Frisch auf den Tisch, Folge 65 – Neuauflagen
Was bewährt ist, kommt wieder. Es gibt eine nennenswerte Anzahl an Spieletiteln, die sich seit Jahren oder gar Jahrzehnten in den Verlagsprogrammen halten. Sie gelten als Longseller und erfahren immer mal wieder eine optische und manchmal auch spielerische Auffrischung. Die Verlage halten diese Spiele im Gespräch, bevor sie ins Gerede geraten. Fans freuen sich auf Neu- bzw. Jubiläumsausgaben. Solche Titel sind ein Verkaufsgarant.
PARKS: Wanderung durch US-Nationalparks


Verlag: Feuerland
Autor: Henry Audubon
Illustration: Emrich
Zielgruppe: Naturfreunde
Anzahl/Alter: 1-5 Spieler ab 10 Jahren
Art: logistisches Wanderspiel
Vor sechs Jahren, 2020, erfreute Feuerland mit einem für diesen Verlag eher einfachen Wanderspiel Parks Freunde von Familientiteln. Es wurde stets die bravouröse Illustration mit Feel-good-Atmosphäre sowie ein trickreiches Laufspiel mit taktischen Elementen gelobt.
2025 kommt dieser Titel in überarbeiteter Form erneut auf den Markt. Herzstück sind wieder etliche Nationalparks der USA, die in großformatigen Karten die Eigenarten eines jeden dieser Parks verdeutlichen. Wer Amerika schon einmal bereist hat, hat ganz sicherlich einen dieser Parks besucht. Sie verdeutlichen die Vielfalt der Naturschönheit dieses Kontinents und rufen in Erinnerung, dass Amerika auch für etwas anderes steht als die geopolitischen Verwerfungen derzeit. Im Spiel wird gewandert, um Rohstoffe zu sammeln. Diese werden wieder ausgegeben, um weitere Parks zu besuchen und um Fotos der überwältigenden Natur zu schießen. Wind und Wetter wie die Jahreszeiten und Beobachtung von Wildtieren spielen eine Rolle. Alles Eingesammelte muss in den eigenen Rucksack passen, was eleganter gelöst wird als bei der ersten Version. Dass Leidenschaft(skarten) statt Bonuskarten zusätzliche Aufgaben stellen, ist thematischer. Und die Sofortboni, die auf Parkkarten ausgeschüttet werden, machen den Verlauf stringenter.
Fazit: Parks, 2. Edition, ist eine geglückte Weiterentwicklung und hält dieses interessante, leicht gehobene Familienspiel am Markt.
-pen
SPIRITS OF THE WILD AWAKENING: Kampf um Sternbilder


Verlag: Mattel
Autor: Nick Hayes
Illustration: Rachel Quinlan
Zielgruppe: esoterisch angehauchte Spielfreunde
Anzahl/Alter: 2 Spieler ab 10 Jahren
Art: konkurrierendes Sammelspiel
2019 überraschte Mattel mit dem pfiffigen 2-Personen-Spiel Spirits oft he Wild. Magische Farbsteine mussten gesammelt werden, um mit ihnen eigene Tiere in Sternbildern zu erwecken. Ein Kojote als Störfigur wuselte durch die Wälder der beiden Kontrahenten.
Die Neuauflage mit dem Zusatz Awakening im Titel spielt sich weitestgehend gleich. Die Farbsteine inklusive Kraftsteinen werden aus einem Beutel gezogen und in eine Schale gelegt. Aus dieser bedienen sich die Spieler im Wechsel und füttern damit die eigenen Sternbilder. Für gute, optimale Kombinationen gibt es am Ende Punkte. Mit nur sechs Aktionskarten wird gehandelt. Oft dürfen Steine aus dem gemeinsamen Pool genommen werden. Bisweilen wandert der Kojote. Dann wird eine von zwei Spirit-Karten mit sehr unterschiedlicher Bedeutung aktiviert. Das bisweilen abrupte Ende macht den Showdown spannend, manchmal aber auch ungerecht.
Fazit: Die gelungene und empfehlenswerte erste Version wird aufgewertet durch eine Fülle neuer Tier-Tableaus und Spirit-Karten. Diese können gezielt ausgesucht oder per Zufall bestimmt werden. Aber allemal kommt eine gehörige Portion Abwechslung ins Geschehen. Deshalb ist die Neuauflage das bessere Spiel.
-pen
KARUBA SINCE 2015: Dschungelabenteuer


