Branche – Spielzeughersteller gesucht!

30. August 2021, 11:24

Eigentlich wäre es ja ein echter Traumberuf. Das Herstellen von Spielwaren. Aber kaum jemand weiß, ob und wo man diesen Beruf erlernen kann. In Deutschland gibt es genau eine Schule, die diesen Zweig anbietet. Wie der Ausbildungsgang aussieht und welche Chancen dieser Beruf bietet, erfuhr Sibylle Dorndorf im Gespräch. Rede und Antwort stehen Heike Kemnitz, Lehrkraft der SBBS in Sonneberg, zwei Schülerinnen und die Unternehmerin Barbara Fehn-Dransfeld, deren Auszubildende gerade die SBBS in Sonneberg besuchen.

Frau Kemnitz, was wird im Rahmen der Ausbildung zum Spielzeughersteller/ zur Spielzeugherstellerin gelehrt und wie lange dauert die Ausbildung an der Staatlichen Berufsbildenden Schule (SBBS) in Sonneberg?
Ein Spielzeughersteller stellt Spielzeuge aus Kunststoff zum Beispiel Puppen, Eisenbahnen oder Kleinkindspielsachen sowie textiles Spielzeug wie beispielsweise Plüschtiere, Stoffpuppen und Puppenbekleidung und Holzspielzeuge wie beispielsweise Bausteine, Fahrzeuge und Zubehör für Modelleisenbahnen her. Er lernt Arbeitsabläufe selbständig zu planen, textile Materialien sowie Holzwerkstoffe und Kunststoffe je nach Verwendungszweck und Wirtschaftlichkeit auszuwählen und bearbeitet diese.

Infos zur Ausbildung und zur Schule finden Interessierte im Internet unter sbbs-son.de, Rubrik: Bildungsangebote – Duale Ausbildung – Spielzeughersteller oder unter dem Button: Beratungslehrer: Christine Roß.Auf dem Gelände der Schule befindet sich auch ein Wohnheim mit 13 Wohneinheiten und je zwei Doppelzimmern, so dass auch Schülern, die weit entfernt wohnen, eine Übernachtungsmöglichkeit während den Schulwochen zur Verfügung steht. Ebenfalls auf der Website zu finden sind Anmeldeformulare zum Download.

Weiterhin erarbeitet ein Spielzeughersteller Unterlagen für den Fertigungsablauf und technische Daten über Arbeitsabläufe und erfasst die Arbeitsergebnisse. Gesichtspunkte des Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzes sind ebenso Bestandteile der Ausbildung wie betriebsorganisatorische Tätigkeiten in der Arbeitsvorbereitung und der Produktion. Er verwendet Werkzeuge und richtet Maschinen und Anlagen zur Textil-, Holz- und Kunststoffbearbeitung ein, bedient und überwacht sie und ist für die Instandhaltung mitverantwortlich.
Ein Spielzeughersteller muss auch technische Zeichnungen anfertigen und auswerten können, er fertigt Zuschnittschablonen und Zuschnitte an, stellt Kunststoffteile her und fügt Teile zu Baugruppen und fertigen Spielzeugen zusammen. Außerdem gestaltet er Oberflächen mit verschiedenen Techniken, dekoriert und komplettiert die Produkte wie zum Beispiel Ankleiden und Frisieren von Puppen, farbige Gestaltung von Gesichtern mit Airbrush, Besticken von Plüschtieren, Einsetzen von Augen und vieles mehr.
Ganz wichtig ist die abschließende Qualitätskontrolle der Produkte, denn schließlich stellt der Spielzeughersteller Spielzeuge für Kinder her, die Produkte müssen also strengen sicherheitstechnischen und ästhetischen Anforderungen genügen. Auch die letztendliche dekorative und sichere Verpackung der Spielzeuge ist ein wichtiger Aspekt der Ausbildung. Wie Sie erkennen können, ist die Ausbildung sehr breit gefächert und abwechslungsreich.
Die Ausbildung zum Spielzeughersteller ist eine dreijährige duale Berufsausbildung, das bedeutet, die Ausbildung findet an zwei Lernorten statt, im Ausbildungsbetrieb und an der SBBS in Sonneberg. Bestimmte Lehrinhalte werden darüber hinaus in Form von überbetrieblichen Lehrgängen im nahegelegenen Sonneberger Ausbildungszentrum (SAZ) vermittelt.

