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Branche – Corona – Lernprozess oder Chance?

3. Februar 2021, 12:27

Peter W. Gygax stellt fest: Es ist beides. Und viele werden ihm beipflichten. Corona war und ist eine Lernerfahrung. Für den Einzelnen, für den Unternehmer, den Schüler, den …

Peter W. Gygax, CEO Carletto Gruppe

Eines weiß ich mit dem heutigem Wissenstand gewiß: Unsere Branche ist krisenresistent wie keine andere. Wer mir im Frühjahr 2020 zu Beginn der Pandemie gesagt hätte, dass die Spielwaren-Branche so gut aus 2020 herausgehen würde, dem hätte ich nicht geglaubt. Gerade die Zeit der Lockdowns hat gezeigt, wie wichtig und relevant Spielwaren jeglicher Couleur für Menschen jeden Alters sind. Viele haben sich wieder auf alte Hobbys besonnen, viele haben neue begonnen, Familienzeit wurde noch wichtiger als früher, viele Eltern waren zuhause und haben sich noch bewusster mit ihren Kindern beschäftigt. Kinder wussten ja schon immer, dass Spielen entspannt, wir Erwachsenen haben das für uns wiederentdeckt. Für einige in unserer Branche wurde der Kidult Trend zum Umsatzsegen, das Kind im Manne als künftige Zielgruppe in unserer Branche!
Um unsere Lernerfahrung auf einen Nenner zu bringen: Wir hatten trotz der Corona-Pandemie ein gutes Jahr, und ich glaube, das können auch andere Branchenteilnehmer so unterschreiben. Für Carletto Schweiz war 2020 sogar eines der erfolgreichsten Jahre seit Bestehen. Das mag seltsam klingen, aber es hat sich gezeigt, dass die Schweizer Kunden in der Pandemie Spiele und Puzzles sowie traditionelle Spielwaren mehr denn je gekauft haben. Als Glücksfall erwies sich natürlich auch, dass wir mit unserem eigenen Logistikzentrum in der Schweiz ein Standbein haben, das wir gerade jetzt auch vielen anderen Firmen aus ganz anderen Branchen zur Verfügung stellen konnten. Wir liefern maßgeschneiderte Logistik für Indoor-Fitnessgeräte und bewusste Ernährung, beides war während den Lockdowns sehr gefragt. Unser Team arbeitet ohne Unterbrechung in zwei Arbeitsschichten, wir mussten zusätzliches Personal einstellen und konnten den gesamten Markt innerhalb von 48 Stunden bedienen. Zu Beginn der Pandemie haben wir die Lager hochgefahren, die Reichweiten erhöht und damit die Verfügbarkeit bestmöglich sichergestellt.
In Deutschland war 2020 nicht so einfach für Carletto. Wir mussten das Jahr 2019 mit dem Verlust von Ty erst einmal verdauen, wobei ich aus heutiger Perspektive jeden Tag dankbar bin, dass wir Ty nicht mehr vertreten. Carletto hat nach dem Verlust von Ty viel gewonnen: Unabhängigkei,. Wertschätzung, Kreativität und den Weg zurück zu unseren Wurzeln und Werten.

Im dritten Quartal haben wir uns aber berappelt und aufgeholt. Mit Game Factory, Educa-Puzzles, Plus Plus und Tender Leaf Holzspielzeug konnten wir punkten, diese Marken waren und sind sehr stark nachgefragt. Unsere Llorens-Puppen waren vor allem zu Weihnachten sehr beliebt, wogegen Plüsch verlor. Alles, was nicht eingepackt ist, was viele Menschen berühren, blieb regaltreu liegen.
Das Weihnachtsgeschäft war eine Schluss-Rallye wie wir sie noch nie erlebt haben! Vor den Lockdowns und danach stürmten in den betroffenen Regionen die Konsument*innen die Läden. E-Commerce ging durch die Decke und immer waren die Warenverfügbarkeit und die passende Logistik die Währungen des Erfolges. Viele unserer stationären Kunden waren in der Not äußerst kreativ, und wir konnten sie dabei unterstützen.
In der Zeit der Kontaktbeschränkungen, des Wegfalls der Veranstaltungen und Messen haben wir uns viel mit uns selbst beschäftigt. Die Nutzung von Zoom, Skype, Google, Teams war zunächst befremdlich, aber wir lernten, dass nicht jedes Meeting eine Geschäftsreise wert ist. Trotzdem haben wir die Welt nicht neu erfinden müssen, nein, wir haben uns den fundamentalen Dingen gewidmet und Fragen gestellt wie: Wie treten wir während der Kontaktbeschränkungen an unsere Kunden heran? Welche Daten und Formate nutzen unserer Kunden in der Zukunft? Sind Messen noch zeitgemäß und effizient? Ist die Usability unseres Kataloges und Newsletters verbesserungswürdig? Wie können wir unsere B2B-Plattform verbessern? Wir haben uns Themenkreise gesetzt und diese abgearbeitet. Viele Branchenteilnehmer beispielsweise bauten 2020 in Rekordzeit einen Webshop. Aber wie sieht es denn mit den Basics aus? Mit der Qualität der Daten beispielsweise? Da gibt es einen erheblichen Aufholbedarf für die Branche. Digital-Basics sind der Schlüssel zum Erfolg!
Im dritten und vierten Quartal waren unsere Aufgaben: Wie präsentiere ich Produkte auf Zoom? Gibt es andere Kanäle? Wie mache ich ein cooles unboxing Video? Wie und wo treffe ich unsere Kunden? Wir haben den Game Factory Lunch eingeführt und viele neue digitale Formate ausprobiert.
Wenn ich alles Revue passieren lasse, dann muss ich ganz klar sagen, ich sehe heute Corona als Chance. Wir haben in 2020 so viel Wesentliches gelernt, ich möchte diese Erkenntnisse und Erfahrungen nicht missen. Uns, mich persönlich nicht ausgenommen, hat die Zeit rund um Corona weitergebracht. Auf ein spannendes 2021!