Fokus: PR Neu gedacht mit KI
Künstliche Intelligenz verändert die Spielregeln der Kommunikation – auch in der Baby- und Kidsbranche. Sichtbarkeit in ChatGPT & Co. wird zu einem entscheidenden Faktor, um Vertrauen bei Eltern zu gewinnen. PR rückt damit stärker denn je ins Zentrum: als strategischer Hebel für Relevanz, Glaubwürdigkeit und den Zugang ins digitale Gedächtnis der KI. Gastautorin Tomma Rabach, Inhaberin von rabach kommunikation in Hamburg hat das Thema unter die Lupe genommen.
Neue Spielregeln der Kommunikation
In einer Zeit, in der junge Eltern nicht mehr (nur) googeln, sondern Künstliche Intelligenz wie ChatGPT um Rat bitten, verändern sich die Spielregeln der Unternehmens-, Marken- und Produktkommunikation. Wer heute sichtbar sein will, muss nicht nur Suchmaschinen überzeugen, sondern auch die Antworten von Künstlicher Intelligenz prägen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands (November 2024) verwenden bereits 78 Prozent der 16- bis 35-Jährigen in Deutschland KI-Anwendungen. Eine aktuelle Verbraucherumfrage aus den USA (Menlo Ventures, 2025) zeigt sogar, dass bereits 79 Prozent der Eltern mit Kindern unter 18 Jahren generative KI genutzt haben – im Vergleich zu 54 Prozent der Nicht-Eltern. 29 Prozent der Eltern nutzen KI sogar täglich – fast doppelt so viele wie Erwachsene ohne Kinder (15 Prozent). Ob Babytrage, Lauflernschuhe, Schultasche, Spielzeug- oder Einschlaftipp – wer in den Antworten von ChatGPT & Co. genannt wird, gewinnt Sichtbarkeit, Vertrauen und potenzielle Kund*innen. Doch dort landen nur Marken, deren Inhalte für Maschinen und Menschen relevant sind. Public Relations schafft Kontext, Vertrauen und Relevanz und damit genau das, was generative KI bevorzugt. Die Konsequenz: PR wird zum strategischen Hebel für die Unternehmens-, Marken- und Produktwahrnehmung.

Zwischen Tiefenrecherche und Impulskonsum.
Lange Zeit galt: Wer bei Google auf den oberen Plätzen rangiert, ist sichtbar. Ergänzt durch gezielte Pressearbeit, Social Media Präsenz und klassische Werbung schien Markenwahrnehmung gut planbar. So die Theorie. Doch die digitale Informationssuche hat sich immens gewandelt. Mittlerweile geben KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity den Ton an. Sie liefern Antworten, Empfehlungen und Orientierung – vor allem für Millennials und die Gen Z als aktuelle (und werdende) Elterngeneration. Doch nur die wenigsten Marken prüfen bislang regelmäßig ihre KI-Präsenz und haben im Blick, ob und inwiefern sie genannt werden. Auch rücken konkrete Antworten auf authentische Fragen der Zielgruppen häufig in den Hintergrund, während Marketingversprechen im Fokus stehen. Die eigene Expertise ist daher nicht immer sichtbar. Und die Chance, ein zielgruppenrelevantes Thema für sich zu besetzen, sinkt.
Die aktuelle Elternzielgruppe ist komplex, doch ihr Medienverhalten bietet gerade für unsere Branche großes Potenzial. Daher lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen: Während Millennials unterschiedliche Medienformate situationsgerecht nutzen – von Fachartikeln bis Social Media – ausführlich recherchieren und viel Wert auf Glaubwürdigkeit und Empfehlungen legen, entscheidet die Gen Z deutlich spontaner, lässt sich stark von Communities beeinflussen und konsumiert Inhalte bevorzugt in Echtzeit – zum Beispiel über TikTok, Instagram Stories oder Kurzvideos. Der Unterschied zu den Millennials: Die Gen Z erwartet schnelle, direkt anwendbare Antworten. Damit vereint die heutige Elterngeneration Merkmale beider Gruppen und bewegt sich je nach Kontext zwischen Tiefenrecherche und Impulskonsum. Was sie gemeinsam haben: die selbstverständliche Nutzung digitaler Tools – inklusive Künstlicher Intelligenz. Während laut Forsa im Durchschnitt „nur“ 43 Prozent der Deutschen KI als Suchmaschine nutzen, liegt der Anteil bei der aktuellen Elterngeneration auch hierzulande deutlich höher: bei 78 Prozent der 16- bis 35- Jährigen und 55 Prozent der 36- bis 55-Jährigen. Diese Zahlen unterstreichen, wie relevant KI-Sichtbarkeit gerade für die Kids- und Familienbranche ist und zukünftig sicherlich noch zunehmen wird.
