Branche: Bildungsauftrag Spielen
Kaum zu glauben, aber wahr: Eine schwindende Spielekultur geht Hand in Hand mit sinkender Sprach- und Lesekompetenzen und wachsenden sozialen Unsicherheiten. Die Bildungsinitiative „Spielen macht Schule“ aus Frankfurt setzt genau hier an und zeigt seit Jahren, dass Spielen weit mehr ist als Zeitvertreib. Mit einem wissenschaftlich fundierten, praxisnahen Ansatz verankert sie spielerisches Lernen systematisch im Schulalltag, qualifiziert Lehrkräfte und bringt das Spiel erstmals sogar in die Lehrkräfteausbildung. Ein Modell mit Signalwirkung.

Spielen verändert Bildung: Wie eine Initiative die Lernkultur in Deutschland neu definiert
Die Bildungslandschaft in Deutschland steht vor tiefgreifenden Herausforderungen. Schulen berichten zunehmend von Kindern, die kaum Regeln kennen, wenig Frustrationstoleranz mitbringen, sprachliche Defizite haben oder in ihrem sozialen Verhalten unsicher sind. Gleichzeitig nimmt die mediale Prägung stark zu – viele Kinder haben heute weniger Zugang zu klassischen analogen Spielen und erleben direkte Interaktion nur eingeschränkt.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das Spiel eine Bedeutung zurück, die weit über Freizeit hinausgeht. Die Bildungsinitiative „Spielen macht Schule“ des Mehr Zeit für Kinder e. V. zeigt, wie spielerisches Lernen zu einem wirkungsvollen Bildungs- und Kulturinstrument wird, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Was mit Spielezimmern begann, ist heute ein umfassender Ansatz, der das Lernen an Schulen bundesweit verändert – und künftig auch die Lehrkräfteausbildung.
Warum Schulen Spiele brauchen: Die Realität im Klassenzimmer
Mehr als 600 Schulen, die sich zuletzt um ein Spielezimmer beworben haben, schildern eine zunehmend dramatische Situation:
- Sprachkenntnisse sinken, insbesondere bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache.
- Lesekompetenzen nehmen laut IGlu-Studie deutlich ab.
- Die Zahl der Kinder mit emotionalen, sozialen und
motorischen Förderbedarfen wächst. - Verhaltensauffälligkeiten und Schwierigkeiten im
sozialen Miteinander steigen. - Regeln einzuhalten fällt vielen Kindern zunehmend schwer.
- Digitale Medien ersetzen oft analoge Spiel- und Interaktionsformen im Elternhaus. Es fehlt die gelebte Spielkultur.
Im Unterricht der weiterführenden Schulen wird deshalb oft ein halbes Jahr lang mühsam trainiert, wie man sich in einer Gruppe verhält, Konflikte löst oder einfach Regeln einhält.
Kurz: Kinder bringen heute weniger Spiel- und Sozialerfahrungen mit – genau die Fähigkeiten, die für erfolgreiches Lernen notwendig sind.
Diese Problemlage erklärt, warum Spielen macht Schule nicht nur beliebt, sondern notwendiger denn je ist.
Vom Spielezimmer zur Lerninnovation
Seit 2007 stattet die Initiative jährlich rund 200 Grundschulen mit hochwertigen, pädagogisch geprüften Spielen aus – gesponsert von starken Partnern der Spielwarenbranche und wissenschaftlich begleitet vom ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen.
Über 3.600 Schulen mit ca. 1 Mio. spielenden Kindern haben inzwischen ein Spielezimmer erhalten und nutzen Spiele:
- im Unterricht
- in der Ganztagsbetreuung
- in Arbeitsgemeinschaften
- zur Förderung von Sprach-, Logik- und Sozialkompetenzen
Lehrkräfte beobachten spürbare Effekte:
- Kinder lernen, Regeln einzuhalten
- Frustrationstoleranz steigt
- Kooperation und Konfliktfähigkeit verbessern sich
- Konzentration und Motivation werden gefördert
- Spielen erleichtert den Zugang zu kognitiven Inhalten
„Im Sinne eines kompetenzorientierten Unterrichts kommt Spielen eine wichtige Bedeutung zu. Kinder lösen Probleme, überlegen strategisch, planen ihr Handeln und lernen dabei dranzubleiben, auch wenn etwas nicht gleich gelingt. Dabei wirkt die Spielsituation intrinsisch motivierend, die Kinder lernen „nebenbei“. Gleichzeitig erfordert das Spielen beispielsweise auch Rücksichtnahme, Kooperation oder das Lösen der ein oder anderen Konfliktsituation.“
R. Schieke, Lehrerin
Das Botschafter-Programm: Multiplikatoren für spielerisches Lernen
Um das über viele Jahre entstandene Wissen strukturiert weiterzugeben und die Lehrkräfte inhaltlich zum Thema Spielen zu schulen, hat die Initiative das Botschafter-Programm entwickelt – ein Qualifizierungsangebot für Lehrkräfte.
Hier werden engagierte Pädagogen darin geschult,
- wie Spiele gezielt zur Kompetenzförderung eingesetzt werden,
- wie Spiele im Unterricht, im Ganztag oder in Projekten
verankert werden, - wie Kollegien inspiriert und weitergebildet werden können,
- wie spielbasierte Lernumgebungen geplant und reflektiert werden.
Das Motto: Aus der Praxis für die Praxis. Das Interesse an dem Angebot ist enorm: Allein für die Pilotphase 2024 hatten sich mehr als 400 Lehrkräfte registriert. Ein logischer Schluss, dass dieses Angebot inhaltlich ausgebaut und 2025 fortgeführt werden soll: In Kooperation mit Ravensburger konnten die Multiplikatoren-Weiterbildung an mehreren Veranstaltungen erfolgreich umgesetzt und neue Botschafter des Spielens qualifiziert werden.
Neue Dimension: Spielen in der Lehrkräfteausbildung
2025 setzt Spielen macht Schule einen historischen Meilenstein:
Erstmals werden spielorientierte Inhalte in die Lehrkräfteausbildung aufgenommen.
In Kooperation mit der Hessischen Lehrkräfteakademie entsteht ein Pilotprojekt, das die Inhalte der Initiative in die Fachmodule integriert. Damit lernen angehende Lehrkräfte:
- wie wichtig Spielen für die Entwicklung nicht-kognitiver Kompetenzen ist
- wie Spiele Lernfreude, Motivation und Konzentration fördern
- welche Spiele welche Kompetenzen stärken
- wie spielerische Methoden nachhaltig in Unterrichtssettings eingebunden werden
Ein entsprechendes Vertragswerk wurde bereits unterzeichnet.Nach der Pilotphase in Hessen sollen weitere Bundesländer folgen.
„Wir ermöglichen angehenden Lehrkräften, die Kraft des Spielens von Anfang an zu erleben – und damit Bildung aktiv zu verändern“
Simone Linden, Geschäftsführerin des Mehr Zeit für Kinder e. V.

