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Breiter heißt erfolgreicher

Revell aus Bünde stellt sich 2020 deutlich breiter auf und sucht konsequent nach Synergien mit Carrera.

Die Notre Dame in Paris ist nur eine Station der Revelle Puzzle-Weltreise

Wer im Fußball sein Angriffsspiel in die Breite zieht, der kann nach vorne gefährlicher agieren. Revell hat ähnliches vor. Erste Überraschung bei der Jahrespressekonferenz: Das Zusammenwachsen zwischen Revell und Stadlbauer, respektive der Marke Carrera, war auch personell erkennbar: dank einiger Vertreter der Rennbahnlegende vor Ort. Erster Schritt für die Verzahnung beider großer Spielzeugnamen: Die internationalen Vertriebe sollen neu organisiert werden. Bedeutet: Es gibt auch wie bisher Länder mit zwei getrennten Vertrieben, aber auch welche, in denen Revell Carrera mit anbietet oder umgekehrt. Da wächst etwas zusammen, was schon längst zusammengehört. Und: Es gibt einen gemeinsamen Messestand von Revell und Carrera in Nürnberg im Bereich der Feststände in Halle 12.2. Dafür wird der Stand komplett umgebaut und nun zur Heimat beider großen Spielzeugmarken.

Synergien nutzen

Revell selbst muss wie auch alle Mitbewerber im RC-Bereich eine rückläufige Entwicklung auffangen (elf bis sieben Prozent minus), die der zunehmenden Regulierung bei der Nutzung von Drohnen geschuldet ist. Trotzdem stieg der Marktanteil der Ostwestfalen dort auf 14,7 Prozent. Und zusammenaddiert mit Carrera sind beide Brands laut eigener Angabe deutscher Marktführer in diesem Segment. Um wieder mehr zu wachsen, sollen 2020 andere Produktpaletten abseits der Drohnen forciert werden. Eines ist ebenfalls sicher: Revell und Carrera werden auf diesem Feld eine Zwei-Marken-Strategie verfolgen. Langfristig sollen aber bei der Entwicklung von Produkten Synergien noch cleverer genutzt werden. Status quo: Revell hat im RC-Bereich mehr zugekauft, also sich Produkte von Makern auf Maß schneidern lassen, Carrera deutlicher auf Eigenentwicklungen vertraut. Bei den RC-Automodellen wird Revell mehr auf echte Vorbilder setzen und dafür auch Lizenzen bezahlen. Bei der Kontrolle der Entwicklungsprozesse für Produkte selbst, will Revell seine Erfahrungen in der Verbesserung der Effizienz und Schnelligkeit bei den Kollegen von Carrera einbringen. Das Beste aus zwei Welten in Bünde wie Puch zu installieren, scheint hier das Ziel der Kooperation zu sein.

Feuerwehr ist ein Thema bei den Revell Neuheiten

Ein Kraftpaket ist der X-treme Cross Thunder

Bausatzmarkt stabil

Auch der Bausatzmarkt war 2019 eher müde unterwegs, allerdings konnte Revell mit seinen Easy-Click-Produkten und Build & Play gegen den Trend zulegen. Im internationalen Geschäft startet Revell in den Vereinigten Staaten mit eigenen Farben und Zubehör. Hintergrund: Der bisherige Farben-Platzhirsch ist in den USA praktisch verschwunden und die Ostwestfalen wollen dieses Vakuum gerne mit eigenen Produkten füllen, zumal sie dort einen schlagkräftigen Vertrieb aufgebaut haben. Top-Lizenzen wie Flugzeuge zum neuen Top-Gun-Film „Maverick“, zu Star Wars oder „Peppa Pig“ beim Preschool-Renner Revellino sollen das Programm noch attraktiver machen. Außerdem will der Bausatzmarktführer die Themen Plastikkit und 3D-Puzzle stärker miteinander verknüpfen. Erstes, bereits ausgeliefertes Beispiel ist ein Set zum Thema „30 Jahre Berliner Mauer“, das aus einem 1:24-Bausatz des Trabant 601 besteht, der auf einer 3D-Diorameninszenierung durch ein Mauersegment fährt. Der 3D-Puzzlemarkt selbst ging 2019 insgesamt um 17,9 Prozent zurück, vom Wert der verkauften Produkte konnte Revell aber um vier Prozent zulegen. Mit der Kombi aus Bausatz und 3D wollen die Ostwestfalen neue Sets kreieren, die den Umsatz ankurbeln sollen. Denn üppige Geschenksets sind in den vergangenen Jahren der Renner gewesen. Auf dem Feld der hochpreisigen Star-Wars-Bausätze wird Revell 2020 seine Kooperation mit Bandai noch intensivieren, inklusive riesigem Sternenkreuzer oder Todesstern.

