Fokus – „Ich kann das“

12. März 2021, 9:21

Durch den Austausch mit anderen, durch die Reaktionen anderer auf ihre Handlungen und deren Vorbild entstehen bei Kindern Selbstlernprozesse. Inwieweit diese für ihre Entwicklung von Bedeutung sind, beleuchtet der Autor des nachfolgenden Beitrags.

Kinder vertiefen sich in ihr Spiel, sie probieren Dinge aus, gestalten Neues, beobachten Veränderungen aufmerksam, versuchen es noch einmal und noch einmal. Auf diese Weise variieren sie ihre Sicht auf die Welt immer wieder neu und lernen so, wie die Welt funktioniert. Neues zu entdecken und Interesse für das Unbekannte zu entwickeln, motiviert Kinder, zu spielen und zu handeln. Durch das Handeln erlebt das Kind, dass es etwas verändern und entstehen lassen kann. Es erlebt Selbstwirksamkeit und nichts ist motivierender, als für das eigene Handeln ehrliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Das heißt nicht, dass es permanent von Erwachsenen belobigt werden muss. Es genügt schon die Aufmerksamkeit, das Gesehenwerden und der Dialog über das, was geschieht.
Die neuseeländische Erziehungswissenschaftlerin Margaret Carr hat eine Methode entwickelt, mit der dem Kind die notwendige Wertschätzung für die beobachteten Lernfortschritte in Form einer „Learning Story“, einem Brief an das Kind, zuteil wird. Diese Lernfortschritte nennt sie Lerndispositionen, die so gespiegelte Beobachtung zeigt, auf welchem Lernweg das Kind unterwegs ist. Durch das Vorlesen solch eines Briefes, wird dem Kind motivierend transparent gemacht, was es gerade für sich als kleiner Forscher in dieser Welt entdeckt hat. Es entsteht ein Bewusstsein für die Resonanz, die durch das eigene Handeln erzeugt wird.

Was Margaret Carr beobachtet und in einer Lerngeschichte für das Kind beschreibt, sind fünf Lerndispositionen: Wie „interessiert“ (Aufmerksamkeit) zeigt sich ein Kind in einer Spielhandlung, wie „engagiert“ ist es bei der Sache (Begeisterung), wie lange kann es einer Situation „standhalten“ (Ausdauer), wie kann es sich „ausdrücken“ (mitteilen) und wie bezieht es andere, die „Lerngemeinschaft“, mit ein. Diese Faktoren sind nur die Spitze des Eisberges und geben Hinweise auf den unsichtbaren Teil unter der Oberfläche der Spielhandlung, nämlich die Lerngrundlagen „Zugehörigkeit“, „Wohlbefinden“, „Exploration“, „Kommunikation“ und „Partizipation“.
Margaret Carr hat hier auf sehr anschauliche Weise eine Beobachtungsmethode nutzbar gemacht, die dem Kind Motivation gibt und ihm die Möglichkeit bietet, voller Stolz aussprechen zu können „Guck mal, das habe ich gemacht!“. Für Eltern, die eine Lerngeschichte ihres Kindes bekommen, wird sehr schnell spürbar, wie ihr Kind wahrgenommen und wertgeschätzt wurde. Welche Eltern erfüllt das nicht mit einem besonderen Stolz?

Axel Antons-Eichner ist Regionaler Geschäftsleiter Nord bei Impuls Soziales Management

Über Impuls Soziales Management Impuls Soziales Management ist ein bundesweit tätiger Träger von derzeit 40 betrieblichen und öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen. Als Dienstleister steht Impuls Unternehmen und Kommunen seit 25 Jahren beratend beim Aufbau und bei der Optimierung von Kitas zur Seite. Zu den Kunden zählen Großkonzerne wie die Daimler AG, die Volkswagen AG und RWE ebenso wie mittelständische Unternehmen. Knapp 850 Mitarbeiter sind für Impuls im Einsatz, davon mehr als 40 in der Zentrale in Kassel.