Rofu: Mit Fokus in die Zukunft

1. April 2026, 7:57

Im Interview mit TOYS-Redakteurin Janina Hamhaber, gibt Michael Edl, Geschäftsführer von Rofu Kinderland, Einblicke in die aktuellen Herausforderungen des Unternehmens, erläutert die geplanten Maßnahmen und spricht über die Zukunftsperspektiven.

Rofu Kinderland hat in einer Pressemeldung vom 21. Januar 2026 bekanntgegeben, dass das Unternehmen Antrag auf Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt hat. Gründe dafür seien nach eigenen Angaben ein schwaches Weihnachtsgeschäft, anhaltende Konsumzurückhaltung, gestiegene Kosten in der gesamten Wertschöpfungskette sowie ein intensiver Wettbewerb. Im Rahmen einer umfassenden stretegischen Neuausrichtung richtet Rofu Kinderland sich auf die aktuellen Herausforderungen im Nonfood-Handel aus. Vor diesem Hintergrund setze das Unternehmen auf eine klare Fokussierung auf den stationären Handel als Herzstück der Marke Rofu Kinderland. Zudem werde das Unternehmen die Prozesse weiter verbessern, die Bestands- und Flächensteuerung effizienter gestalten und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Lieferanten intensivieren. Ziel sei es, die Stärken des Unternehmens gezielt zu schärfen und gleichzeitig die Strukturen an die Marktgegebenheiten anzupassen.

Herr Edl, warum hat sich Rofu Kinderland für die Eigenverwaltung entschieden?
Die Eigenverwaltung ist ein gerichtliches Sanierungsverfahren zum Erhalt von Unternehmen. Die Geschäftsführung bleibt im Amt, führt die Gesellschaft selbst durch das Verfahren und wird von erfahrenen Restrukturierungsexperten unterstützt. Marcus Katholing von Pluta ist Chief Restructuring Officer. Er unterstützt uns in dieser Phase. Es gibt in einem solchen Verfahren keinen Insolvenzverwalter. Vom Amtsgericht wurde eine vorläufige Sachwalterin bestellt, die eine Überwachungsfunktion wahrnimmt.

Welche rechtlichen oder organisatorischen Vorteile bietet die Eigenverwaltung speziell für Ihr Unternehmen?
Wir können die notwendigen operativen Sanierungsmaßnahmen beschleunigt umsetzen. Und die Eigenverwaltung ist ein gutes Sanierungsinstrument, um Unternehmen langfristig zu erhalten. Mit diesem Vorgehen sichern wir die Stabilität des Unternehmens. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter und die Kunden können wie gewohnt in allen Filialen und online einkaufen. Unser Ziel ist es, Rofu zu sanieren und für die Zukunft aufzustellen. Dazu brauchen wir allerdings einen Investor.

Welche Maßnahmen aus dem bereits entwickelten Sanierungskonzept werden nun vorrangig umgesetzt?
Im Fokus stehen neben einem stabilen operativen Betrieb erste Restrukturierungsmaßnahmen sowie Gespräche mit potenziellen Investoren. Wir werden die Bestands- und Flächensteuerung effizienter gestalten. Zudem werden wir die Online-Services und die stationären Filialen noch stärker miteinander verzahnen, Prozesse verbessern und Rofu Kinderland zukunftsfähig aufstellen.

Wie stellen Sie sicher, dass der Geschäftsbetrieb in allen Filialen weiterhin uneingeschränkt funktioniert?
Wir haben vertrauensvolle Gespräche mit unseren Geschäftspartnern geführt, die die Betriebsfortführung unterstützen. Alle derzeitigen Filialen haben weiterhin geöffnet und die Kunden können wie gewohnt bei uns einkaufen.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten und Geschäftspartnern während der Sanierung?
Mit dem Einkaufsverband Markant sind wir im engen Austausch. Und die Lieferabwicklung mit den Lieferanten läuft unverändert reibungslos. Das ist sehr wichtig, damit wir unsere Filialen auch laufend mit Spielwaren versorgen können. Rofu und die Lieferanten ziehen an einem Strang, was sehr erfreulich ist.

Gibt es Anpassungen in der Lagerhaltung oder Logistik?
Es gibt punktuelle, notwendige Verbesserungen, aber grundsätzlich sind wir hier gut aufgestellt.

