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Kolumne

Nehmt Abschied Brüder

Günter Morsbach, Jahrgang 1944 und über 40 Jahre als Unternehmer in der Medienbranche tätig, ist als Publizist aktiv. Er gibt die kostenlose Onlinezeitung „Reitender Bote“ heraus. (Infos unter reitender-bote.de). In seinem Buch „Kleingeld, Kies und Dachstuhlbrand“ hat er 80 Unternehmergeschichten veröffentlicht (zu beziehen unter kleingeldkies-buch.de). Außerdem schreibt er für die Huffington Post und diese regelmäßige Kolumne für TOYS.

Ja, das war es erstmal für einige Jahre mit Großbritannien als Mitglied der Europäischen Union. Ich bedaure das sehr, denn ich liebe den britischen Way of Life. Der hat der EU gutgetan. Skurrile Persönlichkeiten, ich nenne mal als Beispiel den bisherigen Parlamentssprecher „Mr. Order!“ John Bercow. Keiner hat so wie er in den vergangenen Monaten stramm Kurs gehalten. Jetzt ist er zurückgetreten, einfach schade.
Dann die abgewählte Premierministerin Theresa May. An ihrem Beispiel hat man mal wieder die Steigerung von Freundschaft erleben können „Freund, Feind, Parteifreund“. Sie war die erste Politikerin, bei der die Kameras erst auf die extravaganten Schuhe und dann aufs Gesicht gerichtet waren. Dann die Royals, Prinz Andrew mit seinen Teenies und Meghan mit ihrer offen gezeigten Abneigung gegen das höfische Reglement. Dann die merkwürdige Type Boris Johnson, dessen Wahlkampf im Referendum aus niederträchtigen Lügen bestand, für die er sich nicht einmal entschuldigen musste. Und schließlich Nigel Farage, Vorsitzender der Brexit Party, den andere Parlamentarier als den faulsten Abgeordneten der EU bezeichneten. Der Schmierenkomödiant hat die Konservativen vor sich her getrieben und das Europaparlament zu seiner Comedy-Bühne gemacht. Der mehrfache Millionär sahnt bei der „schrecklichen EU“ nochmal kräftig ab.
Der Auszug der Briten wird unsere EU kräftig schwächen und Farage finanziell stärken. Er erhält ein Übergangsgeld von 178.657,20 Euro, dazu 8.932,86 Euro Rente pro Monat. Sein Vermögen hat das Magazin „People With Money“ auf 279 Millionen Euro geschätzt. Neben Aktienpaketen, Immobilien, Sponsoring-Verträgen mit „Cover Girl“, der Imbisskette „Fat-Farage-Burger“, dem Fußballteam „Herne Angels“ und der Wodkamarke „Pure Wonderfarage“ lanciert er gerade eine junge Kosmetikmarke „From Nigel in Love“. Der smarte Nigel will weiter gegen die EU kämpfen und sie zerstören. Er könnte sich als Zerstörer doch den blau gelockten Blogger „Rezo“ holen, wäre ein tolles Gespann.
Farage und Johnson hoffen auf einen besonders vorteilhaften Handelsvertrag mit der Rest-EU. Da werden sie falsch kalkulieren. Das Reglement verbietet es nämlich, Drittstaaten bessere Konditionen einzuräumen als den Mitgliedsländern.
Der Boris-Johnson-Flügel der Konservativen tendiert stark nach USA. Präsident Trump hat verlockende Angebote für ein Freihandelsabkommen gemacht, denn sein Geschäft ist die Spaltung mit anschließender Vertragsverletzung.
Aber eines hat mich besonders berührt. Nach der Abstimmung über den Brexitvertrag erhoben sich die EU-Parlamentarier von den Sesseln, gaben sich die Hände und sangen „Auld Lang Syne“, das schottische Lied, bei uns bekannt als „Nehmt Abschied Brüder“. Text: Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr, die Zukunft liegt in Finsternis und macht das Herz uns schwer. Der Himmel wölbt sich übers Land, Ade, auf Wiedersehn, wir ruhen all in Gottes Hand, lebt wohl auf Wiedersehn“.
Heimlich habe ich mitgesungen.

Ihr
Günter Morsbach

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