Verlag: Haba
Autor: Rüdiger Dorn
Illustration: Stephan Lorenz
Zielgruppe: Schatzsucher auf einer Karibikinsel
Anzahl/Alter: 2-6 Spieler ab 8 Jahren
Art: raffiniertes Plättchen-lege-Spiel
2015 erstveröffentlicht, wurde Karuba ein Jahr später zum „Spiel des Jahres“ nominiert. Auch wenn es nicht den Hauptpreis gewann, so war es seinerzeit ein gutes Spiel und ist es auch heute noch. Eine Neuauflage will an alte Erfolge anknüpfen.
Das Basisspiel ist identisch. Auf einer exotischen Insel landen Abenteurer, um sich durch den unwegsamen Dschungel Pfade zu ebnen. Ziel sind vier Tempelanlagen. Wer diese zuerst erreicht, findet wertvollere Schätze als die Nachzügler. Unterwegs können Gold und Edelsteine gefunden werden. Jeder hat sein eigenes Inselboard. Start- und Zielfelder sind bei allen gleich. Ebenfalls sind die Wegplättchen identisch. Jeder muss das aktuelle Kärtchen aus dem eigenen Vorrat heraussuchen und dann in sein Wegenetz einbauen. Clou ist nun die Bewegung. Statt das Kärtchen auf den Plan zu puzzeln, darf es alternativ beiseitegelegt und dadurch eine eigene Figur vorgesetzt werden. Das sind knifflige Entscheidungen.
Fazit: Die neue Box heißt Karuba Since 2015. Diese Version wird aufgewertet, da im Vergleich zum Original Material für gleich sechs Spieler beiliegt. Da alle gleichzeitig spielen, gibt es auch bei größerer Runde kaum Wartezeit. Hinzu kommen drei brandneue Erweiterungen, so dass die Herausforderung dieses spannenden Spiels noch einmal gesteigert wird.
-pen
FERTIG ICH HABE: Kartenlegen mit viel Nonsens


Verlag: Pegasus
Autor: Marco Teubner
Illustration: Dennis Lohausen, u.a.
Zielgruppe: Spaß am Unsinn
Anzahl/Alter: 2-5 Spieler ab 8 Jahren
Art: Kartenabwerfen mit Fun-Faktor
Erst vor 1 ½ Jahren, im Herbst 2024 erblickte Ich habe fertig das Licht der Spielewelt. Dieses Kartenlegen voller Blödsinn in Regel und Kartentexten sorgte sofort für Aufmerksamkeit und etwas Furore. Das will auch Fertig ich habe erreichen.
Beide Spiele sind identisch bis auf den dicken Kartenpack, der gänzlich andere Texte enthält. Aber die Minigrundregel, Karte ziehen oder Handkarte ausspielen, ist gleich. Die vielen aberwitzigen und völlig verdrehten Kartentexte, manche auch mit realpolitischer Anspielung, sind das Salz in der Suppe. Gelingt es jemanden die drei Kartentexte „Fertig“, „Ich“ und „Habe“ vor sich auszulegen, gewinnt er, es sei denn, eine andere Karte sagt etwas anderes. Das alles ist leicht crazy und überhaupt nicht steuerbar. Allein die Kartentexte und deren Interdependenzen sorgen für großen Spielspaß, wenn man für solchen Blödsinn offen ist. Der Hardcore-Spieler mischt die Kartendecks beider Spiele zusammen. Alle Karten haben gleiche Rückseiten. Als Schmankerl gibt es noch überkreuzende Kartenbedingungen zwischen den beiden Versionen.
Fazit: Dieser schnelle Veröffentlichungsrhythmus zeigt eines. Das Spiel verliert nach Kenntnis der vielen individuellen Kartentexte schnell seinen Reiz. Man braucht neues Text-Futter. Das liefert Fertig ich habe auf gleichem Niveau wie sein Vorgänger. Ob das Publikum dann noch eine dritte Version fordert, kann nur in der Frage münden: Habe ich fertig?
-pen
THE GAME LIMITED EDITION: Sortierung von 1 bis 100


Verlag: NSV
Autoren: Steffen Benndorf & Reinhard Staupe
Illustration: Oliver & Sandra Freudenreich
Zielgruppe: Freunde abstrakten Kartenlegens
Anzahl/Alter: 1-5 Spieler ab 8 Jahren
Art: kooperatives Arrangieren von Kartenwerten
2015 kam The Game von NSV auf den Markt und wurde von einer Jury zum „Spiel des Jahres“ nominiert. Das Spiel gehört zu einer der ersten erfolgreichen kooperativen Kartenspiele, die mit Werten von „1“ bis „100“ jonglieren. Aktuell gibt es die 10jährige limitierte Edition.
Jeder hält sechs Handkarten. Es gibt vier Abwurfstapel, zwei, die von unten nach oben, die anderen beiden von 100 bis 1 zählen. Wer am Zug ist, muss zwei Handkarten, kann aber auch mehrere eigene Karten ablegen, immer gemäß der auf- bzw. absteigenden Vorgaben. Ziel ist es, mit wenig Abstand zu den Vorlagen zu spielen, so dass bei Spielende möglichst wenige, am besten keine einzige Karte übrigbleibt. Da das selten gelingt, sollte häufig der Rückwärts-Trick angewandt werden. Dann darf die Kartenfolge um genau 10 nach oben bzw. unten verschoben werden. Nur durch diese Spielweise kann ein optimales Ergebnis erreicht werden. Gelingt es tatsächlich, alle Karten ablegen zu können, kann in Folgepartien der Schwierigkeitsgrad gesteigert werden.
Fazit: Wie in Jubiläums-Versionen üblich, gibt es Varianten und weitere Herausforderungen mit neuem Kartenmaterial. Das sorgt für Varianz. Erwähnenswert und gut ist die grafische Bearbeitung. Die düstere Totenkopf-Illu von Cover und Karten des Originals wurde beibehalten, denn sie ist Kult. Aber ein feiner, freundlicherer Strich und herz-klimpernde Augenhöhlen machen das Outfit gleich freundlicher.
-pen
