Licensing Trade Fair/Kids 2026: Bologna bringt Toys ins Spiel
Die Bologna Licensing Trade Fair/Kids 2026 rückte gezielt Spielwarenunternehmen in den Fokus. Astrid Specht war vor Ort und hat sich in der neuen Toy Lounge umgesehen, einem Format, das Verlage, Lizenzgeber, Hersteller und Händler näher zusammenbringt und zeigt, wie viel Potenzial in der Verbindung von Buch, Spiel, Marke und Produkt steckt.

Vom 13. bis 16. April 2026 wurde Bologna einmal mehr zum internationalen Treffpunkt für Kinderbuch, Content und Licensing. Parallel zur 63. Bologna Children’s Book Fair und zur BolognaBookPlus fand die Bologna Licensing Trade Fair/Kids statt. Insgesamt kamen 32.652 Fachbesucherinnen und Fachbesucher nach Bologna, 1.540 Aussteller aus mehr als 90 Ländern und Regionen präsentierten sich auf dem Messegelände. Während die Bologna Children’s Book Fair vor allem für Rechtehandel, Kinder- und Jugendbuch, Illustration und Publishing steht, richtet sich die Bologna Licensing Trade Fair/Kids an die Licensing-, Entertainment-, Medien- und Markenwelt. Genau hier setzte 2026 eine wichtige Neuerung an: Erstmals gab es mit der Toy Lounge innerhalb der Licensing Fair einen eigenen Bereich für den Toy-Sektor, der auch in strategischer Partnerschaft mit Play, der BolognaFiere-Veranstaltung für Brettspiele, entwickelt worden ist.
Für die Spielwarenbranche ist das spannend, weil Bologna ein anderes Umfeld bietet als klassische Spielwarenmessen. Hier geht es nicht nur um Produkte, sondern um Geschichten, Figuren, Markenwelten, Rechte, Retail-Konzepte und internationale Anschlussfähigkeit.
Cristina Angelucci, Organisatorin der Licensing Fair und der Toy Lounge, sieht den Schritt als direkte Reaktion auf eine wachsende Nachfrage aus der Spielwarenbranche. Die Toy Lounge sei durch die Unterstützung der Italian Trade Agency möglich geworden, wodurch Spielwarenunternehmen eingeladen werden konnten, die erstmals in Bologna vertreten waren. „Die Idee für diese ganz neue Lounge entstand aus der wachsenden Nachfrage von Spielwarenunternehmen, in Bologna präsent zu sein und Sichtbarkeit innerhalb der globalen Publishing-Community sowie bei den Händlern zu gewinnen“, erklärte Angelucci. Im Fokus stehe dabei die Verbindung von Verlags- und Spielwarenbranche im Buchhandel ebenso wie im Spielwarenhandel.
Die Zahlen der Licensing-Halle unterstreichen den Anspruch: 93 Unternehmen aus 18 Ländern waren vertreten, darunter 20 Spielwarenunternehmen. Hinzu kamen 85 Speaker bei den International Kids Licensing & Media Days, 40 Unternehmen und 165 Talente bei den Licensing Portfolio Reviews sowie 40 Händler. Mit der Resonanz zeigte sich Angelucci sehr zufrieden: „Das Ergebnis hat meine Erwartungen übertroffen.“ Ihr Eindruck sei gewesen, dass die Unternehmen intensiv gearbeitet und viele Meetings geführt hätten. Für die Zukunft sieht sie weiteres Potenzial: Ziel sei es, die Toy Zone um neue Aussteller und Initiativen zu erweitern und den Fokus auf Händler weiter zu stärken, möglicherweise sogar mit einem eigenen Retail-Bereich.


Wie gut das Konzept für Unternehmen funktionieren kann, die zwischen Buch, Spiel und Bildung angesiedelt sind, zeigte GrandPi aus den Niederlanden. Amber und Marga Jansen stellten in Bologna Bilderbücher, Activity Books und Brettspiele vor, mit denen Kinder spielerisch Mathematik lernen. Hauptfigur ist Pi, eine Figur, die Kindern abstrakte mathematische Inhalte näherbringen soll. Zu jedem Thema – etwa Kreis, Quadrat oder Dreieck – gibt es ein Buch, ein Activity Book und ein Brettspiel. „Viele Menschen haben Angst vor Mathematik. Unsere Mission ist es, diese Angst zu nehmen. Mathematik soll Spaß machen“, sagt Marga Jansen. Bologna war für die beiden vor allem deshalb interessant, weil GrandPi international wachsen und Lizenzpartner finden möchte. „Wir sind nun bereit für neue Sprachen“, so die beiden. Die Toy Lounge bot dafür offenbar den richtigen Rahmen: „Für uns ist es sehr hilfreich, weil wir sowohl Bücher als auch Spiele haben.“ Bereits während der Messe seien gute Kontakte entstanden und sie zeigten sich zuversichtlich, dass GrandPi bald „um die ganze Welt reisen“ werde.
