Collectibles: „Barbie verbindet“
Ein spannender Einblick in die Welt der Kidults: Bettina Dorfmann besitzt die größte Barbie-Sammlung der Welt. Sie lebt ihre Sammelleidenschaft voller Hingabe, Kreativität und Nostalgie aus. TOYS-Redakteurin Janina Hamhaber hat mit der Guinness-Weltrekordhalterin gesprochen und einen faszinierenden Einblick in die Welt der Sammler gewonnen.
Von nostalgischen Kindheitserinnerungen bis hin zu aufwendigen Präsentationen: Bettina Dorfmann lebt ihre Leidenschaft für Barbie in all ihren Facetten aus. In ihrem Zuhause reiht sich Puppenmodell an Puppenmodell, jede mit eigener Geschichte und besonderem Wert. Bei Barbie-Börsen, Sammlertreffen, und bei Museumsausstellungen teilt sie ihre Begeisterung mit Gleichgesinnten und zeigt, dass Sammeln längst nicht nur etwas für Kinder ist.


Wann haben Sie begonnen, Barbies zu sammeln? Beziehungsweise was hat Ihre Leidenschaft ausgelöst?
Als Kind habe ich immer mit Barbiepuppen gespielt, alleine und auch mit den anderen Kindern. Wir haben Rollenspiele gemacht, Kleider genäht oder gehäkelt und Häuser gebaut. Meine Kindheits-Barbies wollte ich meiner Tochter zum Spielen geben, aber sie wollte die aktuellen Sportmodelle und nicht meine alten Puppen. Ich habe meine Barbies mit 13 bei Seite gelegt und mit 32 wieder in die Hand genommen. Barbie ist für mich immer aktuell, sie ist immer ein Spiegel der Zeit. Als die Mondlandung war gab es die Miss Astronaut Barbie und so begann meine Leidenschaft. Ich restauriere in meiner Barbiepuppen-Klinik Barbiepuppen und habe auch einige Bücher zum Thema Barbiepuppe veröffentlicht. Seit über 20 Jahren kuratiere ich Ausstellungen, die schon durch die ganze Welt gezogen sind, hauptsächlich durch Museen. Ich halte Vorträge und Führungen durch meine Ausstellungen. Ebenfalls bin ich Sachverständige für Barbiepuppen, Puppen, Bären, Plüschtieren und Zubehör.
Seit wann gibt es die Barbieklinik?
Der Beginn der Barbieklinik war mehr oder weniger ein Zufall. Da eine meiner Barbies kaputt gegangen ist, bin ich damals zu einem Puppendoktor gegangen und der hat mir gesagt, dass eine Barbie keine einfache Puppe ist und der Austausch von Teilen sich schwierig gestaltet. Darum sage ich immer, dass bitte keine Barbie weggeschmissen werden soll. Denn eine Barbie zu restaurieren ist eine Herausforderung. Man kommt nur schwer an Ersatzteile und deshalb habe ich begonnen Barbies zu restaurieren und auszutauschen. Damit bin ich auch bei Messen und Börsen unterwegs gewesen und wurde öfter von anderen Ausstellern gefragt, ob ich ihnen nicht auch etwas reparieren kann. Und daraus habe ich dann die Idee einer Puppen- beziehungsweise Barbieklinik entwickelt.
Ab welchem Zeitpunkt wussten Sie, dass die Sammlung wirklich außergewöhnlich ist?
Zuerst habe ich nur die Barbiepuppen aus den 60ern – meiner Kindheit – gesammelt. Dann befasste ich mich immer mehr mit den neueren Modellen und erstellte Konzepte, Themen und Welten der Barbiepuppen. Ich fand meine Sammlung sehr interessant und fing an Sie in Museen auszustellen.
Wie viele Barbies haben Sie insgesamt?
2025 habe ich einen Eintrag ins Guinnessworld Rekord Buch mit 18.500 Barbiepuppen erzielt. Inzwischen sind es circa 20.000 Modelle.
Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie wussten: „Ich sammle jetzt ernsthaft?“
Ich habe von Anfang an ernsthaft gesammelt, es sollte immer alles original sein und komplett.
Welche Barbie gilt in Ihrer Sammlung als das wertvollste Sammlerstück und warum?
Die Barbiepuppe # 1 mit Box von 1959, unbespielt und mit Zubehör, dieses Modell ist sehr selten! Generell kommt es darauf an, ob die Modelle bespielt oder unbespielt sind und ob auch der Karton noch erhalten ist. Das steigert den Wert.
Wie erkennen Sie, welche Barbies langfristig als Collectibles interessant werden?
