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Supply Chain Resilienz

Erfolgsfaktor für Lieferketten

Geschäftsprozesse aller Art sind immer mit Risiken und Unsicherheiten verbunden. Insbesondere globale Lieferketten sind davon betroffen, denn sie sind aufgrund ihrer Komplexität und ihres globalen Ausmaßes anfällig für Risiken und Unsicherheiten jeglicher Art. Um gegen Herausforderungen auf einem zunehmend dynamischen Markt gewappnet zu sein, ist Supply Chain Resilienz die Option.

Risiken und Unsicherheiten sind alltägliche Begleiter im Umgang mit Lieferanten, Kunden, Transportdienstleistern und damit der gesamten Lieferkette. Doch ohne das bewusste Eingehen von Risiken können auch keine Chancen genutzt und damit keine Gewinne generiert werden.
Gerade durch die immer stärker wachsende Dynamik und die damit einhergehende Globalisierung der Märkte, werden Lieferketten zunehmend komplexer und dadurch auch anfälliger für Störungen aller Art. Verschiedenste Ereignisse, wie beispielweise Lieferausfälle durch Naturkatastrophen, kriegerische Handlungen, Streiks oder Rohstoffknappheit haben das wiederholt bewiesen. Diese können beinahe überall entlang der Lieferkette eintreten und dadurch den kontinuierlichen Betrieb der Supply Chain bedrohen.
Ob und mit welcher Intensität ein Unternehmen von solchen Ereignissen betroffen sein kann, ist ungewiss. Und ob sie eintreten, liegt weit außerhalb des Handlungsspielraums eines Unternehmens. Dennoch sollte man sich gegen diese Herausforderungen wappnen. Das Mittel der Wahl: Supply Chain Resilienz.
Der ein oder andere wird sich fragen, was Resilienz mit globalen Lieferketten zu tun hat. Mit dem Begriff aus der Psychologie charakterisiert man normalerweise Menschen, die emotionale Krisen unbeschadet überstehen und daher resilient sind. Aber genau dies lässt sich auch auf Unternehmen, Organisationen oder gar ganze Systeme wie beispielsweise Lieferketten übertragen. Durch Supply Chain Resilienz soll die Lieferkette in der Lage sein, ihre Tätigkeit unter bestmöglichen Bedingungen aufrecht erhalten und bei disruptiven Ereignissen möglichst rasch in den ursprünglichen oder gar einen besseren Zustand gelangen zu können.

Dadurch haben resiliente Lieferketten insbesondere in Krisenzeiten einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Während andere Unternehmen sich in der Krise zunächst orientieren müssen und dann wie die Feuerwehr von einem Brandherd zum nächsten eilen muss, begegnen resiliente Firmen der Krise entsprechend vorbereitet und sind in der Lage, das Risiko in eine Chance umzuwandeln.
Neben einer gesteigerten Widerstandsfähigkeit lassen sich durch Supply Chain Resilienz auch positive Nebeneffekte erzielen: gesteigerte Effizienz und Zukunftsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility entlang der Lieferkette. So können mehrere Ziele verfolgt oder zumindest positiv beeinflusst werden.

Grafik 1: Verschiedenste Ereignisse können den kontinuierlichen Betrieb der Supply Chain bedrohen (Darstellung in Anlehnung an Wagner & Bode 2009)

Mathias Leingang ist Qualitätsingenieur in der Elektroindustrie und externer Experte „Lieferkette“ des DVSI. Davor war er drei Jahre lang als Leitender Qualitätsmanager bei der Firma Theo Klein Spielwaren beschäftigt. Nach seinem Studium zum Wirtschaftsingenieur (Master of Sience) an der Technischen Universität Kaiserslautern promoviert er jetzt als externer Doktorand am Lehrstuhl für Strategie, Innovation und Kooperation der TU Kaiserslautern zum Thema: „Resilienz globaler Lieferketten – Erarbeitung eines an Praktiken orientierten Ansatzes“. Mathias Leingang ist 33 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.

