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Innovation

There‘s an App for it

Technik und digitale Funktionen sind alltäglich und halten Einzug in unseren Alltag – in jeder Lebenssituation und für jedes Lebensalter. Gerade im Baby- und Kleinkindbereich bringen Hersteller zahlreiche technische Neuentwicklungen auf den Markt.

Ob bei Bezahlvorgängen im Supermarkt, beim Auswerten der persönlichen sportlichen Leistung via Wearable, beim Kochen mit elektronischen Küchenhelfern, die Rezepte und Funktionalität via Cloud steuern, oder beim Konsum von Medien jeder Art, digitale Funktionen sind überall präsent, auch in jeder Lebensphase: So bieten Pflegedienste Senior*innen digitale Assistenten zu Medikamenteneinnahme, Kommunikation und medizinischer Erstversorgung, Familien koordinieren ihren Alltag mit vernetzten Kalendern, Schulen entwickeln Strategien für e-Learning, und in Kinderzimmern machen sich vernetzte Geräte breit, die einen elternüberwachten Medienkonsum ermöglichen. Viel diskutiert ist hierbei die Sinnhaftigkeit und der Nutzen einiger Produkte. Im Baby- und Kleinkindbereich sind ganz unterschiedliche Motivationen feststellbar.

Sicherheitsbedarf als Triebfeder

Im Durchschnitt steigt das Alter, in dem Eltern das erste Kind bekommen. Mittlerweile sind Mütter im Schnitt bei der Geburt des ersten Kindes über 30 Jahre alt. Mit zunehmender Lebenserfahrung steigt auch das Sicherheitsbedürfnis für sich selbst und den Nachwuchs. Finanzielle und emotionale Zuwendung konzentrieren sich auf weniger Kinder in einer Familie als dies in vorhergehenden Generationen der Fall war. Kinder wachsen heute – anders als noch vor ein oder zwei Generationen – meistens nicht mehr in Mehrgenerationenhaushalten auf. So können frisch gebackene Eltern nicht auf Alltagshilfe erfahrenerer Generationen zurückgreifen. Und wollen dies auch nicht mehr. Sie bilden sich ihre Meinung durch eigene Rechercheergebnisse aus Elternforen und anderen Themenseiten im Netz.
Diese Art der Informationsbeschaffung ist für Ärzte beispielsweise oft ein Graus. So kommen Mütter in Arztpraxen, die vermeintlich besser als der Mediziner wissen, was zu tun ist. Oder technische Gadgets wie Sensormatten für Kinderbetten oder Überwachungsgeräte im Kinderzimmer halten Eltern in permanenter Alarmbereitschaft – ohne dass diese im Falle des Alarms zielführende Handlungsschritte kennen. Einige dieser Produkte scheinen gar Lösungen für Probleme bereitzuhalten, die ohne das Gadget gar nicht existent waren.
Auch eine verzerrte Wahrnehmung der Realität resultiert aus derartigen Produkten: So werden sämtliche Verbrechen und Kindeswohlgefährdungen über soziale Medien ungefiltert an Eltern herangetragen. Dadurch sinkt die gefühlte Sicherheit. Ortbare Uhren für Kinder scheinen eine passende Lösung für dieses Gefühl: Sie geben Alarm, wenn der Nachwuchs ein vorbestimmtes Areal verlässt – und schränken so die Freiheiten des Kindes ein.
Was durch vernetzte und permanent überwachende Produkte ebenso auf der Strecke bleibt, ist die Intuition: Eltern vertrauen eher auf Technik und Sensorik, auf Geräte und Hersteller, als auf ihren gesunden Menschenverstand und das Kind selbst.
Somit stehen auch Händler und Hersteller mehr in der Verantwortung, Eltern einen richtigen und gesunden Umgang mit den Produkten zu vermitteln. Eine Balance zwischen technisch machbarem und sinnvollem Einsatz von Gadgets sollte im Interesse aller Beteiligten sein.
Doch was sinnvoll ist, ist individuell sehr verschieden. Zum einen ist es eine Frage des Lebensstils und der Bedürfnisse, die dieser hervorruft, zum anderen eine Frage des Lebensumfeldes und welche technischen Produkte dafür relevant sein können – oder sogar vorgeschrieben.

Gesetzliche Bestimmungen als Motor

In Italien sorgt derzeit ein Dekret für den Einzug von digitalen Assistenten in den Autokindersitz. Diese müssen jetzt mit einer Einrichtung versehen sein, die warnt, wenn das Kind den Sitz unbemerkt verlässt. Erhältlich sind bereits fest verbaute, aber auch nachrüstbare Modelle, wie beispielsweise „Sensor Safe“ von Cybex. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Regelung EU-weit gilt.
Was im Bereich vernetzte Technologien bei Autositzen derzeit machbar ist, zeigt die Studie „ESF 2019“, bei der Mercedes Benz gemeinsam mit Britax-Römer ausgelotet hat, welche Assistenzsysteme sinnhaft in einen Sitz integriert werden können.

Convenience als Innovationstreiber

Einer der größten Faktoren, die für die Akzeptanz neuer Produkte sorgen, ist Convenience. Durch was auch immer Eltern sich Arbeit sparen können, ist eine willkommene Innovation. So finden sich in Familienküchen mittlerweile richtige Geräteparks, vom Sterilisator über Babyflaschen-Bereiter bis Food Processors, auch gern mit WiFi. „Schaukelautomaten“ wie der auf der Kind + Jugend in Köln vorgestellte „Bobby“ nehmen das Anstupsen der Babyschale ab, Babymonitore mit Bildübertragung aufs Handy den Gang ins Kinderzimmer für einen Kontrollblick.
Der Spaziergang im hügeligen Gelände wird mit motorgestützten Kinderwagen absolviert, während das Kinderzimmer in die Sound-, Heiz- und Lichtanlage der Haussteuerung eingebunden ist.
Natürlich kommt diese Entwicklung nicht von ungefähr: Die meisten Elternpaare sind Doppelverdiener und verbringen somit viel Zeit außer Haus. Ein beträchtlicher Anteil von Kindern wächst derweil mit nur einem Elternteil auf. Die Zeit der betreuenden Eltern muss also effizient genutzt werden. Die frei gestaltbare Familienzeit möchten Eltern erfreulicherweise gern konstruktiv mit ihren Kindern verbringen, lästige Alltagstätigkeiten sollen gerne so weit wie möglich in den Hintergrund treten. Aber machen nicht gerade die von allen ausgeführten Alltagstätigkeiten ein gemeinsames Miteinander aus … Auch das ist wohl eine individuelle Einstellungssache.
Was auch immer Eltern und Familien dazu bewegt, sich mit technischen Produkten zu umgeben – ein gesundes Maß an Selbstreflektion und ein Hinterfragen der Notwendigkeit sollten damit auf jeden Fall einhergehen. 

Joerg L. Meister

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