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Daddy Cool

Volker Habermaass ist seit 2015 Geschäftsführer bei der Lifestyle-Marke Heldbergs, ein Online-Shop, der „richtig gutes Zeugs für markante Männer“ bietet. Jetzt hat Habermaass Heldbergs Dad ins Leben gerufen und will damit Väter ansprechen, die auf der Suche nach coolen, langlebigen Produkten für ihren Nachwuchs sind – von Zwillen über ein Messerschnitzset bis hin zur Luftgitarre ist alles dabei. Astrid Specht sprach mit ihm über das Konzept hinter der neuen Marke.

Herr Habermaass, den Online-Versand Heldbergs gibt es seit 2015. Jetzt haben Sie aufbauend darauf die Marke Heldbergs Dad speziell für Väter und Kinder ins Leben gerufen. Wie kam diese Idee zustande?
Eigentlich war der Vater-Kinder-Gedanke immer vorhanden und von Beginn an auch fester Bestandteil von Heldbergs. Die Darstellung war nur etwas zu abstrakt und wurde draußen nicht wirklich verstanden. Mit der neuen Marke hoffen wir, einen besseren Zugang zu finden.

Sie nennen Heldbergs Dad eine logische Erweiterung der Ursprungsmarke Heldbergs. Wie sieht das Konzept dahinter aus und, abgeleitet davon, ihr Verständnis von Vater-Sein? Ist die Zeit der einsamen Steppenwölfe vorbei und beginnt jetzt die Zeit der fürsorglichen Väter? Sind Väter die neuen Mütter?
Steppenwölfe, neue Mütter, fürsorgliche Väter ... ? A Schmarrn! Mütter sind Mütter und Väter sind Väter. Jeder für sich hat seinen eigenen sehr wichtigen Part in der Elternrolle. Wir wollen einen Shop schaffen, in den wir uns als Mann auch freiwillig begeben ohne mit tausend erhobenen Zeigefingern, pädagogischen Ratschlägen, „nützlichen“, „praktischen“, „kindgerechten“, „süßen“ und quietschbunten Produkten bombardiert zu werden.

Wir sind Erwachsene und keine kleinen Kinder, warum müssen wir also mit einem pädagogisch wertvollen Taschendesign herumlaufen? Ist irgendwie peinlich. Einige Männer gehen ja auch lieber in einen Barbershop, weil die Atmosphäre vielleicht mehr anspricht und man sich dort wohler fühlt. Auch bei der Produktsuche (Spielzeug, Klamotten, Literatur) für Kinder gehen Väter und Mütter sehr unterschiedlich und immer von ihrem persönlichen Empfinden aus, was Style, Design, Wertigkeit betrifft – und übertragen so auch einiges auf die Kinder. Was und womit ich als Kind gerne gespielt habe, welche Klamottenmarken ich gerne trage und geil finde, möchte ich auch weitergeben, da ich damit vertraut bin und das Zeugs eben gut finde. Kinder suchen sich nicht selbst ihr Spielzeug aus, sondern wir als Eltern, Opas, Omas.

Sie sagen selbst, die Heldbergs Väter sind „erziehungsberechtigt, aber nicht 24/7 erziehungsverpflichtet“. Wie meinen Sie das?
Wir sind Väter und lieben es Vater zu sein. Sicherheit, Geborgenheit, finanzielle Absicherung, Hilfe und Unterstützung jeglicher Art unserer Kinder liegt uns sehr am Herzen. Jeder Vater wird alles tun, damit es seinen Kindern gut geht. Aber wir sind auch Männer und haben Interessen, die sich nicht immer mit allem unter einen Hut bringen lassen. Eigene Interessen, Aktionen oder depperte Einfälle haben genauso ihren Platz. Wir müssen auch ab und an unser Ego ausrollen dürfen. Nicht das ganze Leben dreht sich nur um Kinder. Man findet bei uns auch Produkte die vordergründig keinen Nutzen, keinen Vorteil oder was auch immer haben. Sie sind einfach schön und gefallen, sind für den einen oder anderen eine Art Fetisch – mehr nicht.
 
In einer Zeit, in der männliche und weibliche Rollenbilder immer mehr verschwimmen und Unisex-Produkte bei Eltern immer beliebter werden, bieten Sie Produkte an, die man als typisch männlich bezeichnen könnte ...
Ich glaube nicht, dass unsere Produkte typisch männlich oder sonstwas sind. Was ist an einem Beil, an einem Taschenmesser, Schlafsack, Plattenspieler, an einer Kaffeekanne, einer schwarzen Holzente, an Emailletassen oder Vinyl männlich oder weiblich? Es sind einfach gute Produkte, die vielleicht Männer eher ansprechen als Frauen, da die abgebildete emotionale Umgebung bei uns eher männlich ist. Was ist falsch daran, Mann oder sonstwas zu sein? Wir sind nicht gleich: Männer sind anders als Frauen, Väter anders als Mütter und es ist gut, anders zu sein, das macht den Menschen aus. Aber es ist am Ende wurscht, wer sich angesprochen fühlt. Der Mensch sollte heute mündig und selbstbewusst genug sein, sich frei zu bewegen, sich nicht vorschreiben zu lassen, wo er rein darf oder nicht und den nötigen Humor besitzen, nicht immer alles bierernst zu nehmen und ständig alles als persönlichen Angriff auf sein Ego zu empfinden. Zeichen setzen wollen wir keine, auch nicht missionieren. Wer Bock drauf hat, in unsere Welt einzutauchen, ist herzlich willkommen, wer nicht halt nicht.

Es scheint ein neues Selbstverständnis dafür zu geben, was es bedeutet ein Mann oder Vater zu sein. Wie sieht dieses Selbstbild aus und welche Produkte brauchen Männer, um das nach außen zu leben?
Keine Ahnung, so viele Männer oder Väter, so unterschiedlich die Definition des Selbstbilds. Für mich persönlich muss sich Vater und Mann sein gut und richtig anfühlen, unabhängig davon, was wer über wen denkt und in welche Schublade man einen pressen will. Ich glaube nicht, dass entsprechende Produkte gebraucht werden, um etwas nach außen zu leben oder irgendwas darzustellen. Sie sind nur ein Schmankerl, das uns vielleicht ein bisschen das Leben versüßt.

Heldbergs gehört zur Haba-Firmenfamilie. Welche Aspekte der Haba Firmenphilosophie haben Sie für Ihr eigenes Unternehmen übernommen, worin unterscheiden Sie sich?
Qualität, lokal, familiengeführt. Der Ansatz von Heldbergs geht über das Produkt und im großen Maß das Design, die Emotion, nicht unbedingt über den Nutzen oder die Pädagogik, sondern fokussiert den gemeinsamen Spaß und eine gute Portion Ironie und Selbstverarsche. Angesprochen werden Männer durch eine eigene Umgebung. Heldbergs und Heldbergs Dad sieht sich als Select-Shop oder Kurator für schöne Dinge und nicht als Vollsortimenter, der jeden Bedarf in Produktvarianten und Co. deckt. Wir sind in der Nische zu Hause.
 
Wo sehen Sie Heldbergs und Heldbergs Dad in drei Jahren?
Schaun mer mal!

heldbergs.com/vaeter/

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