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Spiele

Feuerland strahlt

Mit seinem 2012 gegründeten Spieleverlag Feuerland schreibt Frank Heeren Erfolgsgeschichte. Mehr als 25 Titel sind mittlerweile im Programm, darunter auch eigene Entwicklungen, weitere werden dazukommen. Höhepunkt war im vergangenen Herbst die Auszeichnung „Kennerspiel des Jahres“ für das Spiel „Flügelschlag“, was veritable Umsätze verspricht.

Aber auch ohne Auszeichnung war die Erstauflage von „Flügelschlag“ schon im vergangenen Frühjahr ausverkauft, die im Herbst ausgelieferte Zweitauflage ebenfalls. Weitere Spiele wurden produziert. Das liegt sicherlich am eher einfachen, durch etliche Verquickungen aber durchaus anspruchsvollen Mechanismus sowie an dem interessanten Thema, unterschiedliche Vogelarten sachkundig in Kolonien zu sammeln.
„Flügelschlag“ ist ein Spiel des amerikanischen Partners Stonemaier, von dem Feuerland fast alle Titel auf dem deutschsprachigen Markt veröffentlicht. Sehr erfolgreiche Titel wie beispielsweise „Scythe“ oder „Viticulture“, zu denen es mehrere Ergänzungen gibt. Doch nicht nur das aktuell ausgezeichnete „Flügelschlag“, schon die frühe Lokalisierung von „Scythe“, einem strategischen Aufbauspiel in einem fiktiven Osteuropa der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, bezeichnet Frank Heeren als Glücksgriff. Denn genau mit solchen Titeln erreichte Feuerland ein interessiertes Publikum, das anspruchsvolle Spiele mit auch schon mal längeren Regeln und Spielzeiten sucht. Noch dazu sind die Stonemaier-Spiele schön aufgemacht. Ihre Ausstattung ist grafisch wie materialtechnisch immer top, was die Produkte allerdings auch hochpreisig macht. Da das Preis-Leistungs-Verhältnis aber stimmt, lassen sich solche Titel durchaus an den Mann bringen.

Das gilt besonders für das in jederlei Hinsicht großartige „Gloomhaven“ von Cephalofair Games, einem weiteren US-Partner, das seit 2017 am Markt ist. Die zehn Kilogramm schwere Box lässt erahnen, was den ludophilen Abenteurer erwartet. Wie häufig in Fantasywelten geht es um Gut oder Böse. Ein dickes Szenarienbuch, 17 verschiedene Charakterklassen, für jede eine individuelle Box, die erst nach und nach während der 95 Szenarien geöffnet wird und über 1.700 Spielkarten bedeuten unerschöpfliche Abwechslung. Die Erstauf-lage von 5.000 Stück für den deutschen Markt war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft, die Nachfrage ist ungebrochen. An „Gloomhaven“ lässt sich gut verdeutlichen, wie Frank Heeren sichtet, um Erfolgsspiele zu finden und für den deutschen Markt zu lokalisieren. Er orientiert sich an Kickstarter-Produkten, das sind schwarmfinanzierte Brettspiele, die auf dieser Crowdfunding-Plattform noch vor der Realisierung detailliert mit Text und Grafik vorgestellt werden. Hier erspürt er zukünftige Erfolgsspiele, die er ordert, testet und nach eigenem Werturteil dann versucht, für seinen Verlag zu gewinnen. Dass er dabei großes Geschick zeigt, beweisen die vielen Kooperationen ausländischer Partner mit Feuerland.
Eine zweite Quelle, die für Feuerland von großer Relevanz ist, ist das Ranking der weltweit größten Web-Community für Brettspiele „boardgamegeek.com“. Da steht „Gloomhaven“ unangefochten auf Platz 1 und kann sich als das am besten bewertete Brettspiel der Welt bezeichnen. Mehr als 26.500 User haben darüber abgestimmt. Mancher Mitbewerber, der ein ähnliches Zielpublikum bedient, beneidet Heeren um sein feines Näschen für zeitgemäße Produkte. Insgesamt fünf Spiele aus dem Feuerland-Verlag befinden sich in den TOP 20 (Stand Anfang Dezember 2019) dieser aussagekräftigen Liste.