Auch die Marke Hanniline aus Österreich nutzte die Toy Lounge als Inspirations- und Kontaktfläche. Dagmara Wnuk-Romstorfer präsentierte dort Spiel- und Lernprodukte für Babys und Kleinkinder, darunter Kontrastkarten, Gefühlskarten und ein doppelseitig nutzbares Puzzle. Hanniline wurde 2019 gegründet; wichtig ist dem Unternehmen, Produkt und Verpackung ganzheitlich zu denken und Materialien sinnvoll zu nutzen. Für Wnuk-Romstorfer sind Messen weit mehr als reine Verkaufsplattformen. Sie seien wichtig, um neue Partner und Händler zu finden, aber auch, um direktes Feedback zu erhalten. In Bologna ging es zudem um neue Blickwinkel: Obwohl Hanniline bislang keine Bücher im Portfolio hat, sah das Unternehmen klare Schnittmengen mit der Buchmesse, vor allem über die Zielgruppe, den pädagogischen Ansatz und die Nähe zu kindgerechten Inhalten. Das Zwischenfazit fiel entsprechend positiv aus: Die Toy Lounge habe „wirklich neue Perspektiven“ eröffnet und einen „ganz anderen Blickwinkel auf das Thema Licensing“ ermöglicht.
Mit CYP Brands war in der Toy Lounge zudem ein erfahrener internationaler Lizenznehmer vertreten. Almudena Cerezo Poblet stellte das spanische Unternehmen vor, das 1992 in Madrid gegründet wurde und seit mehr als 30 Jahren Lizenzprodukte in Kategorien wie Spielwaren, Geschenkartikel, Schreibwaren, Back to School und Homewear entwickelt. Für CYP Brands ist Pokémon aktuell die wichtigste IP, gefolgt vom Fußballbereich mit Marken wie Real Madrid und FC Barcelona. Auf Platz drei sieht Cerezo Poblet je nach Markt Marken wie Gabby’s Dollhouse oder Bluey. Auch bei den Produktkategorien gab sie spannende Einblicke: Back to School steht an erster Stelle, gefolgt von Plüsch und plüschbezogenen Produkten wie Taschenanhängern, Plüschrucksäcken und Accessoires. Gerade im deutschen Markt seien dabei die Qualitätsanforderungen bei Schulrucksäcken und Taschen besonders hoch. Den Mehrwert der Toy Lounge sieht Cerezo Poblet vor allem im Austausch über Branchengrenzen hinweg. Bologna sei „ein Knotenpunkt, an dem man mit Menschen ins Gespräch kommt, die man sonst nicht so häufig trifft“. Genau darin liegt auch für etablierte Lizenznehmer die Chance: Die Licensing Fair bringt Spielwarenindustrie, Verlage, Lizenzgeber, Medienunternehmen und Händler in einem Umfeld zusammen, das Content und Markenwelten bereits versteht.
Die erste Toy Lounge ist ein Signal, dass die Bologna Licensing Trade Fair/Kids den Spielwarenbereich nicht nur mitlaufen lassen, sondern aktiv integrieren will. Für Unternehmen aus der Toy-Branche lohnt sich Bologna besonders dann, wenn sie Geschichten, Charaktere, Bildungsansätze, Markenpotenzial oder lizenzfähige Konzepte mitbringen. Wer hier ausstellt, trifft nicht nur auf potenzielle Handelspartner, sondern auf ein internationales Netzwerk, das Produkte über Kategorien hinweg denkt.
2027 findet die Bologna Children’s Book Fair gemeinsam mit BolognaBookPlus und der Bologna Licensing Trade Fair/Kids vom 5. bis 8. April statt. Polen wird dann Gastland sein. Sollte die Toy Zone wie geplant weiter wachsen, dürfte Bologna für die Spielwaren- und Lizenzbranche weiter an Relevanz gewinnen. Eine schöner ergänzender Treffpunkt für alle, die Toys, Content und Licensing zusammendenken.