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Branche – Er ist dann mal weg …

23. November 2020, 12:00

Sein persönlicher Jakobsweg mag dann und wann auch die Arbeit in der Spielwarenbranche gewesen sein. Ich denke, das geht uns allen so. Und wie wir alle hat er in dieser Arbeit auch einen Teil seiner Berufung gefunden. Jetzt hört er auf. Denn es gibt ein Leben „danach“. Seine langjährigen Wegbegleiter und die Verfasserin zollen Wolfgang Schühle Anerkennung und Dank – und geben ihm, wem sonst, das Schlusswort: Ein Plädoyer für Holzspielwaren.

Holzspielwaren – die Must-haves im Sortiment

Ein Plädoyer für Holzspielwaren, wer könnte das besser halten als Wolfgang Schühle, ehemals Geschäftsführer bei Ostheimer, langjähriger Leiter der Fachgruppe Holzspielzeug beim DVSI, und Kenner der Materie Holz aus Passion. Wolfgang Schühle hat den Weg, den Holzspielwaren als wichtiger Sortimentsbaustein in den letzten Jahrzehnten gegangen sind, begleitet, gestaltet und für die Branche nochmals zusammengefasst.

Kinder spielen – und zum Glück viele Erwachsene auch. Waren es früher nur die einfachen Spielzeuge aus Holz oder aus anderen Naturmaterialien, mit denen Kinder in Berührung kamen, so hat sich das Angebot mit den Jahren stark verändert. Technische Spielwaren mit mechanischen Funktionen sind auf den Markt gekommen, Kunststoffspielzeug hielt Einzug, Multimedia und Hightech werden in Spielwaren verbaut, so dass heute eine unglaubliche Vielfalt und Bandbreite an sinnvollem aber auch unsinnigem Spielzeug die Kinderzimmer flutet. Für Eltern wird es nicht einfacher, manchmal fast unmöglich, zu entscheiden, welche Spielzeuge den Nachwuchs spielerisch ins Leben begleiten sollen. Holzspielzeug mit all seinen Qualitäten ist sich an dieser Stelle treu geblieben. Ist selbstbewusster geworden – sieht sich in der heutigen Zeit von Qualitätsanspruch, Spielwert, Nachhaltigkeit und Klimadiskussion sehr gut aufgestellt und entspricht in vielen Facetten dem, was Eltern für ihre Kinder als gut und wertvoll erachten. Letztendlich bestätigt die positive Umsatzentwicklung der Holzspielzeugbranche in den letzten Jahren diese Sichtweise und wird auch in der Zukunft, gerade aufgrund der hohen Nachhaltigkeit und Qualität, die Holzspielzeuge verkörpern, und der gesellschaftlichen Diskussion seine Stärke weiter ausbauen. Begleitet wird dieser Weg durch die Veränderung der Vertriebskanäle für Holzspielzeuge, die in den letzten Jahren, verstärkt durch den Onlinehandel, stattgefunden hat. Den kleinen Holzspielzeugladen, gegründet in den Achzigern, der neben den Produkten gleich die pädagogische Beratung mit im Angebot hatte, und der so liebenswert war, den gibt es (leider) fast nicht mehr. Holzspielzeug wird heute als Kernsortiment in allen guten Spielwarenfachgeschäften, dazu zählen auch gute Online-Anbieter, angeboten. Als gut sortiertes Spielzeug-Fachgeschäft kommt man nicht umhin, Holzspielwaren eine wachsende Bedeutung zuzumessen.

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erkannt haben dies auch Buchhandlungen, die sehr gerne eine kleine Abteilung mit Holzspielzeugen führen oder themenbezogen zu Kinderbüchern eine Auswahl an guten Holzspielwaren anbieten. Als Accessoire sind Holzspielzeuge in Möbelhäusern zu finden, ebenso in Kunsthandwerkerläden, Geschenkläden, Boutiquen und Concept-Stores. Diese Vertriebswege gehören heute für viele Holzspielwarenhersteller selbstverständlich dazu. Letztendlich erkennen viele Fachhändler mit Schwerpunkt außerhalb der Spielware, dass arrondierende Sortimente sich positiv auf Kundenfrequenz und Umsätze auswirken. Gerade auch in dem Bestreben vieler Händler, ihr Angebot an nachhaltigen Produkten auszubauen, die ganze Familie als Zielgruppe mit all ihren Bedürfnissen zu gewinnen, spielt Holzspielzeug eine attraktive und nicht unwichtige Rolle und wird zum Ausdruck der Nachhaltigkeitsstrategie eines Fachgeschäftes. Käufer werden in Zukunft immer bewusster einkaufen, gerade auch Spielwaren, und je weiter die notwendige Diskussion um umweltpolitische Themen, um eine lebenswerte Zukunft geht, umso wichtiger wird es für Fachhändler sein, diese Entwicklung mitzugestalten. Holzspielzeuge mussten sich nicht neu erfinden, diese Produkte waren schon immer schönes, nachhaltiges, pädagogisches und generationenüberdauerndes Spielzeug. Holzspielzeug unterliegt keiner Mode, muss nicht dem Zeitgeist angepasst werden, sondern ist, wie es schon immer war: ein tolles und wertbeständiges Spielzeug für Kinder. Und, Holzspielzeug unterlag schon immer der Symbiose zwischen Herstellern und Fachhandel. Nur, der Fachhandel hat sich verändert, und damit einhergehend die Vertriebswege, über die Holzspielzeuge heute zu Groß und Klein gelangen. Viele Hersteller, gerade in der Fachgruppe Holzspielzeug, unterstützen den Fachhandel mit guter Marketingarbeit über die sozialen Medien. Kommunizieren direkt mit der Zielgruppe für Holzspielwaren, wecken Freude und Begeisterung an der Qualität dieser Spielzeuge und bringen somit den nach wie vor steigenden Bedarf in die Fachgeschäfte. Die Definition von Fachhandel – früher eine einfache Betrachtung – das war der Laden um die Ecke, der liebenswert, inhabergeführt seine Kunden noch mit Namen kannte. Heute, ich darf mich nicht von der Nostalgie leiten lassen, ist alles anders. Ob besser, das mag jeder für sich selbst entscheiden. Ich erlaube mir an dieser Stelle ein bisschen Nostalgie, das fühlt sich einfach gut an.