Der Spielpilot: Spielkultur für den ganzen Schulalltag
Der Spielpilot ergänzt das Angebot der Initiative und unterstützt Schulen darin, spielerisches Lernen systematisch umzusetzen, indem er Kinder zu Spielexper-ten ausbildet. Bereits in mehr als 450 Schulen wurden in diesem Jahr Spielpiloten geschult, die Verantwortung übernehmen und aufzeigen, wie Spielwaren Bildung, Selbstvertrauen und Gemeinschaft aktiv und nachhaltig fördern können. Begleitet wird das Projekt vor Ort von Piloti, dem Klassenmaskottchen, das in Zusammenarbeit mit Heunec entwickelt wurde und den Kindern spielerisch zur Seite steht.
Warum „Spielen macht Schule“ so erfolgreich ist
Spielen macht Schule trifft exakt den Nerv der Zeit: Die Schulen stehen vor enormen sozialen, sprachlichen und entwicklungsbedingten Herausforderungen – und die Initiative bietet eine wissenschaftlich fundierte, praxisnahe und niederschwellige Antwort, die sofort wirkt – und das seit vielen Jahren mit beeindruckenden Zahlen.
Bedeutung für die Spielwarenbranche

Für die Branche ist „Spielen macht Schule“ ein Signal:
Spielen ist ein Bildungsmedium mit gesellschaftlicher Wirkung.
Die Initiative schafft nachhaltige Berührungspunkte zwischen Kindern und qualitätsvollen Spielen – und fördert damit die Spielkultur einer ganzen Generation. Familien, Schulen und Fachkräfte erleben, welchen Wert hochwertige Spiele und Spielzeuge besitzen.
Spielen verändert Bildung – nachhaltig und systemisch
Mit Spielezimmern, dem Botschafter-Programm, dem Spielpilot und der Verankerung in der Lehrkräfteausbildung wirkt Spielen macht Schule heute auf allen Ebenen des Bildungssystems.
Die Initiative begegnet den größten Herausforderungen der Schulen mit einer Lösung, die wirkt. Denn: Spielen ist kein Beiwerk. Spielen ist ein Schlüssel für Lernen, Entwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
„Spielen macht Schule“ ist eine Initiative des Mehr Zeit für Kinder e. V.