Welche Voraussetzungen muss man als Schüler mitbringen und welchen Abschluss kann man erreichen?
Als erstes braucht man natürlich einen von der IHK bestätigten Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb, der Spielzeuge produziert. Zugangsvoraussetzung ist mindestens ein Hauptschulabschluss. Man sollte körperlich gesund sein, vor allem keine Probleme mit dem Farbensehen und keine Allergien gegen bestimmte Stoffe wie Plüsch, Farben oder ähnlichem haben. Man erreicht den Facharbeiterabschluss mit der Bezeichnung: „Spielzeughersteller/Spielzeugherstellerin“, das ist ein IHK-Beruf.

Ist Talent erforderlich oder kann jeder diesen Beruf erlernen, was raten Sie?
Im Prinzip kann jeder diesen Beruf erlernen, der ein wenig Geschick und Fingerfertigkeit besitzt. Mit den berühmten „zwei linken Händen“ ist man in diesem Beruf fehl am Platze! Wichtig ist, dass man sich auch mit seinen Produkten identifiziert, dass man Liebe zum Detail entwickelt und etwas Geduld für Feinarbeiten mitbringt, da in jedem Spielzeug noch viel Handarbeit steckt. Und man sollte sich bewusst sein, dass Kinder mit den hergestellten Produkten spielen und man somit auch eine gewisse Verantwortung für die Gesundheit und Entwicklung der Kids hat.

In welchen Fächern unterrichten Sie persönlich?
Ich unterrichte alle Lernfelder, die mit textilen Materialien und Maschinen zur Textilver- und bearbeitung zu tun haben und mit der Gestaltung der Produkte, da ich die Fachrichtung Textiltechnik studiert habe. Das sind folgende Lernfelder: LF1: Der Spielzeugbetrieb und seine Erzeugnisse, LF3: Auswählen von Werk- und Hilfsstoffen Textil, LF6: Maschinenkunde Textil, LF9: Dekorieren und Komplettieren der Erzeugnisse und LF11: Gestalten von Spielzeugen und Spielzeugverpackungen.

Die Spielwarenbranche ist eine Wachstumsbranche mit vielen Facetten. Viele Unternehmen holen ihre Produktion derzeit nach Europa, sogar Deutschland, zurück. „Made in Germany“ ist eine „sichere Bank“ und ein Qualitätsversprechen. Wie erklären Sie sich angesichts dessen den geringen Zuspruch für diesen Bereich?
Ich vermute, diese Ausbildungsrichtung ist vor allem bundesweit gar nicht so bekannt und viele Jugendliche und ihre Eltern denken, dass man durch den Beruf des Spielzeugherstellers regional eingeschränkt ist oder keine weiteren beruflichen Perspektiven nach der Ausbildung hat, obwohl es nicht so ist. Man kann nach der Ausbildung zum Beispiel eine Weiterbildung zum Fach- und Industriemeister absolvieren und eine Qualifikation zum Ausbilder über die IHK abschließen. Außerdem glauben wahrscheinlich männliche Jugendliche, dass der Spielzeughersteller ein typisch weiblicher Beruf ist, obwohl er auch viel mit Werkzeugen und Maschinen zu tun hat. Deshalb ist es wichtig, bundesweit zu werben und die Inhalte bekannt zu machen.

Der Fachkräftemangel wird die Tendenz, Produktionsstätten wieder zurückzuholen, für fast alle Branchen bremsen. Gehen Sie auch aktiv an herstellende Spielwarenunternehmen heran, um für die Ausbildung zu werben?
In Südthüringen und Oberfranken sind die Ausbildungsmöglichkeiten an unserer Schule bekannt. Durch regelmäßige Telefonate mit Firmen, durch die „Regionale Ausbildungsmesse“ (RAM) in unserem Haus und den jährlichen „Tag der offenen Tür“ an der SBBS werben wir regelmäßig. Außerdem sind unsere Beratungslehrer Susanne Roß und Christine Roß ganzjährig auf vielen Messen unterwegs, um unsere Ausbildungsmöglichkeiten bekannt zu machen, um nur einige zu nennen: „Jobfinder Erfurt“, „Berufsstart Erfurt“, „IHK-Messen in Sonneberg, Coburg und Neuhaus am Rennweg“ und die „FAMOS“ in Sonneberg“.

Frau Kemnitz, ich bedanke mich herzlich für das Gespräch!