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Kolumne

Hilfe, es ist verpackt!

Günter Morsbach, Jahrgang 1944 und über 40 Jahre als Unternehmer in der Medienbranche tätig, ist als Publizist aktiv. Er gibt die kostenlose Onlinezeitung „Reitender Bote“ heraus. (Infos unter reitender-bote.de). In seinem Buch „Kleingeld, Kies und Dachstuhlbrand“ hat er 80 Unternehmergeschichten veröffentlicht (zu beziehen unter kleingeldkies-buch.de). Außerdem schreibt er für die Huffington Post und diese regelmäßige Kolumne für TOYS.

In der vergangenen Ausgabe der TOYS habe ich am Beispiel der SUVs beschrieben, wie wichtig es für Menschen ist, ein Blitzableiter-Thema zu haben. Da kann man mitreden, hinzudichten, schimpfen und besserwissen – das Blitzableiter-Thema ist ein Wohlfühl-Thema. Über Nacht werden Massen zu Experten, fast wie beim Fußball – oder in der Politik.
Seit den Erweckungsreden von Greta Thunberg stehen alle Lebensbereiche, die einer Verbesserung der Lebensbedingungen dienen könnten, in der Gunst der selbst ernannten Umweltretter ganz oben. Nichts dagegen zu sagen. Kritik ist die Mutter der Verbesserungen. Phrasenhafte Kritik aber nützt gar nichts, es bedarf schon einer wenigstens oberflächlichen Sachkenntnis. Schreit man Hosianna über eine tadellos im Laden präsentierte Ware, ist das „Kreuzigt ihn“ bei beschädigten Verpackungen oder Produkten nicht weit. Kein Mensch kauft Spielzeug in eingerissenen Kartons oder Konservennahrung in eingedellten Dosen.
Am besten, Sie gehen mal durch einen Supermarkt und stellen sich Produkt für Produkt unverpackt vor. Sie kaufen die Dosensuppe ohne Dose und kippen sie mit der Schöpfkelle im Markt in ihre mitgebrachte Schraubdose. Das Erlebnis steigert sich mit jedem Schubser von Einkaufswagen ihrer Mitmenschen. Von „Entschuldigung, Sie haben Erbsen am Mantel“ bis „Was stehen Sie auch so blöd im Weg rum?“, wird das Gemurmel lauten. Ein aus mehreren Kleinteilen bestehendes Bastelset ist im Ohne-Verpackungen-Laden eine Detektivarbeit. Der Kunde sucht, bis er alles beieinander hat. Beim Optiker werden die offen in Schütten herumliegenden Kontaktlinsen nach der richtigen Stärke durchwühlt und mit Hilfe des eigenen Speichels anprobiert. Oder in der Apotheke, wo dann die Halstabletten in offenen Schütten mit Hilfe einer Schippe von den Kranken hustend selbst abgefüllt würden. Ich habe kürzlich im Supermarkt einen Mann beobachtet, der eine Schachtel mit Tiefkühl-Himbeeren demonstrativ aufriss, die Früchte in eine mitgebrachte Tupperbox schüttete und die Schachtel dann mit höchster Verachtung wegwarf. Kein EAN-Code zum Preisablesen mehr da und kein Mindesthaltbarkeitsdatum oder die Adresse des haftenden Herstellers. Da fragt man sich folgerichtig, wofür diese „überflüssigen Verpackungen“ eigentlich dienen?

1. Dosierung: Ohne die Verpackung mit ihren Informationen ist die Verkaufsmenge nicht mehr transparent.
2. Transportschutz: Kartoffelchips oder Cornflakes wären zu Semmelbröseln zermahlen, würden sie auf dem Transport von Hunderten von Kilometern von der Mühle in den Markt nicht geschützt.
3. Hygiene: Verpackungen schützen die Produkte vor Staub, Verschmutzung, Keimen und Bakterien. Bei offener Ware fragt man sich, wer das schon alles angefasst hat.
4. Produktinformation: Eine bebilderte Produkt- oder Anwendungsinformation gibt eine schnelle Übersicht und Information.
Der Laie stellt sich die Frage, ob man nicht mehr Verpackungen einsparen könnte. Dies zum Beispiel bei kosmetischen Produkten. Natürlich spielen da Marketinggründe mit. Aber ja, da könnte man zurückschalten. Kritisiert werden oft Pralinenkartons mit ihren braunen Plastikeinsätzen. Die Pralinen werden vollautomatisch von Greifzangen in die Schachtel gehoben, da braucht man Platz zwischen den Pralinen, damit sich die Greifer nicht verheddern. Wir können sicher sein, dass die Hersteller schon aus Eigeninteresse nach Einsparungen suchen. Und sie werden sie finden.
Starten Sie gut verpackt ins neue Jahr!

Ihr Günter Morsbach

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