Welche Auswirkungen hat die Sanierung auf Mitarbeiter?
Die Gehälter der Mitarbeiter sind für drei Monate bis Ende März 2026 über das Insolvenzgeld gesichert. Ab April werden die Löhne und Gehälter vom Unternehmen wieder aus dem laufenden Betrieb bezahlt. Unser Ziel ist es, Arbeitsplätze zu erhalten. Wir werden das Unternehmen so aufstellen, dass wir langfristig erfolgreich arbeiten können.

Gibt es geplante Restrukturierungen in den Filialen?
Rofu wird alle Umsatz- und Kostenpositionen genau analysieren und Sanierungsmöglichkeiten prüfen, aber es gibt noch keine Entscheidung. Alle Filialen haben weiter geöffnet und unsere Mitarbeiter sind weiter für die Kunden da.

Wie sieht die langfristige Positionierung von Rofu Kinderland nach der Sanierung aus?
Wir richten das Unternehmen konsequent auf die aktuellen Herausforderungen im Nonfood-Handel aus. Vor diesem Hintergrund setzen wir auf eine klare Fokussierung auf den stationären Handel als Herzstück der Marke Rofu Kinderland kombiniert mit starker Omnichannel-Verzahnung.

Welche Rolle spielen Digitalisierung und E-Commerce in der neuen Unternehmensstrategie?
Wir werden die Online-Services und die stationären Filialen noch stärker miteinander verzahnen. Das Thema E-Commerce ist wichtig, aber unser Schwerpunkt ist und bleibt der stationäre Handel. Wir sind der einzige große Spielwarenhändler mit einem so großen Vertriebsnetz in sieben Bundesländern in Deutschland.

Gibt es geplante Veränderungen im Sortiment oder in der Filialstruktur?
Wir haben auf der Spielwarenmesse in Nürnberg zahlreiche Neuheiten eingekauft, die wir unseren Kunden demnächst präsentieren können. Unser Fokus liegt auch künftig auf Spielwaren für Kinder. Hier vertreiben wir alle bekannten Marken und unsere Eigenmarken. Vor allem für Familien ist es wichtig, Spielwarenhändler vor Ort zu haben, um Spielwaren ausprobieren zu können und ihnen ein schönes stationäres Erlebnis bieten zu können.

Welche Risiken sehen Sie während der Sanierung?
Wir werden sämtliche Bereiche genau analysieren und Kosten einsparen. Doch nur Kosten einsparen bringt auf Dauer keinen Erfolg. Ganz wichtig ist, dass die Kunden uns die Treue halten und unser Produktangebot gut ankommt. Der Umsatz muss perspektivisch wieder zulegen.

Welche Chancen eröffnet die Eigenverwaltung für die Zukunft des Unternehmens?
Das Verfahren bietet die Chance, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen und langfristig zu erhalten.

Wie lange dauert der Sanierungsprozess voraussichtlich, und welche Meilensteine sind geplant?
Wichtig ist, dass wir die Sanierung vorantreiben und das Unternehmen erfolgreicher aufstellen. Ein solcher Prozess benötigt etwas Zeit. In der Eigenverwaltung braucht ein Unternehmen unter anderem einen fundierten Finanzplan für die nächsten sechs Monate und ein klares Konzept für die Durchführung des Verfahrens. Diese Voraussetzungen erfüllt Rofu. Wir werden nun mit potenziellen Erwerbsinteressenten sprechen. Wir suchen einen finanziell starken Partner idealerweise mit Branchenkenntnis, operativer Erfahrung und langfristigem Interesse an der Weiterentwicklung des Unternehmens.

Welche Botschaft möchten Sie Partnern, Lieferanten und der Branche während dieser Phase mitgeben?
Nach den vielen konstruktiven Gesprächen auf der Spielwarenmesse blicken wir optimistisch in die Zukunft. Rofu Kinderland ist ein wichtiger Handelspartner und ermöglicht großen und kleinen Kundinnen und Kunden stationäre Touch-Points mit Spielwaren, die auch in Zukunft nicht fehlen dürfen. Wir danken unseren Partnern und Lieferanten für die Unterstützung und arbeiten gemeinsam für den Erhalt unserer Filialen.

Vielen Dank für das Gespräch.