Spiele

Brettspiel-Favoriten

In diesem Jahr wurde beim Hauptpreis „Spiel des Jahres“ kein Brettspiel empfohlen, nominiert oder ausgezeichnet. Ein Blick auf diese Kategorie lohnt sich aber auf alle Fälle.

Die Tavernen im Tiefen Thal ist ein Wirtshausgerangel. Jeder führt eine mittelalterliche Kneipe und will zahlungskräftige Kundschaft ins Lokal locken. Gäste, die Bier schlürfen, bezahlen Geld und dieses wird sofort in hilfsbereite Geister investiert, so dass der Tellerwäscher in der Küche oder die Schankmaid im Gastraum einen besseren Umsatz garantieren. Vor allem sind es der Würfel-Draft-Mechanismus und die Karten-Deckbau-Idee, die der Motor für das Geschehen sind. Es gibt noch weitere thematisch gut eingepasste Elemente wie die Bierlieferung ans Kloster oder das ausliegende Gästebuch, die das Spiel zu einem atmosphärisch dichten aber auch komplexen Spielerleben machen. Und wenn die Gaukler Schnaps verlangen, geht es erst richtig rund.


In Walls of York umzäunt jeder sein Königreich mit einer zufällig vorgegebenen Anzahl an Märkten, Kirchen und Brunnen. Aber Wikinger müssen ausgegrenzt werden, sonst kommt es am Ende zu einem Überfall. Da über zwei Epochen gespielt wird, lässt sich ein moderater Verlust wieder ausgleichen. Entscheidender ist die Bauphase. Stets errichten alle nach Würfelvorgabe Schutzmauern, die topologisch geschickt gesetzt werden müssen. Wer die komplette Umzäunung im Blick behält, wird schneller fertig sein und satte Zusatzpunkte verdienen.


Zwischen zwei Schlössern verlangt höchste Diplomatie. Jeder werkelt an zwei Schlössern, die er mit Zimmern vergrößert. Das eine Schloss baut er mit seinem rechten Nachbarn, das andere mit seinem Sitznachbarn zur Linken. Aus einer Kärtchen-Hand werden pro Runde zwei Raumkärtchen ausgewählt. Die große Spielkunst liegt darin, mit den Nachbarn auszudiskutieren, welche Plättchen optimal in das gemeinsame Schloss eingefügt werden sollen. Dabei bestimmt bei jedem das wertniedrigere Schloss über die erreichte End-Punktzahl. Man muss aufpassen, dass man keines seiner Schlösser vernachlässigt, auch schon mal gegen den Willen des Baupartners. Das ist sehr verzwickt.

Fassadenbau und Landschaftsmalerei

Der Londoner Stadtteil Kensington ist durch seine Backsteinfassaden gekennzeichnet. Diese werden im Spiel nachgebaut. Mit Legeplättchen, die aus einem Pool in der Tischmitte relativ frei herausgeklaubt werden können, bastelt jeder an einer Häuserfront. Dabei sind bestimmte Bauregeln zu beachten. Wichtiger aber ist die sehr differenzierte Punktwertung am Ende, die vielerlei Angebote macht und die in Gänze recht schwer zu arrangieren ist. Auf alle Katzen, Dächer, Häuserzeilen zu achten, ist hier die hohe Kunst.


Copenhagen spielt mit derselben Idee, wenn auch ganz anders. Hier wird der Nyhaven aus Dänemarks Hauptstadt nachgestellt. Es sind bunte Fassaden, die aneinandergereiht werden. Das sieht farbenprächtiger aus als die Häuserzeilen in Kensington. Der Spielrhythmus hat auch Raffinesse. Eine einfache Nimm-Regel erlaubt das Nehmen von Karten, die in Fassadenplättchen getauscht werden. Wichtig ist das Erreichen von Bonusfeldern, die vielfältig genutzt werden können. Da muss man geschickte Entscheidungen treffen.


Yokai ist eine Ergänzung zum prächtigen Kanagawa. In diesem versuchen die Spieler als japanische Landschaftsmaler ein Wandgemälde zu arrangieren, das die verschiedenen Jahreszeiten spiegelt und mit Tieren, Gebäuden, Personen ein immer anderes Gesamtbild auf die Leinwand zaubert. Die quadratischen Kärtchen werden auch zum Ausbau und zur Optimierung des eigenen Ateliers genutzt. Es gilt also stets abzuwägen, wie geschickt die Karten verwandt werden. Bei Yokai kommen jetzt mit Papierdrachen, Schirmen und Lampions neue Motive hinzu und Dämonen stören. Es ist mehr Abwechslung im Geschehen, die Landschaftsgemälde wirken noch japanischer.

Gewinnerspiele

Just one von Ludovic Roudy & Bruno Sautter, erschienen bei Repos, vertrieben durch Asmodee, ist das „Spiel des Jahres 2019“. Dieses tolle Ratespiel lebt von seiner pfiffigen Einfachheit. Gemeinsam gewinnt oder verliert die Gruppe, deshalb versucht jeder dem aktiven Spieler optimale Hinweise zu geben. Dabei ist der Titel schon die halbe Regel: „Just one“, es darf also immer nur ein Wort als Tipp gegeben werden.

Flügelschlag von Elizabeth Hargrave, erschienen bei Feuerland, wurde zum „Kennerspiel des Jahres 2019“ gekürt. In diesem interessanten Sammelspiel versuchen sich die Spieler als Ornithologen. Sie beobachten Vögel und siedeln diese in unterschiedlichen Umgebungen beispielsweise in Ufernähe an. Wem es gelingt, gut abgestimmte Kolonien zu arrangieren, hat die Nase vorn. Die Regeln sind einfach, der Ablauf aber durchaus vielschichtig.

Zur Übersicht "Ratgeber & Guide"