Auf den ersten Blick scheint das Ganze ein sehr ambitioniertes Unterfangen zu sein, das bei all der Schnelllebigkeit und der Dynamik am Markt, verbunden mit immer knapperen personellen Ressourcen, kaum umzusetzen ist. Doch ein zweiter Blick lohnt sich auf jeden Fall, denn der Weg zu einer resilienten Lieferkette ist möglicherweise nicht so steinig, wie es anfangs aussehen mag.
Ein erster Schritt ist die Schaffung eines entsprechenden Bewusstseins, was die Frage aufwirft, „Was ist eigentlich eine Lieferkette“? Denn heute sind Lieferketten längst keine linearen Gebilde mehr, entlang derer Waren auf und ab geliefert werde. Heutige, globalisierte Lieferketten ähneln einem komplexen Netzwerk vieler verschiedener Akteure, die sehr unterschiedliche Beziehungen zueinander pflegen. Auch ist eine ausschließliche Betrachtung des direkten Lieferanten und des direkten Kunden nicht zielführend. Die Lieferkette erstreckt sich vom Rohstoffhersteller über alle Wertschöpfungsstufen bis hin zum Endkunden. Zu betrachten sind dabei nicht nur Waren-, sondern auch Geld- und Informationsflüsse.

Weiterhin dürfen neben den wertschöpfenden Akteuren auch Transportdienstleister und an der Wertschöpfung nicht beteiligte, die Lieferkette aber stark beeinflussende Interessengruppen (beispielsweise NGOs) nicht außer Acht gelassen werden. Stellt man sich unter Berücksichtigung dieser Punkte die Frage, wie die eigene Lieferkette aufgebaut ist, kommt man dem Ziel einer resilienten Supply Chain bereits ein gutes Stück näher.
Unter Berücksichtigung dieser Punkte gilt es im zweiten Schritt geeignete Maßnahmen einzuleiten, um die Supply Chain Resilienz zu erreichen. Ein maßgeschneidertes Maßnahmenpaket wird es dafür allerdings nicht geben, denn die Maßnahmen müssen sich am individuellen Kontext des jeweiligen Unternehmens, der jeweiligen Lieferkette ausrichten. Eine saubere und gut durchdachte Analyse der persönlichen Ausgangssituation ist daher der Schlüssel zum Erfolg. Passende Leitfragen sind beispielsweise: Wo entlang meiner Lieferkette können Risiken entstehen? Welche Risiken ist das Unternehmen bereit zu tragen und welche würden nachhaltig Probleme bereiten? Welche Aspekte/Bestandteile einer resilienten Lieferkette sind in meinem Fall bereits gegeben/erfüllt? Diese Analyse zeigt auf, an welchen Stellen die Supply Chain verwundbar ist und was man dagegen tun kann. Es gilt dann, sich proaktiv um potenziell disruptive Ereignisse zu kümmern und, wo möglich, Risiken und Unsicherheiten schon im Vorfeld zu verringern oder zu vermeiden.
Sollte aber einmal ein nicht zu erwartendes Störereignis eintreten, heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und schnell zu reagieren. So kann die Krise als Chance ergriffen werden. Präventiv ausgearbeitete Notfallpläne können dafür ein probates Hilfsmittel sein. Versetzt man die Lieferkette rasch in ihren Ursprungszustand, kann der wirtschaftliche Schaden reduziert und das langfristige Überleben der Organisation gesichert werden. Ist die Krise überwunden, sollte man daraus lernen und sich die Fragen stellen: Was kann ich beim nächsten Mal besser machen, was lief gut, was lief schlecht? So wird die Resilienz und die Widerstandsfähigkeit der Supply Chain deutlich erhöht.
Zusammenfassend sollten also folgende Schritte berücksichtigt werden: Es ist eine Sensibilisierung, ein entsprechender Mindset in der Firma, erforderlich, um den Blick für potenzielle Risiken und Unsicherheiten zu schärfen. Darauf aufbauend sollte man sich durch präventive Planung für den Krisenfall vorbereiten. Abschließend gilt es, für den Krisenfall geeignete Maßnahmen parat zu haben, die auf Abruf präsent sind. Diese Vorgehensweise spiegelt sich auch im Phasenmodell einer resilienten Lieferkette wider (Grafik 2.)
Sensibilisierung, Prävention und Reaktion – dies sind die Bausteine, die sich auch in den Modulen des SCREEN-Konzepts (Supply Chain Resilience – Evalution, Effectiveness, Normalization) des DVSI wiederfinden. Durch SCREEN lässt sich die Resilienz einer Lieferkette nach Maß, ausgerichtet am individuellen Kontext der Unternehmung steigern.
Sensibilisierung, Prävention und Reaktion – dies sind die Bausteine, die sich auch in den Modulen des SCREEN-Konzepts (Supply Chain Resilience – Evalution, Effectiveness, Normalization) des DVSI wiederfinden. Durch SCREEN lässt sich die Resilienz einer Lieferkette nach Maß, ausgerichtet am individuellen Kontext der Unternehmung steigern.


