst ein Gedanke, später ein Prototyp und schließlich ein marktfähiges Produkt. Über mehrere Jahre entstand so ein systematisch aufgebautes Bausystem mit klarer technischer Struktur und eigenständigem Marktanspruch.
Heute besteht Mount-Flix aus 160 leicht biegsamen Bauklötzen, die Konstruktionen zusätzliche Stabilität und Flexibilität verleihen. Ergänzt wird das System durch mindestens vier Leitern in Klotzhöhe, die zusätzliche Ebenen und Spielflächen für Figuren ermöglichen.
Aus diesem System hat sich inzwischen eine kleine Produktfamilie entwickelt. Während das Bausystem auf freies, kreatives Konstruieren ausgelegt ist, ergänzt Fix-Mount-Flix dieses Prinzip um ein regelbasiertes Spielkonzept mit Würfeln und konkreten Bauaufgaben. Beide Varianten eröffnen unterschiedliche Zugänge zum Spielen und Lernen und sprechen damit verschiedene Alltagssituationen und Altersgruppen an. Die Variante Fix-Mount-Flix wurde für den Deutschen Spielzeugpreis 2026 nominiert.
Die Nominierung unterstreicht die wachsende Aufmerksamkeit für das Konzept.
Mit der Produktion in Deutschland und der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Systems haben Guido und Sandra Niemeyer die Grundlage für den weiteren Ausbau geschaffen. Im Mittelpunkt steht nun die Suche nach einem Verlag oder Lizenzpartner, um Mount-Flix und Fix- Mount-Flix einer breiteren Zielgruppe zugänglich zu machen und die Produktfamilie im Spielwarenmarkt weiter zu etablieren. Dadurch entstehen klare Spielziele und abwechslungsreiche Herausforderungen, die das Konstruktionsprinzip in ein strukturiertes Spiel überführen. Redakteurin Janina Hamhaber sprach mit Guido und Sandra Niemeyer über die Entstehung eines ungewöhnlichen Bausystems, den Weg vom Prototyp zur Serie und die Herausforderungen eines Hardware-Start-ups im Spielwarenmarkt.

Spieleerfinder Guido und Sandra Niemeyer

Herr und Frau Niemeyer, wie entstand die Idee zu Mount-Flix?
Eigentlich waren unsere Kinder die Erfinder. Während wir unser Haus eingerichtet haben, lagen Parkettstäbe herum. Die Kinder begannen damit zu bauen. Irgendwann stürzten ihre Konstruktionen immer wieder ein und sie fragten sich, ob sich das nicht stabiler lösen ließe. Abends haben wir uns dann zusammengesetzt und überlegt, wie ein entsprechendes Stecksystem aussehen könnte. Die Idee kam also von unseren Kindern, wir Eltern haben sie weiterentwickelt.

Wie lange dauerte es bis zum fertigen Produkt?
Die Grundidee war schon da, aber im Alltag fehlte zunächst die Zeit. Erst während der Corona-Pandemie haben wir das Projekt konsequent verfolgt. Die Kinder saßen in der Zeit durch Homeschooling und Shutdowns fast nur noch vor dem Computer. Wir wollten etwas entwickeln, das wieder zum Analogen und Ausprobieren anregt.
Bis zum ersten Prototyp vergingen daher rund zwei Jahre. 2022 kam Mount-Flix schließlich auf den Markt. Danach wurde das System ständig weiter verbessert, vor allem durch unsere Kinder. Sie waren unsere kritischsten Tester und hatten immer wieder Ideen für zusätzliche Steckmöglichkeiten oder konstruktive Details.

Wie entstand daraus ein marktreifes Produkt?
Über meine Tätigkeit beim Technischen Hilfswerk ergab sich der Kontakt zu einem Spritzgussunternehmen. Dort entstanden zunächst die Prototypen, aus denen später die Serienwerkzeuge entwickelt wurden.
Anfangs haben wir mit einem WPC-Werkstoff gearbeitet, der einen hohen Holzanteil hatte. Das war nachhaltig und recyclingfähig, zeigte aber Schwächen bei den Steckverbindungen. Deshalb haben wir nach einer Alternative gesucht. Heute bestehen unsere Bausteine zu rund 73 Prozent aus Kunstkork. Produziert wird weiterhin in Deutschland. Das ist zwar kostenintensiver als eine Fertigung in Asien, aber „Made in Germany“ ist für uns ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Was unterscheidet Mount-Flix von anderen Bausystemen?
Wir wollten bewusst ein System entwickeln, mit dem sich schon mit wenigen Bausteinen große Konstruktionen realisieren lassen. Gleichzeitig kann in alle Richtungen gebaut werden: in die Höhe, die Breite und die Tiefe. Die Abmessungen der Bausteine sind außerdem so gewählt, dass viele handelsübliche Spielzeugfahrzeuge integriert werden können. Aus dem Bausystem ist inzwischen auch ein Würfelspiel mit spielerischen Aufgaben für Kinder ab fünf Jahren entstanden. Das ist auch separat erhältlich und im großen Spiel mit enthalten.

