Unternehmen

Revolution in Farbe

Die Botschaft, wie erfolgreich Games Workshop mit seinem Konzept Sammeln, Basteln, Malen, Spielen, Lesen ist und wie positiv das Unternehmen auf die Spielzeugbranche insgesamt einwirkt, dürfte inzwischen angekommen sein. Jetzt haben die Briten ein neues Produkt gelauncht, mit dem die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben wird.

Spiel kaufen, mit Freunden verabreden, Box öffnen, Spielbrett aufbauen, Figuren aufstellen und los geht‘s. Kreativer wird es bei den meisten Spielen selten.
Ganz anders bei der Tabletop-Spielserie Warhammer von Games Workshop. Hier greifen die Lust am kreativen Gestalten und die Freude am Spielen ineinander und multiplizieren sich. Das Konzept Sammeln, Basteln, Malen, Spielen und Lesen, sorgt für ständig neue Touchpoints zwischen Handel und Kunden – insbesondere mit den vielen unterschiedlichen Farben, durch die die Spielfiguren und Gelände-Baustücke erst richtig lebendig werden. So fördert der permanente Kontakt mit und die Aktivitäten um das Produkt die Nachfrage nach Verbrauchsgütern wie Farben, Kleber und Pinsel.

Besondere Farbeigenschaften

Besonders das Citadel-Farbsortiment gehört – was das Bemalen von Miniaturen betrifft – qualitativ zum Besten, was der Modellbaumarkt zu bieten hat. Doch wie in jedem Bereich ihres Business, wollten sich die Briten aus Nottingham auch auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen und haben weiter geforscht. Schließlich geht es darum, den wohlverdienten Platz an der Marktspitze zu erhalten.
Und das dürfte mit dem Launch der neuen Contrast-Farben im Mai dieses Jahres tatsächlich auch gelungen sein. Mehr noch, Games Workshop haben eine kleine Revolution gestartet. Wie das? Dazu muss erklärt werden, was diese Contrast-Farben so besonders macht.
Die Contrast-Farben Citadels verbinden Eigenschaften mehrerer völlig unterschiedlicher Farb-Typen und ermöglichen zweierlei: Zum einen vereinfachen sie das Bemalen von Miniaturen immens, da sie mit einer einzigen Schicht Farbdeckung und zugleich fließende Farbübergänge erzielen. Zum anderen ermöglichen sie im Zusammenwirken mit dem Citadel-Farbsystem ganz neue Ansätze für das Bemalen von Modellbauten und Miniaturfiguren. Das heißt im Detail: Die außerordentlich hohe Pigmentdichte in wasserbasierten Lösung sorgt schon beim ersten Auftragen für eine vollständige Farbdeckung – auch bei nicht ganz einfach zu handhabenden Rot- und Gelbtönen. Hinzu kommt, dass die Farben die Fließeigenschaft einer Spezialtusche haben. So können die Pigmente in Vertiefungen und Ecken fließen, wodurch stufenlose Farbverläufe entstehen, die sonst nur beim Feuchtmalen erzielt werden. Hobbyisten können so vor allem Miniaturen mit viel Oberflächenstruktur ansprechend gestalten. Nicht zuletzt sorgen die hochsaturierten Farbpigmente für eine strahlende Leuchtkraft auch nach dem Trocknen.

Positiv für den Handel

Auch für den Handel ergibt sich ein Zwei-Stufen-Effekt: Durch den niedrigen Preispunkt des Produkts werden Zusatzkäufe und der Gesamtumsatz angekurbelt – und zwar um bis zu 25 Prozent. Darüber hinaus – und das ist der wahre Umsatzbringer – ergibt sich ein positiver Effekt auf die Hobbyaktivitäten der Kunden. Die sind durch die schnelle und einfache Fertigstellung eines Projekts hochmotiviert, weitere Projekte in Angriff zu nehmen – was natürlich zu Wiederholungskäufen beim Händler führt.