KI: Die neue Schnittstelle zwischen Eltern und Marke
Denn immer häufiger wenden sich Mütter und Väter direkt an KI-basierte Assistenten und bekommen sekundenschnell die gesuchten Antworten – basierend auf Daten, die der KI zur Verfügung stehen. Und hier kommt die strategisch geplante PR ins Spiel. Denn welche Markenprodukte im Sprachmodell genannt werden, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis datengetriebener Sichtbarkeit. Die zentrale Frage lautet daher: Wie gelingt es Unternehmen und Marken in KI-Antworten präsent zu sein? Denn wer dort auftaucht, generiert im besten Fall Conversion und investiert in den Beziehungsaufbau. Für die Kommunikationsarbeit ergibt sich daraus ein neues Aufgabenfeld: GEO – Generative Engine Optimization. Denn generative KI bevorzugt genau das, was vor allem die PR-Arbeit und redaktionellen Content auszeichnet: glaubwürdige, journalistisch aufbereitete, kontextreiche Inhalte.
Von SEO zu GEO
Alles, was online zugänglich und maschinenlesbar ist, fließt potenziell in KI- Antworten ein. Vor allem für die Baby- und Kidsindustrie und ihre gezielt nach Informationen suchenden Bedürfnisgruppen bedeutet dies, dass Inhalte für Menschen und Maschinen geschrieben werden müssen. Mit klarer Sprache, konkretem Nutzen, nachvollziehbaren Quellen und in vertrauenswürdigen, digitalen Umfeldern. Denn generative KI-Systeme erzeugen ihre Antworten nicht auf Basis festen Faktenwissens, sondern erkennen und nutzen typische Sprachmuster – also Formulierungen, Strukturen und inhaltliche Verknüpfungen, die in öffentlich zugänglichen Texten besonders häufig auftreten. Zum Beispiel aus redaktionellen Artikeln, Rezensionen, Websites, Pressemitteilungen oder Ratgebern. Auch wiederkehrende Auszeichnungen, Empfehlungen oder Qualitätssiegel fließen, sofern sie aus gut vernetzten, vertrauenswürdigen Quellen stammen, mit ein. Somit rückt GEO in den Mittelpunkt der Kommunikationsarbeit.
SEO ist weiterhin von Bedeutung. Denn es bildet die technologische Basis: Hochwertige Inhalte, saubere Struktur und Autorität durch Backlinks bleiben wichtige Voraussetzungen für Sichtbarkeit im Netz. Doch GEO bringt eine neue Tiefe ins Spiel: durch journalistische Qualität, Relevanz und Kontextverständnis. Entscheidend ist daher nicht mehr (nur), wie gut eine Seite technisch optimiert ist, sondern auch, ob ihre Inhalte regelmäßig in vertrauenswürdigen, thematisch relevanten Kontexten erscheinen.
Ein Beispiel: Auf die Frage nach konkreten Produktempfehlungen im Bereich Babys und Familie liefert ChatGPT Pro eine zusammenfassende Antwort, gestützt auf verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen. Dazu zählen redaktionelle Seiten wie eltern.de, familie.de und leben-und-erziehen.de, Testberichte von ÖKO-Test und Stiftung Warentest sowie Plattformen mit Nutzerbewertungen: Amazon, Smyths Toys, babymarkt.de, mytoys.de etc. Auch Artikel aus Fachzeitschriften und damit Empfehlungen aus Handel, Indus-trie und Pädagogik sind relevant. Aussagen von Hebammen, Kinderärztinnen, Ergotherapeutinnen oder Studien fließen ebenso wie gut strukturierte Markenwebsites in die Antworten mit ein und führen zu Produktempfehlungen für suchende Eltern.