Erfolgreich mit Eigenproduktionen

Doch Frank Heeren hat noch ein zweites, gleichwertiges Standbein. Feuerland entwickelt auch eigene Spiele, die durch intensive Redaktionsarbeit marktreif ge-macht werden. Das alles hat 2012 mit einer Idee, „Terra Mystica“, angefangen und schließlich zur Verlagsgründung geführt. Nach 15 Jahren in der IT-Branche wollte Frank Heeren etwas anderes machen. Bei einem jährlich stattfindenden Redakteurs-Treffen auf Mallorca lernte sein Partner Uwe Rosenberg den Autor Helge Ostertag und dessen Spiel „Terra Mytica“ kennen. Da der Autor ebenfalls in Eppstein wohnte, traf man sich regelmäßig, um das neue Werk auf Herz und Nieren zu prüfen. Diese intensive Entwicklung tat dem schließlich fertigen Spiel gut, auf den Spieltagen in Essen erlangte es größte Aufmerksamkeit und verschaffte Feuerland aus dem Stand eine Fangemeinde, die bis heute treu ist. Aber Heeren enttäuscht sein Publikum auch nicht. „Terra Mystica“ befindet sich im ganz oberen Ranking bei Board Game Geek. Mithin sind es nicht nur die lizenzierten Spiele mit hohem Anerkennungswert, es sind auch Eigenproduktionen, die sich ebenfalls über Vertriebspartner weltweit vermarkten lassen. So hat das Erstlingswerk mittlerweile eine verkaufte Stückzahl von über 100.000 Stück global erreicht.

Heute besteht der Verlag aus drei Vollzeitkräften und zwei Minijobbern, denn alle Erledigungen eines Kleinunternehmers müssen bewältigt werden. Dazu gehört auch die Suche nach neuen Produktionsquellen. Beispielsweise wollte ein Neuanbieter versuchen, Spiele herzustellen, sie zu konfektionieren und das günstiger als die etablierten Anbieter aus China oder Osteuropa. Doch das Spielmaterial muss erst durch die kritische Prüfung von Frank Heeren. Auch das Angebot eines Holzherstellers, die Würfel für das jetzt in größerer Stückzahl zu produzierende „Kennerspiel des Jahres“ beizusteuern, muss geprüft werden. Das ist der typische Verlegeralltag, den Heeren mit sichtbarer Souveränität angeht. Keine Schnellschüsse, das ist gut für die Spiele und letztendlich auch für den Endverbraucher.

Langsam aber stetig

Feuerland ist langsam gewachsen. Was mit einem Spiel begann, gelang auch deshalb nur, weil Frank Heeren seine freiberufliche Tätigkeit in der Computerbranche langsam zurückfahren konnte und sich so die Zeit gönnte, den Verlag sukzessive aufzubauen. Heute, acht Jahre nach der Gründung, offeriert Feuerland fast 25 Titel und es werden weitere dazu kommen. Zwei bis drei Neuheiten pro Jahr ist die Norm. Im Herbst wurden zu „Flügelschlag“ eine Erweiterung mit europäischen Vogelkarten sowie das vom Titel her vielversprechende „Dinosaurier Island“ und das anspruchsvolle „Crystal Palace“ herausgebracht. Mittlerweile ist Frank Heeren als Verleger schon so gefestigt, dass er sich besondere Spiele erlaubt. Seiner letztjährigen Neuheit „Fuji“ hat er eine aufwändige Grafik gegönnt, die das Spiel zu etwas ganz Besonderem macht. Davon zeugen auch die gerahmten Bilder des Grafikers an der Wand, vor denen sich Heeren gerne ablichten lässt. Ein Indiz dafür, dass sein Verlegerherz auch an schönen Dingen hängt und nicht nur der Kommerz im Vordergrund steht. Und das macht Heeren so sympathisch. 

(pen)

Seinem Spiel „Fuji“ hat Frank Heeren eine ganz besondere Grafik gegönnt

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