Wie wurde Mount-Flix angenommen?
Wir haben das System in Kindergärten, Horten und auf verschiedenen Messen getestet. Besonders auf der Stuttgarter Spielemesse war die Resonanz überwältigend. Unser Stand war den ganzen Tag über voll, und viele Kinder wollten gar nicht mehr aufhören zu bauen. Solche Rückmeldungen sind für uns bis heute die wichtigste Bestätigung.

Sie vermarkten Mount-Flix bislang selbst. Warum?
Wir haben bereits mit mehreren Verlagen gesprochen. Die Rückmeldungen waren durchaus nachvollziehbar: Klassische Brettspiele bestehen häufig aus Karten, Figuren und einem Spielbrett. Der Materialaufwand ist vergleichsweise gering. Mount-Flix ist dagegen ein eigenes Bausystem mit entsprechend höheren Produktionskosten. Zwei Verlage haben uns deshalb abgesagt. Deshalb vertreiben wir Mount-Flix derzeit in Eigenregie und suchen einen Verlag oder Lizenzpartner, der das Produkt gemeinsam mit uns weiterentwickelt und einer größeren Zielgruppe zugänglich macht.

Ihre persönlichen Erfahrungen mit ADHS spielen ebenfalls eine Rolle. Inwiefern?
Sandra Niemeyer: Durch Erfahrung und durch meine Arbeit, habe ich oft Berührungspunkte mit ADHS, auch die verträumte Variante und konnte beobachten, wie lange und konzentriert sich die Kinder mit Mount-Flix beschäftigen konnten. Das hat unseren Blick dafür geschärft, wie wichtig Erfolgserlebnisse und freies Ausprobieren für Kinder sein können. Ich arbeite heute als Coach für ADHS und Angsterkrankungen und begleite vor allem Mütter.
Diese Erfahrungen fließen auch in unsere Produktentwicklung ein. Mount-Flix ist aber kein Spiel ausschließlich für neurodivergente Kinder. Es wurde für alle Kinder entwickelt, meine Erfahrungen haben lediglich den Blick dafür geschärft, wie unterschiedlich Kinder lernen und spielen.

Gerade im pädagogischen Umfeld wird stärker über unterschiedliche Lern- und Aufmerksamkeitsprofile gesprochen. Welche Chancen sehen Sie hier für Ihr Bausystem?
Bei ADHS ist es ja so, dass zwar die Konzentration vorhanden ist, diese sich aber vor allem auf Dinge richtet, die Spaß machen. Wir haben durch Rückmeldungen von Eltern gemerkt, dass sich Kinder mit Mount-Flix sehr lange und konzentriert beschäftigen können. Das hat viel damit zu tun, dass das System spielerisch ist und gleichzeitig Erfolgserlebnisse ermöglicht. Wichtig ist, dass Kinder wieder merken, dass sie etwas schaffen können. In der Schule klappt das oft nicht so, dort entsteht häufig viel Druck. Viele neurodivergente Kinder werden schnell im negativen Sinne abgestempelt. Dadurch entstehen häufig Probleme mit dem Selbstwert, weil sie täglich viel negatives Feedback bekommen. Mit einem System wie Mount-Flix können Kinder spielerisch lernen, zum Beispiel auch bei mathematischen Aufgaben, und erleben dabei, dass sie etwas können. Das ist für die Motivation sehr wichtig, gerade auch im Hinblick auf die Schule.

Mit Fix-Mount-Flix sind Sie für den Deutschen Spielzeugpreis 2026 nominiert. Was bedeutet das für Sie?
Die Nominierung ist für uns eine große Anerkennung. Natürlich treten wir gegen etablierte Hersteller mit deutlich größerer Reichweite an. Trotzdem eröffnet uns die Auszeichnung die Chance, sichtbarer zu werden und neue Kontakte zu knüpfen. Unser Ziel ist es, einen starken Partner zu finden, der Mount-Flix langfristig im Markt etabliert. Als junges Familienunternehmen können wir diesen Schritt allein leider nur schwer gehen.

mount-flix.de