Von Erfolg zu Erfolg

Der Erfolg des neuen Farbsystems ließ nicht lange auf sich warten. Schon kurz nach dem Launch im Mai mussten mehrere ungeplante Nachproduktionen in Auftrag gegeben werden, um den Kundenbedarf zu decken.
Die Betreiber von GameShop in Bremerhaven, ein Einzelhändler, der Warhammer-Produkte und Zubehör seit Mitte 2017 im Sortiment führt, können das bestätigen. Auf die Frage, wie sich die Veröffentlichung der neuen Contrast-Farben auf das Geschäft auswirkt, sagten sie: „Die meisten Leute haben nicht nur ein oder zwei Farben gekauft, sondern gleich sieben oder acht, obwohl sie teurer sind. Die Contrast-Farben haben sich gut verkauft. Bei Warhammer haben wir ein ganz anderes Klientel als anderswo … Warhammer-Sammler sind deutlich preisbereiter als andere Kunden. Da kostet ein Bausatz halt mal 120 Euro.“
Die beiden Fabriken, in denen die Farben produziert werden, stehen übrigens auf dem sogenannten Warhammer-Campus in Nottingham, der mittlerweile 45.000 Quadratmeter groß und einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region ist. Die fortlaufende Standortinvestition kann durchaus als Beweis für ein solides Vertrauen in die eigene Stärke gesehen werden, denn Kosten für Produktion und Arbeitskräfte sind vergleichsweise hoch in Europa. Und auch die dunklen Wolken, die wegen des bevorstehenden Brexits am Horizont aufziehen, scheinen für Games Workshop kein Anlass zu sein, irgendeinen Geschäftsbereich aufs Festland oder gar nach Asien zu verlagern.
Überhaupt gibt es wenig Grund für Pessimismus, vor allem, wenn man auf die aktuellen Geschäftszahlen blickt. Im Juli hatte Games Workshop seinen Jahresabschlussbericht vorgelegt und das Ergebnis überstieg sogar noch das des Vorjahres. Das dritte Wachstumsjahr in Folge bescherte dem Unternehmen einen Umsatzanstieg auf 254 Millionen Pfund Sterling, während der Reingewinn rund 80 Millionen Pfund Sterling betrug (vor Steuer) und die Einnahmen durch Lizenzgebühren auf rund 11 Millionen Pfund Sterling anstiegen.

Warhammer in Deutschland

Auch der Standort Deutschland profitiert davon. Hierzulande fasst Warhammer immer stärker Fuß, sowohl was die Kernprodukte rund um die Miniaturen-Bausätze und das Spielen betrifft, als auch die immer weiter wachsende Anzahl an Lizenzprodukten. Vielerorts gehören Warhammer-Produkte inzwischen zu den am stärksten wachsenden Sortimenten. Und auch die Zahl der Einzelhändler, die Warhammer anbieten, ist im vergangenen Jahr weitergestiegen. Der Boom ist also kein Hype.
Für Games Workshop gehört der DACH-Raum zu den wichtigsten Expansionsregionen weltweit; von allen nicht-englischsprachigen Regionen ist der deutschsprachige Markt sogar Nummer 1. Das ist auch der Grund, weshalb das Unternehmen die Warhammer Alliance (siehe Kasten) noch in diesem Jahr nach Deutschland holen möchte, um neue Fans schon früh für dieses – in jeder Hinsicht – fantastische Kreativ-Hobby zu begeistern.
Zusammenfassend kann man (mit typisch britischem Understatement) sagen: Es läuft ganz gut für Games Workshop. Long may it continue.

games-workshop.com

Warhammer Alliance

Im angelsächsischen Raum unterhält Games Workshop seit vielen Jahren lokale Unterstützungsprogramme für den Bildungssektor. Im Herbst 2018 wurde die Warhammer Alliance ins Leben gerufen, ein neues Programm, das in Zukunft auch global ausgeweitet werden soll. Im Rahmen dieser Initiative kooperiert Games Workshop mit verschiedenen Bildungseinrichtungen, Schulen, Pfadfindergruppen und kirchliche Einrichtungen. In Großbritannien beispielsweise ist Warhammer für den prestigeträchtigen Duke of Edinburgh Award zertifiziert. Bei diesem Programm bewältigen jedes Jahr Tausende Jugendliche charakterbildende Herausforderungen. Mit Warhammer Alliance lernen sie Ausdauer beim Zusammenbau und Bemalen der Miniaturen, sie lernen, sich ein Ziel zu setzen und dieses auch zu erreichen, sie werden kreativ in der Gestaltung, die Feinmotorik wird geschult und beim Spielen werden soziale Kompetenzen gefordert und gefördert. Ein weiterer Vorteil, den die Projektleiter immer wieder nennen: Die Kinder und Jugendlichen verbringen deutlich weniger Zeit vor dem Smartphone und viel mehr Zeit in der „realen“ Welt und schließen echte Freundschaften.
Auch in Deutschland fragen immer mehr Schulen und Pädagogen bei Games Workshop wegen Möglichkeiten der Zusammenarbeit an. Auf dieses große Interesse hat das Unternehmen reagiert und stellt seine Support-Pakete für Kreativ-Projekte nun auch auf Deutsch zur Verfügung.
Das Projekt findet regen Anklang. Aktuell kooperiert Games Workshop mit rund 2.500 Schulen und etwa 1.000 Pfadfindergruppen weltweit. In Deutschland soll das Programm im Oktober 2019 starten. Bis Redaktionsschluss hatten sich rund 180 Schulen, Jugendgruppen und Bildungeinrichtungen mit insgesamt etwa 3.500 Teilnehmern angemeldet.

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