Branche: Verlorenes Potenzial
Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik – und soll vor allem Querschnittsaufgabe werden. Natascha Sagorskis neue Initiative „Unternehmen mit Haltung“ formulierte ihre Ziele in einer fulminanten Auftaktveranstaltung mit viel Politprominenz. Beim Familienwirtschaftsgipfel in Berlin trafen sich auch die Unterstützer der ersten Stunde, darunter Hersteller für Spielwaren, Kinderausstattung und den Bedarf von Müttern.

Der Bundesverband Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller e. V. (BDKH) ist der erste fördernde Verband des bundesweiten Netzwerks „Unternehmen mit Haltung“. Die Hersteller-Vertretung folgte damit dem Beispiel seiner Mitglieder Lansinoh Laboratories Inc. und Kindsgut GmbH, um sich über den neuen Thinktank branchenübergreifend mit anderen Unternehmen, Vertretern der Politik und Zivilgesellschaft für eine Neugewichtung familienpolitischer Themen einzusetzen. Die Initiatorin Natascha Sagorski ist bereits als Lobbyistin der erfolgreichen Gesetzesinitiative für den gestaffelten Mutterschutz und Gründerin der gemeinnützigen Organisation „Familie sind alle“ GmbH bekannt. Ihr nächstes Ziel: Familienpolitik soll zur Querschnittsaufgabe werden, weil sie ähnlich wie weitere ressortübergreifende Aufgaben in der Politik, etwa die Seniorenpolitik, in alle Bereiche einfließen muss. Damit erlangt Familienpolitik als ein langfristig gesellschaftliches Ziel die Bedeutung und auch finanzielle Ausstattung, die ihr zusteht.
Das Netzwerktreffen im Berliner Salon Diskurs wurde von Schirmherrin Bärbel Bas eröffnet: „Echte Gleichstellung und eine starke Familienpolitik sind in der Tat nicht nur wichtig für Frauen, sondern auch für Männer“, betonte die amtierende Bundesministerin für Arbeit und Soziales. „Es ist richtig, dass wir das jetzt auch durchsetzen und dafür haben wir die Chance, auch mit vielen Frauen übrigens im Kabinett, die, wenn sie sich zusammentun, auch noch ein bisschen mehr erreichen können, als man das vielleicht immer nur zwischen Koalitionären sieht.“ Neben Bas fanden sich auch die Parlamentarische Staatssekretärin und stellvertretende Parteivorsitzende der CDU, Silvia Breher, sowie Franziska Brantner, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, im Panel ein. Auf dem Podium erläuterte Yvonne Weiß, COO der Funke Mediengruppe, die Schritte zur Einführung von „Familienstartzeit“ für die Mitarbeitenden. Die Anwältin Sandra Runge berichtete über die vielen Fälle von struktureller Diskriminierung von Eltern am Arbeitsplatz und ihren Einsatz, Elternschaft als Diskriminierungsmerkmal in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aufzunehmen. Zu den weiteren Gästen aus Politik und Wirtschaft an diesem Abend gehörten die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags Josephine Ortleb (SPD), der Parlamentarische Staatssekretär Michael Schrodi (SPD) und die Barmer-Vorständin Simone Schwering.


Natascha Sagorski und Anna Huber, Geschäftsführerin von „Familie sind alle“, überreichten schließlich die unterzeichnete Charta von „Unternehmen für alle“ an die Gäste aus der Politik. Sagorski: „Familienpolitik und Demokratie sind nicht allein Angelegenheiten von Politikerinnen und Politikern. Wir haben das riesengroße Privileg, in einer Demokratie leben zu dürfen und diese gestalten zu können. Wir können alle Einfluss auf Politik nehmen und Räume finden, wo wir mitsprechen können. Diesen Raum nutzen wir hier heute. Ein Raum, in dem eben nicht nur Unternehmen, sondern auch Menschen mit Haltung zusammenkommen.“
Zu den Top-Themen, die der BDKH auf politischer Ebene und mithilfe von „Unternehmen mit Haltung“ adressiert, gehört die Mehrwertsteuersenkung für die Baby-Grundausstattung im ersten Lebensjahr, die Kindersicherheit und deren Gefährdung durch Billigimporte über Asia-Plattformen und vor allem das Engagement für ein positives gesellschaftliches Klima für Familien mit Kindern in Deutschland, sei es über mehr und bessere Betreuungsmöglichkeiten, Finanzhilfen oder familienfreundliche Arbeitnehmerregelungen.