ApothekenTipp

Starke Abwehr

Rund 70 Prozent aller Immunzellen des menschlichen Körpers befinden sich im Dünn- und Dickdarm. Knapp 80 Prozent aller Abwehrreaktionen laufen hier ab. Das macht den Darm zu einem enorm wichtigen Teil des menschlichen Immunsystems. Ist der Darm gesund, ist der Körper besser gegen Krankheiten geschützt. Daher ist es wichtig, schon ab der Geburt eine vielfältige Darmflora zu fördern.

Das Immunsystem eines Kindes beginnt direkt nach der Geburt eine rasante Entwicklung durchzumachen. Es reagiert auf Erreger aus seiner Umgebung und entwickelt Abwehrkräfte gegen Krankheiten, indem es lernt, zwischen „Freund und Feind“ zu unterscheiden. Damit das Immunsystem ausreichend Erfahrung sammeln und stärker werden kann, muss es möglichst viel trainieren. Vor allem in den ersten drei Lebensjahren ist es gut, wenn Kinder mit den unterschiedlichsten Keimen in Kontakt kommen, ob im Sandkasten, im Kuhstall oder beim Spielen mit anderen Kindern. Studien belegen diese Anti-Hygiene-Hypothese. Das heißt also, je mehr Kinder „sandeln“ und in Pfützen springen, desto weniger neigen sie später zu Allergien. Leider heißt das auch, dass gerade Babys und Kleinkinder immer wieder kleinere und größere Infekte durchmachen müssen. Und manchmal wird das Immunsystem auch fehlgesteuert, weshalb ein Kind doch Allergien oder aber chronische Erkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis oder Rheuma entwickeln kann.

Glücklicherweise können Eltern, vor allem Mütter ihrem Kind Gutes tun, indem sie den Aufbau eines gesunden Mikrobioms, also die Vielfalt der guten Bakterien im Darm unterstützen. Bei einer natürlichen Geburt bildet sich das Mikrobiom aus der Schleimhautflora des Geburtskanals und aus den natürlichen Hautbewohnern der Mutter, die zum Beispiel beim Stillen aufgenommen werden. Nicht immer ist eine natürliche Geburt möglich, weshalb man bei Kaiserschnitt-Kindern zur Sicherheit entsprechende Mikroorganismen gezielt zuführen sollte, um eine gesunde Darmbesiedlung nicht dem Zufall zu überlassen. Diese sogenannten Milchsäurebakterien erzeugen im Darm ein Milieu, das es Krankheitskeimen schwer macht, sich niederzulassen. Und: Je mehr Platz die guten Bakterien einnehmen, desto weniger Lebensraum bleibt für die schädlichen Keime. Sollte es trotzdem zu einer bakteriellen Infektion kommen und eine Antibiotika-Gabe notwendig sein, bei der leider nicht nur die krankmachenden Erreger vernichtet werden, dann kann man schützende Darmbewohner zuführen.
Milchsäurebakterien gibt es in Kapselform oder als Pulver zum Einrühren in Wasser. Je nach Präparat kann man entweder parallel zur Antiobiotika-Behandlung arbeiten oder im Anschluss eine Kur durchführen.

Apothekerin Nicole Lautenschläger hat 2004 die Ausbildung zur Apothekerin für Homöopathie und Naturheilkunde abgeschlossen. Seit 1998 ist sie Inhaberin der Apotheke am Riegerplatz in Darmstadt, 2012 übernahm sie die Kronenapotheke, ebenfalls in Darmstadt, als Filiale. Beide Apotheken zeichnet der Schwerpunkt auf Naturheilkunde sowie ein hohes Interesse an ganzheitlicher Gesundheit aus.

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