Durch Supply Chain Resilienz kann sich jedes Unternehmen gegen disruptive Ereignisse und Herausforderungen wappnen. Um mögliche Gefährdungen der Unternehmensstabilität abzuwenden, kann SCREEN ein wichtiger Bestandteil des Krisenmanagements eines Unternehmens sein. Das SCREEN-Programm des DVSI steht für Supply Chain Resilience – Evalution, Effectiveness, Normalization und ist an den Bedürfnissen der Mitgliedsunternehmen ausgerichtet. Denn so vielfältig Firmen und Unternehmen sind, so unterschiedlich sind die Maßnahmen und Strategien, die die Robustheit, die Resilienz, einer globalen Lieferkette erhöhen können. Es gibt keine pauschalen Antworten, sondern nur individuelle Lösungen für das jeweilige Unternehmen. Modulare Angebote sorgen für Beratung nach Maß.

Grafik 2: Phasen der Resilienz nach Adobor & McMullen 2018

Grafik 3: Das Resilienz-Dreieck verdeutlicht die Auswirkungen einer Störung der Lieferkette

Das Modul „Sensibilisierung“ schärft bei den Mitarbeitern den Blick für Resilienz-relevante Themen und sorgt gleichermaßen für ein einheitliches Verständnis des Begriffs Supply Chain Resilienz – die Grundvoraussetzung für ein zielgerichtetes Arbeiten. Durch Schulungen und Workshops vor Ort, einen Resilienz-Check oder umfassende Ist-Analysen kann dies erreicht werden.
Im Modul „Prävention“ geht es darum, geeignete Maßnahmen für die in der Ist-Analyse festgelegten Problembereiche zu definieren. Durch Workshops und Beratungen vor Ort kann ein zum Unternehmen passendes Risikomanagement etabliert werden, mit dem erkannte Risiken gemildert, vermieden oder verlagert werden.
Ein Restrisiko, dass zwar seltene, dafür aber sehr kritische Ereignisse entlang der Lieferkette eintreten, bleibt. In solchen Fällen ist ein adäquates Krisenmanagement mit schnellen Reaktionszeiten entscheidend. Das in Grafik 3 dargestellte Resilienz-Dreieck oder Resilience Triangle verdeutlicht dies: Je länger es dauert, bis die Supply Chain zu ihrer alten Performance zurückkehrt, desto größer ist der potenzielle Schaden, der einem Unternehmen durch ein disruptives Ereignis entlang der Lieferkette entsteht. Ziel muss es folglich sein, das Resilienz-Dreieck so klein wie möglich zu halten, um die Auswirkungen einer Störung zu minimieren.
Und man sollte die Chance nutzen und aus der Krise lernen: Hätte man darauf besser vorbereitet sein können? Welche Maßnahmen waren im Rahmen der disruptiven Störung zielführend, welche nicht? Dies sind die Bestandteile des Moduls „Reaktion“.
Mit diesem modularen Aufbau bietet SCREEN die Chance, Maßnahmen zur Steigerung der Supply Chain Resilienz zu ergreifen, die speziell am Kontext und den Bedürfnissen des Unternehmens ausgerichtet sind und dieses ist durch die Schaffung von Resilienz entlang der Supply Chain seiner Konkurrenz voraus. In einer Zeit zunehmender Extrem-Wetterlagen und politischer Krisen ist Supply Chain Resilienz also der neue Erfolgsfaktor globaler Lieferketten.

Mathias Leingang

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