KI-Sichtbarkeit im Check:
1. KI-Monitoring: Regelmäßige Testabfragen, ob und in welchem Kontext die eigene Marke in Tools wie ChatGPT oder Perplexity genannt wird.
2. Eltern-Fragen: Aufbau von Inhalten, die konkrete Fragen der Zielgruppe beantworten, zum Beispiel über Blogbeiträge oder Ratgeber-Artikel.
3. Themenführerschaft: Kernfragen der Zielgruppe nicht nur beantworten, sondern durch Themenspecials oder andere wiederkehrende Content-Formate Fragen und Themen dauerhaft besetzen.
4. Vertrauenswürdige Quellen: Die Platzierung in Fachmedien oder Elternportalen stärkt die Glaubwürdigkeit und KI-Relevanz. Aussagen von Experten oder Studien einbinden.
5. Eigene Expertise: Unternehmensprofile, Hintergrundinfos und klar benannte Autor*innen stärken die Wahrnehmung.
6. KI-taugliche Inhalte: Klarheit, Relevanz und Nutzwert des eigenen Contents ebenso prüfen wie technische Aspekte.
7. Strukturierte Daten: Bei Produktbeschreibungen, -bewertungen oder FAQ-Inhalten auf schema.org.-Markierungen zurückgreifen. So können Suchmaschinen und KI-Systeme Inhalte besser erkennen, verstehen und zuordnen.
8. Redaktionelles „Ökosystem“: Eigene Inhalte vernetzt planen: als Blogbeitrag, in Social Media, in Newslettern, über Native Ads, redaktionelle Kooperationen, bei Plattformen mit Nutzerbewertungen.
Jenseits klassischer Medienarbeit
Eine erfolgreiche Kommunikations- und PR-Strategie sollte daher mehrgleisig fahren und sowohl Redaktionen, die eigenen Communities, oben genannte Multiplikatoren und Stakeholder, als auch die KI erreichen. Wichtig ist ein ganzheitlicher Kommunikationsansatz, der Inhalte nicht nur „verbreitet“, sondern strategisch dort platziert, wo die Bedürfnisgruppen und KI sie finden können. Für die Unternehmens-, Marken- und Produktkommunikation bedeutet das:
- Datenanalyse: Was weiß das Netz über die eigene Marke oder das eigene Unternehmen? Welche Begriffe, Probleme oder Zielgruppen werden damit verbunden? Regelmäßige Sichtbarkeits-Checks in KI-Systemen wie ChatGPT oder Perplexity sind notwendig, um frühzeitig zu erkennen, ob und wie die eigene Marke (oder Wettbewerber) im Antwortverhalten erscheinen. Auch die generativen KI-Tools wie ChatGPT selbst zu befragen ist ein effektiver Ansatz und ermöglicht wertvolle Einblicke in die tatsächlichen Referenzquellen der jeweiligen Modelle.
- Ratgeber first: Eltern suchen Lösungen. Inhalte sollten daher Fragen beantworten, statt nur zu informieren.
