Ratgeber -ApothekenTipp

Haaaatschiii!

Für viele Heuschnupfengeplagte beginnt bereits im frühen Frühjahr eine Leidenszeit, in der die Augen jucken und tränen und die Nase ständig läuft. Immer häufiger entwickeln schon Kinder im Alter von etwa drei Jahren eine Allergie. Zum Glück gibt es Gegenmittel schon für die Allerkleinsten.

Apothekerin Nicole Lautenschläger hat 2004 die Ausbildung zur Apothekerin für Homöopathie und Naturheilkunde abgeschlossen. Seit 1998 ist sie Inhaberin der Apotheke am Riegerplatz in Darmstadt, 2012 übernahm sie die Kronenapotheke, ebenfalls in Darmstadt, als Filiale. Beide Apotheken zeichnet der Schwerpunkt auf Naturheilkunde sowie ein hohes Interesse an ganzheitlicher Gesundheit aus.

Allergien beginnen selten vor dem dritten Lebenjahr, da der Körper mindestens ein- bis zweimal eine Pollensaison erlebt haben muss, um auf die Stoffe reagieren zu können. Das höchste Allergierisiko haben Kinder, bei denen beide Elternteile unter einer Allergie leiden. Lange Zeit glaubte man, die Allergene selbst seien die Ursache. Seit Anfang der 1990er-Jahre ist aber die sogenannte „Immun-Hypothese“ auf dem Vormarsch. Demnach ist das Allergen lediglich der Auslöser der Allergie. Der eigentliche Grund ist ein fehlgesteuertes Immunsystem. 
Unser Abwehrsystem lernt vor allem in den ersten drei Lebensjahren zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Eine besondere Rolle spielen dabei Keime, die für Menschen nicht gefährlich sind. Sie fungieren als eine Art „Trainingsobjekt“. Glaubt man dieser Hypothese, sind übertriebene Hygiene und gerade das Vermeiden von Allergenen in Form von Schmutz und Staub ein Risikofaktor, der Kinder auf ein Leben als Allergiker quasi vorbereitet. Aufgrund dessen schreibt die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) in ihren aktuellen Leitlinien, dass die Vermeidung von Allergenen bis auf wenige Ausnahmen nicht empfehlenswert ist. Die „Umwelt-Hypothese“ besagt, dass auch Umweltverschmutzung ein Grund für das vermehrte Auftreten von Allergien sei. Neue Studien zeigen, dass zum Beispiel Stickoxide dazu beitragen, die Aggressivität von Pollen zu erhöhen. Allergien können bei Kindern schulmedizinisch und naturheilkundlich behandelt werden.


Schulmedizinisch stehen die Wirkstoffe Cetirizin oder Loratadin (ab zwei Jahren, zum Teil abhängig von der Darreichungsform: oral als Saft, Tropfen oder Tabletten) zur Verfügung. Sie helfen gegen die klassischen Allergiesymptome. Nebenwirkungen wie Nervosität, Kopfschmerzen oder Schwindel können in seltenen Fällen vorkommen. Zudem können Eltern den Heuschnupfen ihrer Kinder auch mit lokal wirksamen Wirkstoffen wie Levocabastin oder Azelastin (ab einem beziehungsweise vier Jahren, als Nasenspray oder Augentropfen) behandeln. Bewährt hat sich auch Cromoglicinsäure. Sie wirkt lokal am Auge oder in der Nase und muss mehrmals täglich und mehrere Tage vor der Pollensaison angewendet werden. Der Vorteil ist hier: Cromoglicinsäure ist praktisch nebenwirkungsfrei. Am stärksten antiallergisch und antientzündlich wirken Kortikoide. Sie werden vor allem bei schweren Beschwerden wie bei allergischem Asthma genutzt. Mometason zum Beispiel eignet sich schon für Kinder ab drei Jahren. Moderne Präparate haben bei richtiger Anwendung kaum Nebenwirkungen.
Wer die Allergien seiner Kinder naturheilkundlich behandeln will, kann auf verschiedene Mittel zurückgreifen. Bei Heuschnupfen sind unter anderem Nasensprays auf der Basis von Zitrone und Quitte zu empfehlen. Für tränende Augen hat sich Euphrasia bewährt. Im Falle von Hautreaktionen kann man mit Cardiospermum (als Salbe) oder mit einem Eichenrinden-Bad arbeiten.
Auch die Homöopathie bietet Unterstützung, wenn es um die Linderung allergischer Beschwerden geht. Adhatoda vasica, Gelsemium sempervirens, Lachesis muta, Luffa Operculata und Arsenicum album, um nur einige zu nennen, sind Einzelmittel, die hierbei zum Einsatz kommen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, den Beschwerden mit Hilfe von Schüßler Salzen vorzubeugen. Viele der Heuschnupfen-Medikamente erhalten Eltern rezeptfrei in der Apotheke, auch kortisonhaltige Präparate. Eltern, die bei ihrem Kind eine Allergie vermuten, sollten aber immer zuerst den Kinderarzt aufsuchen, um eine gesicherte Diagnose zu erhalten.

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