 

Er ist aus dem richtigen Holz geschnitzt. Treffender könnte man Wolfgang Schühles Persönlichkeit nicht beschreiben, man muss nur hören und lesen, mit wie viel echter Wertschätzung seine Wegbegleiter und die Menschen, denen er im Laufe der Zeit begegnet ist, über ihn sprechen. Ich kann mich dem nur anschließen. In meinem beruflichen Leben habe ich viele Manager kommen und gehen sehen. Mit der notwendigen Distanz, die man als Journalist braucht, um Situationen und Menschen einschätzen und objektiv betrachten zu können, bin ich auch Wolfgang Schühle begegnet. Ich habe erlebt, wie er als Geschäftsführer agierte, wie er sich im Branchenkontext positionierte und schließlich, wie er als Fachgruppenleiter „die Holzwürmer“ auf zu neuen Ufern führte. Längst hatte ich da innerlich den Hut gezogen. Eine Fachgruppe, deren Bedeutung in der Branchenöffentlichkeit immer etwas herunter “gespielt“ wurde, war plötzlich Vorreiter in Sachen Social Media. Diese Initiative rückte das gesamte Segment in ein völlig neues Licht. Holzspielwaren wurden als Must-haves, als preisbeständige Sortimentsergänzung, als cooles Add-on auch in branchenfremden Vertriebskanälen wahrgenommen. Holzspielzeug wurde „salonfähig“. Das Bestreben des Handels, mehr nachhaltige Produkte aufzulegen, befeuerte diesen Prozess. Und die durch die Corona-Pandemie beim Konsumenten feststellbare Tendenz, bewusster zu kaufen, tat ein Übriges: Holzspielwaren können endlich zeigen, was sie draufhaben. Zum erlauchten Kreis jener, die dieses Potenzial als Erste erkannt und gefördert haben, gehört Wolfgang Schühle. Er hat sich nie im Elferrat der ewig Gestrigen gemütlich eingerichtet, hat den Elfenbeintempel der Weltanschauler nie betreten. Er hat schlicht und einfach seinen Job gemacht, egal, an welcher Stelle. Seine Neugier und Entdeckerfreude, sein ehrliches Interesse an seinem Gegenüber und an all dem, was außerhalb des berühmten Tellerrandes stattfindet, macht ihn für mich zu einem inspirierenden Gesprächspartner und zu einem Menschen, den ich sehr schätze. Lieber Wolfgang, ich gönne Dir jetzt die See vor der Tür, den Wind um die Nase, die Zeit, zu tun und zu lassen, was Du willst und den weiten Horizont!

Sibylle Dorndorf

Nachdem Wolfgang Schühle sich Ende 2019 als Geschäftsführer der Margarete Ostheimer GmbH in den Ruhestand verabschiedet hat, wird er nun zum Jahresende 2020 auch sein Amt als Leiter der Fachgruppe für Holzspielzeug niederlegen. Als seine ehemalige Geschäftsführerkollegin bei Ostheimer will ich ihm alles Glück der Welt wünschen für seinen neuen Lebensabschnitt und ihm meinen Dank und meine Anerkennung ausdrücken für das, was er aus der Fachgruppe Holzspielzeug gemacht hat. Mit seiner Begeisterung, seinem sozialen Wesen und seiner großen Branchenkenntnis hat Wolfgang die Fachgruppe zu neuem Leben erweckt. Er hat sie zu einem Ort gemacht, wo die kleinsten wie auch die größten Holzspielzeughersteller sich auf Augenhöhe begegnen konnten, um sich auszutauschen, wichtige und stets aktuelle branchenrelevante Informationen zu erhalten und sie zu diskutieren. Durch das gesellige Beisammensein, das bei den Treffen nie zu kurz kam, ist eine Gemeinschaft entstanden. Aus meiner Sicht hat Wolfgangs Engagement die Holzspielzeugbranche als Ganzes gestärkt und maßgeblich vorangebracht. Vielen Dank an ihn dafür! Es wird nicht leicht, das ohne ihn weiterzuführen.

Sibylle Engstrom, Geschäftsführerin Margarete Ostheimer GmbH

Rund 600.000 eingetragene Vereine gibt es in Deutschland. Kaum ein Anliegen, das nicht von irgendeinem Verein vertreten wird. Das überrascht nicht. Wo drei Deutsche zusammen