Neuheiten in allen Bereichen

Zudem zünden beide Marken für die Preschool-Serien und Carrera ein Feuerwerk an TV-Spots in einschlägigen Sendern. Auch in der Kommunikation gibt es Neues zu verkünden. Die bisherige Carrera-Agentur Swordfish-PR aus München spricht nun auch für Revell. Neben dem „Peppa Pig“-Auto mit herausnehmbaren Figuren kommt bei Revellino auch noch ein rosafarbenes Knutscheauto. Heißt: Mädchen sollen hier als potenzielle Kunden noch mehr in den Fokus. Bei den Junior-Kits der Ostwestfalen ist eine Feuerwache mit der Bezeichnung „Emergency“ der Hingucker. Neben einem Löschfahrzeug sind hier auch passende Figuren und Zubehör mit von der Partie. Die Junior-Kits mit RC-Aktion erhalten ebenfalls Zuwachs. Dazu hat Revell ein eigenes Lkw-Chassis mit RC-Innenleben entwickelt, das nun vielfältig zum Einsatz kommt. An den Start gehen hier zunächst ein Müllwagen, ein Feuerwehr-Löschfahrzeug und ein Polizei-Wagen. Dazu kommen etwas später ein grüner Sportwagen und eine Feuerwehr-Drehleiter.
Bei den Modellautos flirten drei Neuheiten mit der eigenen Geschichte. Als Mitte der Fünfziger bei Revell USA der 1:25-Bausatz des VW Samba-Busses erschien, war dieser Kit mit beweglichen Türen und Hauben eine Sensation. Vor einigen Jahren hatte sich Revell entschlossen, eine neue 1:24-Form für einen solchen Bausatz aufzulegen. Ebenfalls mit großen Erfolg. Nun folgt hier der VW T1 Bulli als Camper, der sich an einem historischen Ausbau von Westfalia orientiert. Und es kommt noch besser. Die zweite Generation des VW-Busses, der sogenannte T2, erscheint 2020 als 1:24-Kit aus der Easy-Click-Serie.

Im Set „30 Jahre Berliner Mauer“ verbinden sich die Themen Plastikkit und 3D-Puzzle

Auch die Jaguar-Liebhaber dürfen in diesem Jahr feiern. Alte Revell-Fans werden sich gerne an den 1:25-Bausatz des Jaguar E-Type Roadsters erinnern, der Ende der Sechziger dank seiner brillant umgesetzten Finessen zum Kultobjekt wurde. 2020 bringen die Ostwestfalen aus komplett neuen Formen das passende Coupé des E-Type mit Hecktür – unter anderem den Dienstwagen von „Jerry Cotton“ – in der Baugröße 1:24 auf den Markt. Auch hier sollen viele Details die Technik und das Interieur der britischen Sportwagen-Legende nachzeichnen. Und bevor der Braunkohleabbau in Deutschland endgültig zur Geschichte gehört, legt Revell seinen riesigen Schaufelradbagger im Maßstab 1:200 noch einmal als Limited Edition auf.
Wer sich die 3D-Neuheiten im Puzzlebereich anschaut wie die Tower Bridge aus London, den Schiefen Turm von Pisa, das Opernhaus in Sydney oder den St.-Peter-Dom im Vatikan, der könnte denken, er wäre auf einer Weltreise unterwegs. Ebenfalls mit dabei: die Notre Dame aus Paris.
Eines wäre mit dieser kurzen Übersicht der wichtigsten Neuheiten klarer denn je: Revell entwickelt sein Angebot in die Breite, spricht Kleinkinder wie erfahrene Hobbyisten an. Außerdem gibt es Produkte für den kleinen Geldbeutel und die Fans, die an der Kasse Nehmerqualitäten besitzen. Das Ganze gelingt den Ostwestfalen 2020, ohne dass ihr Profil darunter leidet. Dies könnte eine Bauanleitung zum Erfolg sein. Zumal strategische Doppelpässe zwischen Revell und Carrera den Weg zum Kunden noch weiter öffnen könnten.

Andreas A. Berse

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