Kolumne

Betreutes Denken

Heute reden wir wieder mal über Klimaschutz. Dieses Thema nervt fast jeden. Die einen, weil die ausbleibenden Erfolge im Kampf gegen den Klimawandel weh tun, die anderen, weil sie sich in ihrem Lebensidyll gestört fühlen.

Nicht reden, sondern handeln heißt es jetzt in Sachen Klimaschutz. Denn es ist fünf vor zwölf

Heute reden wir wieder mal über Klimaschutz. Dieses Thema nervt fast jeden. Die einen, weil die ausbleibenden Erfolge im Kampf gegen den Klimawandel weh tun, die anderen, weil sie sich in ihrem Lebens-idyll gestört fühlen.
Konnte man sich bisher leicht herausreden, es sei noch nicht bewiesen, dass der Mensch für den Klimawandel (mit-)verantwortlich sei, stellen 85 Prozent aller wissenschaftlichen Dokumentationen heute fest, dass wir für die Probleme selbst verantwortlich sind. Der sonst so sanfte Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sagte zu der Frage, wie hoch die Kosten für die Bekämpfung des Klimawandels seien: „Wir müssen uns den Kampf pro Klima leisten, der Klimanotstand ist unser dritter Weltkrieg.“ Stiglitz weiter: „Auf die eine oder andere Weise werden wir für den Klimazusammenbruch bezahlen müssen. Ein Gramm Prävention ist soviel wert wie ein ganzes Kilo späterer Gegenmaßnahmen.“
Wir sind mitten drin im Ablauf eines bedrohlichen Prozesses und – was bisher einmalig ist – wir verfügen über alle Instrumente, um den Klimawandel zumindest zu stoppen. Reduzierung von Raubbau an der Natur, Elektrifizierung des Verkehrs, Einsatz weltweit von Sonnen-, Wind- und Wasserenergie, Abgasreinigung und die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten als Beispiele.
Konzentriert auf Deutschland ist festzustellen, dass die bisherigen Maßnahmen nicht zu Erfolgen führen. Da will man gerne, aber es bringt nichts. Bei der Ursachenforschung stoße ich immer wieder auf eine politische Kultur des „Zuviel-auf-einmal-Wollens“. In die aktuellen Maßnahmenpakete wie beispielsweise zum Kohleausstieg wird alles reingepackt: Ersatzarbeitsplätze, Verkehrsanbindungen, Forsterhalt, Um-siedlung von Bundesbehörden und was sonst die Parteienköpfe umtreibt. Würden wir nicht viel leichter mit einer sauberen Teilung des Gesamtpakets umgehen können? Einmal den reinen Kohleausstieg mit Daten zur Stilllegung der einzelnen Kraftwerke. Getrennt davon ein Budget für Folgekosten. Darüber kann dann die Politik jahrelang debattieren bis das Geld verfällt. Basta!

Über die politischen Mitleids-Budgets kann und muss man streiten. Einmal, weil seit 30 Jahren über den Strukturwandel im Ruhrgebiet und in der Lausitz gequatscht wird und wertvolle Zeit vertan wurde. Und wäre das Geld nicht bei den betroffenen Menschen bei Direktzahlungen besser angelegt als in den staatlichen Subventionspaketen? Bräuchten wir zur schnelleren Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen nicht ein Beschleunigungsgesetz, damit nicht jedermann Entscheidungen wie den Stromtrassenbau be- und verhindern kann?
Ich bin kein „Öko“, aber ich will, dass gehandelt wird. Der Kohleausstieg muss schneller kommen. Der Verkehr, der sowieso vor dem Zusammenbruch steht, muss neue Perspektiven erhalten, und die grauenvolle Massentierhaltung inklusive Tiertransporten ist nicht mehr tolerierbar. Herrschaften tut etwas, statt ewig zu diskutieren. Was allerdings das Schlimmste ist: Die bisherigen Maßnahmen haben nichts gebracht. Aber die Uhr tickt!

Günter Morsbach

Günter Morsbach, Jahrgang 1944 und über 40 Jahre als Unternehmer in der Medienbranche tätig, ist als Publizist aktiv. Er gibt die kostenlose Onlinezeitung „Reitender Bote“ heraus. (Infos unter www.reitender-bote.de). In seinem Buch „Kleingeld, Kies und Dachstuhlbrand“ hat er 80 Unternehmergeschichten veröffentlicht (zu beziehen unter www.kleingeldkies-buch.de). Außerdem schreibt er für die Huffington Post und diese regelmäßige Kolumne für TOYS.

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