Es gibt direkt von Mattel Sammler-Barbies, die aufwendig gefertigt sind und auch limitiert sind. Das Spielprogramm wird zum Sammlerstück, wenn die Erwachsenen die Barbiepuppen aus ihrer Kindheit sammeln. Das Alter der Puppe spielt eine Rolle, die Stückzahlen und der Zustand.
Gibt es bestimmte Editionen, die Sie bewusst sammeln, weil sie besonders selten sind?
Ich sammele hauptsächlich meine Kindheitserinnerungen und dann was mir besonders gefällt und welche Puppen für meine Ausstellungen interessant sind.
Welche Emotionen verbinden Sie mit Barbiepuppen? Beziehungsweise welche Bedeutung hat die Barbie für Sie?
Sie ist für mich eine sehr schöne Kindheitserinnerung und jetzt eine tolle kreative Aufgabe. Ich habe mit meinen Freunden als Kind sehr viel mit Barbies gespielt und wir haben uns ganze Rollenspiele ausgedacht und eigene Kleidung für Barbie genäht.
Welche Trends sehen Sie aktuell bei Sammlern? (zum Beispiel limitierte Editionen, Kooperationen, Nostalgie)
Alle sind aktuell, das macht Barbie so besonders, man kann alles damit abdecken und auch kreativ sein. Kinder, Frauen und Männer, egal welchen Alters, die Sammler haben bis über die Grenzen hinaus Kontakt, denn Barbie verbindet. Ich habe beispielsweise eine langjährige Freundin, die wohnt in Kanada und wir haben uns über die Sammelleidenschaft für Barbie kennengelernt aber noch nie in „echtzeit“ getroffen.
Gibt es bestimmte Themen, die besonders hohe Sammlerpreise erzielen?
Das kann man so nicht sagen, aktuelle Themen, Stückzahlen und Retro sind sehr beliebt.
Welche Barbie fehlt Ihnen noch in Ihrer Sammlung?
Ja, die „Francie-Puppe mit Drehtaille ohne Standardfuß“ fehlt mir noch. Das ist eine Variante der Francie-Puppe (Barbie Freundin/kleine Schwester), die in den späten 1960er Jahren von Mattel produziert wurde.
Der Collectibles-Trend bei Erwachsenen steigt. Warum glauben Sie, dass immer mehr Erwachsene in Collectibles investieren?
Immer mehr Erwachsene investieren in Collectibles, weil die Auswahl enorm vielfältig geworden ist. Spielzeuge wie Barbie-Puppen sind nicht nur dekorativ, sondern es gibt sie zu unzähligen Themen von Mode über Designer und Stars bis hin zu Disney, Ländertrachten oder Inklusionsmotiven. So findet tatsächlich jeder etwas, das zu seinen Interessen oder seiner Sammlung passt.
Welche Faktoren machen eine Barbie besonders begehrenswert für Sammler?
Für Sammler zählen vor allem die Qualität und Detailverliebtheit der Puppe sowie eine sorgfältige Verarbeitung, hochwertige Materialien und realistische Kleidung. Das macht die Barbie attraktiv. Auch die Verpackung spielt eine Rolle: Limiterte Auflagen, besondere Designs oder Sammlerboxen steigern den Wert und die Begehrtheit.
Wie lagern Sie Ihre Sammlung, um sie in perfektem Zustand zu halten?
Ich lagere meine Puppen bei Zimmertemperatur, möglichst lichtgeschützt, entweder in Vitrinen oder in den Originalkartons. So bleiben die Puppen und Accessoires möglichst lange in perfektem Zustand.
Gibt es eine Barbie, die Sie niemals verkaufen würden?
Meine Kindheits-Barbies würde ich niemals verkaufen. Sie haben für mich einen ganz besonderen, emotionalen Wert, denn sie verbinden mich mit unzähligen schönen Erinnerungen.
Gibt es eine Community oder Events, die für Sie als Sammlerin besonders wichtig sind?
Für mich sind besonders Barbie-Börsen und Sammlertreffen wichtig.
Wenn Sie eine Barbie designen könnten, wie würde sie aussehen?
Ich würde mich selbst designen mit der weltweit größten Sammlung in einer Box, auf der sehr viele Barbiepuppen abgebildet wären und mit einem kleinen Guinnessworld Rekord Buch in der Hand. In der anderen Hand hätte ich eine Brille, durch die man nicht durchsehen kann mit dem Aufdruck Guinnessworld Rekord. In 2025 habe ich einen neuen Rekord in der Guinnessworld Rekord Show, live im TV, erzielt. Ich habe 19 Barbiepuppen in drei Minuten nur durch Tasten erraten. Da meine Arbeit und mein Wissen mit den Barbiepuppen mir sehr viel Freude bereitet. Ich würde sie Guinnessworld Rekord Barbie Bettina Dorfmann, nennen.
