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Global / Standards – Schwieriger Wettbewerb

13. September 2019, 17:48

Die Herausforderung der stetig sinkenden Geburtenraten für den Markt für Babyartikel und -ausstattung, der Verkauf von gefälschten Produkten im Internet und der Second-Hand-Markt waren wichtige Themen auf dem zweiten internationalen Pressetag des belgischen Babyspezialisten Childhome.

Vincent Vanderjonckheijd von Childhome referierte über das Thema Sicherheitsstandards bei Hochstühlen

Das grundsätzliche Problem der Branche machte Cédric Rodrigues, Head of International Sales bei Childhome, an einigen Fakten deutlich: Die Anzahl der Geburten in der Europäischen Union ging von fast acht Millionen 1961 auf etwas über fünf Millionen im Jahr 2017 zurück, gleichzeitig stieg das Durchschnittsalter der Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes auf zwischen 26 in Albanien und Bulgarien bis zu über 31 in Italien. Die Folge: eine Zielgruppe, die nicht nur kleiner, sondern auch älter wird. Zu dieser grundsätzlichen Herausforderung kommen für die Hersteller jedoch auch noch ganz aktuelle Probleme wie die Konkurrenz durch gefälschte Produkte, die über internationale Online-Kanäle auf den Markt drängen – ohne irgendwelche nationalen Auflagen zu respektieren. Dass der steigende E-Commerce zudem die Margen des stationären Handels drückt, erschwert die Situation noch zusätzlich.
Doch es gibt auch neue Chancen und neue Märkte – wie nachhaltige Textilien aus komplett organischen Materialien. Bei den Verbrauchern steht dieses Thema zunehmend im Fokus. Qualität und Transparenz über die Herkunft von Kleidungsstücken und die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung werden zunehmend eingefordert. Ein gewisser Preisrahmen darf aber trotzdem nicht überschritten werden.

Zwei Gütesiegel haben sich hier weitgehend etabliert: GOTS (Globaler Organischer Textil- Standard) garantiert ein Minimum von 70 Prozent Naturfasern und berücksichtigt ökologische und soziale Aspekte. Oeko-Tex Standard 100 schließt die Präsenz von schädlichen Substanzen aus, gewährleistet Farbechtheit und Wasserresistenz.
Beim Thema Sicherheit stellte Vincent Vanderjonckheijd, Leiter des Produktteams bei Childhome, vier verschiedene Standards vor. Hochstühle müssen der Europäischen Norm EN 14988:2017, dem US Standard ASTM (American Society for Testing and Materials) F404-18, dem australischen Standard AS 4684-2009 sowie dem internationalen Standard Organisation ISO 9221-1:2015 folgen. Diese verschiedenen Standards werden für gewöhnlich alle drei bis fünf Jahre aktualisiert.
Einige Veränderungen sind allerdings in Sicht. Diskutiert werden derzeit eine Verbesserung der rückwärtigen Stabilität, um zu vermeiden, dass der Stuhl nach hinten umkippt, bessere Warnetiketten über Kippgefahren, aber auch Anforderungen an Schritthalterungs- und Rückhaltungssysteme. Auf der Agenda steht außerdem eine Produktregistrierung mit einer Seriennummer für jedes Produkt, um Rückrufaktionen zu erleichtern.

Childhome hat seine Produkte mit Blick auf die neuen Regeln bereits angepasst, aber für Stefan Aerts, der 1985 das Unternehmen mit seiner Frau gegründet hat, gibt es einen Haken. „Während wir und andere Produzenten sich an diese neuen Vorgaben halten, müsste der Second-Hand-Markt sehr viel stärker kontrolliert werden. Niemand scheint sich dafür zu interessieren, ob diese Babyprodukte noch o.k. sind und ob sie die strengen Sicherheitsstandards befolgen.“
Von den Journalisten und Bloggern aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Russland, Spanien, Großbritannien und Belgien gespannt erwartet wurde auch die Präsentation des europäischen Branchenverbands European Nursery Products Confederation (ENPC) durch Maryke Hanneman, Public Affairs Coordinator der Organisation. Acht nationale Industrieverbände, darunter Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien, sind Mitglieder. Sie repräsentieren mehr als 260 Firmen, davon fast 80 Prozent kleine und mittlere Unternehmen. Die Aufgaben des ENPC neben Informationen für die Branche: enge Kontakte zur Europäischen Union, um Einfluss zu nehmen auf die Inhalte der technischen Standards (national, europäisch und global) und die Gesetzgebung. 2017 entschied sich die Organisation, in den globalen ISO PC 310 Standard „Wheeled Child Conveyances“, zu investieren, dessen Inhalte nächstes Jahr vorgestellt werden sollen. Die erfahrensten Mitglieder des Technischen Komittees der ENPC haben zu diesem Zweck Kinderwagen unter Sicherheitsaspekten so optimiert, dass sie den strengen Sicherheitsanforderungen der EU genügen.
Als akkreditierter Interessenvertreter sitzt die ENPC auch bei den Regelungen zur Sicherheit von Chemikalien (REACH) mit am Tisch und ist ebenfalls involviert bei der Verbesserung der EU-Regeln zur Verbrauchersicherheit im Handel, besonders mit Blick auf das Online-Shopping. Noch 2019 soll zudem ein Update einer Studie aus dem Jahr 2012 erfolgen, in dem die Verkaufszahlen der führenden Produktkategorien der Branche zusammengeführt werden, um – zumindest teilweise – die Wertschöpfung der Branche zu ermitteln. Auch die Teilnahme an Entwicklung von ISO-Standards für weitere Branchenprodukte neben Kinderwagen ist geplant.