- Vertrauensaufbau durch Qualität: Die Auswahl der Medien ist entscheidend – Inhalte entfalten nur dann Wirkung in KI-Systemen, wenn sie in vertrauenswürdigen, redaktionell geprägten Quellen veröffentlicht wurden. KIs ziehen quellengestützte Fakten, Expert*innenzitate, und realen Nutzwert vor. Also Antworten auf Fragen von echten Nutzer*innen, praxisnahe Empfehlungen oder Anleitungen, Erfahrungsberichte und Tests,
- Plattformstrategie überdenken: Generative KI-Systeme bevorzugen stabile, inhaltlich gut eingebettete und langfristig auffindbare Inhalte – also Content, der nicht isoliert steht, sondern in einem nachvollziehbaren thematischen Zusammenhang veröffentlicht wird und gut verlinkt ist. So gewinnen Beiträge in Blogs, Produktseiten mit Rezensionen und Anwendungsbeispielen, Tests, Rankings und Tutorials, die regelmäßig zitiert werden, an Bedeutung. Damit sind auch redaktionelle Formate auf der eigenen Website – wie Blogs, Ratgeberartikel oder Expert*inneninterviews – besonders wertvoll, da sie genau diese Kriterien erfüllen. Weil diese Inhalte an Relevanz gewinnen, ist es umso wichtiger, dass Unternehmen die Zielsetzungen ihrer genutzten Plattformen klar definieren und strategisch ausrichten.
Inhalte von Social Media Profilen wie Instagram, Facebook oder TikTok greifen generative KI-Systeme in der Regel nicht automatisch auf. Das liegt unter anderem daran, dass sie nicht dauerhaft indexiert sind, weil dynamische Feeds durch instabile URLs oder fehlende, langfristige Verlinkungen schwer zu erfassen sind,. Auch technische Sperren, begründet durch Datenschutz- oder AGBs begrenzen den Zugriff von Crawlern wie Google oder KI-Anbietern. Anders ist es, wenn Inhalte von Social Media Profilen in einem Online-Magazin, Blog, Fachartikeln oder auf der eigenen Website eingebettet werden. Backlinks erhöhen die Chance, dass sie von KI-Systemen gesehen und als relevant eingestuft werden. Auch strukturierte Beschreibungen innerhalb der Captions erhöhen die Chancen. Daher sind diese Kanäle weiterhin unverzichtbar im Kommunikationsmix, gerade weil die Gen Z sie aktiv nutzt. Für Community-Aufbau, Echtzeitkommunikation und schnelle Reichweiten sind sie nach wie vor essenziell.
PR als strategischer Hebel
Die rasante Entwicklung generativer KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini stellt die Unternehmens-, Marken- und Produktkommunikation vor eine Neuausrichtung. Sichtbarkeit wird künftig nicht mehr allein durch Suchmaschinenrankings definiert, sondern darüber, ob und wie eine Marke in den Antworten dieser Systeme erscheint. GEO ist dabei mehr als ein neuer Trendbegriff. Es handelt sich um eine strategische Erweiterung der Kommunikationsarbeit, die klassische SEO um eine inhaltlich-narrative Dimension ergänzt. Die PR-Arbeit der Zukunft ist folglich kein Entweder-oder zwischen klassischer Medienarbeit und digitaler Optimierung. Sie ist ein Zusammenspiel aus beidem.
Insbesondere in der Baby- und Kidsbranche, in der Vertrauen, Expertise und Sichtbarkeit von großer Relevanz sind, wird KI zur neuen Instanz des Empfehlungsmarketings und PR zur Schlüsseldisziplin. Wer langfristig sichtbar und vertrauenswürdig bleiben will, sollte gezielt in Earned Media sowie Native Ads investieren und PR nicht mehr „nur“ als Contentlieferanten verstehen. Eine strategisch geplante Kommunikationsstrategie schafft Inhalte, die nicht nur Vertrauen bei Eltern erzeugen, sondern auch Zugang in das kollektive Gedächtnis von generativer KI findet. Wer heute beginnt, diese Inhalte gezielt zu entwickeln, legt das Fundament für die Unternehmens-, Marken- und Produktwahrnehmung von morgen. Relevanz, Kontext und Glaubwürdigkeit ersetzen technische Taktik in ihrer Priorität. Die Frage ist nicht mehr: „Wie werde ich gefunden?“ Sondern: „Was sagt die KI über mich, wenn Eltern sie befragen?“ Damit wird GEO zum strategischen Hebel einer neuen Sichtbarkeitslogik. Ein Hebel für Relevanz im digitalen KI-Gedächtnis. Das kann im hart umkämpften Markt zum Wettbewerbsvorteil werden.
Tomma Rabach


