DVSI

Verband 5.0

Alles auf Zukunft, das zeigte die Mitgliederversammlung des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie e.V., kurz DVSI. Während immer mehr Verbände dem inhaltlichen Burn-out zum Opfer fallen, setzt der vor fast 30 Jahren gegründete DVSI auf eine strategische Profilschärfung, die sich an den Bedürfnissen der rund 220 Mitglieder und an den sich stetig verändernden Rahmenbedingungen der Branche orientiert. Der DVSI steht heute für mehr als 80 Prozent der Spielwaren in Deutschland und sieht seine Aufgabe längst nicht mehr nur als Dienstleister, sondern als Lobby für Spielwaren auf breiter gesellschaftlicher und politischer Ebene.

Wer für sich neue Ziele definiert, der muss auch neue Wege gehen, um sie zu erreichen, das hat DVSI-Geschäftsführer Uli Brobeil offensichtlich klar erkannt. Auf ausgetretenen Pfaden funktioniert weder eine Neupositionierung, noch eine zukunftsgerichtete Strategie, vor allem dann nicht, wenn sich die gesellschaftlichen und (welt)politischen Rahmenbedingungen so rasant wandeln wie in den vegangenen drei Jahren. Ein Ende dieser globalen Turbulenzen und der Disruption der Märkte ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Spielware steht im Fokus nicht nur immer restriktiverer Gesetzgebung auf europäischer Ebene, nein, auch der Verbraucher wird immer sensibler dem emotionalen Thema gegenüber. Hat der DVSI früher meist nur auf die steigenden Anforderungen reagiert, so hat sich mit Uli Brobeil das Blatt entscheidend gewandelt. Proaktiv agieren lautet sein Motto. Die Dinge in die Hand nehmen, bevor andere es tun. Seine Strategie 2025 spricht eine deutliche Sprache, aber auch die erfreulich steigende Tendenz in der Mitgliederentwicklung. Bis 2025 will Brobeil 50 neue Mitglieder gewinnen, um „die fiskalische und organisatorische Gesundheit“ des DVSI weiter zu stärken. Ein durchaus realistisches Ziel, denn Verband ist wieder angesagt. Zumindest dann, wenn man sein Aufgabenfeld so definiert und interpretiert wie es die Verantwortlichen des DVSI tun.

Auch auf der Spielwarenmesse zeigt sich der DVSI offen und transparent

Impressionen zeitgemäßer und kommunikativer Verbandsarbeit: Im Bild links die ToyRiders, die Motorradfahrer*innen der Spielwarenbranche, die nicht nur ihre berufliche Tätigkeit, sondern auch ihre Liebe zum Bike verbindet. Wer Kurven gerne dynamisch, genussvoll oder wie auch immer erlebt, findet hier Gleichgesinnte zum Austausch und gemeinsamen Fahren. Die 2009 gegründete Gruppe hat über 100 Mitglieder, die ihre Leidenschaft für Motorräder teilen. In diesem Sinne: „Auf viele neue (Biker-) Kontakte“ und immer eine Handbreit Sonne im Visier!

DVSI im Kontext

Eines der klassischen „K.-o.-Kriterien“ für die Zukunft des DVSI war vor nicht allzu langer Zeit die heterogene Mitgliederstruktur. Heute hat man erkannt, dass eben diese den Verband so schlagkräftig macht. Die berühmten „Big Five“ der Spielwarenbranche, die allesamt dem DVSI angehören, mittelständische, familiengeführte Traditionsunternehmen, Spezialisten, kleine Manufakturen, Start-ups – sie alle bringt ein Thema an den Tisch: Das Kulturgut Spiel, lange verkannt, ist heute wichtiger denn je für ein Zusammenwachsen unserer multikulturellen Gesellschaft und die Vorbereitung auf die Herausforderungen, die an Kinder im 21. Jahrhundert gestellt werden. Hinsichtlich der Förderung der Spielkultur kündigte Ulrich Brobeil aktuell ein Trägermodell an, das von relevanten Akteuren in der Spielwarenbranche getragen werden soll. Einmal mehr wird klar: Das Potenzial der Branche ist riesig. Denn so facettenreich wie die Unternehmen sind auch ihre Produkte. Hier führen analoge und digitale Inhalte eine friedliche Koexistenz. Hier bestehen Klassiker neben Innovationen, Everseller neben schnelllebigen Hypes. Mit der wachsenden Bedeutung der Spielwarenbranche als gesellschaftliche und bildungspolitische Säule werden Themen wie Spielzeugsicherheit, Nachhaltigkeit oder die Förderung der Spielkultur immer zentraler. Intern zählen neben dem konstruktiven Dialog die Positionierung, die Interessenvertretung nach außen, das vielfältige Serviceangebot sowie die interne und externe Kommunikation zu den vorrangigen Aufgaben des DVSI. Zentraler Punkt der Agenda ist die „Strategie 2025“, die auf fünf Schwerpunkten basiert.

Schlagkräftig mit schlanken Strukturen, so ist der DVSI heute aufgestellt. Im Bild ein Organigramm der Verbandsstrukturen und der einzelnen Aufgabenfelder mit den jeweiligen Ansprechpartnern

„Wir sehen aktuell die Themenkomplexe Nachhaltigkeit, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, die Förderung der Spielkultur, den Brexit sowie auch die rechtssichere Klärung der Systembeteiligungspflicht im Rahmen des neuen Verpackungsgesetzes eindeutig im Fokus unseres Aufgabenfeldes, so DVSI-Geschäftsführer Ulrich Brobeil. „Beim Thema Nachhaltigkeit sind wir auf einem guten Weg, wie die von uns unterstützte bio!TOY-Konferenz gezeigt hat“, ergänzt er. Der Verband kann frei agieren, denn er steht auch finanziell auf soliden Beinen. Das Ge-schäftsjahr 2018 schloss der DVSI mit einem Plus ab. „Wir haben gut gewirtschaftet“, so Brobeil. Der Jahresabschluss wurde einstimmig genehmigt, Vorstand und Geschäftsführung entlastet.

Harmonisches Zusammenspiel

Verbände untereinander, das ist so eine Sache, vor allem, wenn der eine die Händlerschaft (BVS) und der andere die Industrie repräsentiert (DVSI). Diese mit den Jahren gewachsenen Feindbilder wurden sorgsam gehegt und gepflegt. Jetzt kündigte Ulrich Brobeil einen „Paradigmenwechsel“ in der Zusammenarbeit mit dem Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels, kurz BVS, an. Das lässt aufhorchen. Um Ressourcen zu nutzen und Kompetenzen zu bündeln, führen beide Verbände ab nächstem Jahr eine gemeinsame Jahresveranstaltung durch, so die offizielle Verlautbarung.

Ulrich Brobeil führt seit sieben Jahren erfolgreich die Geschäfte des DVSI und sagt von sich: Ich mag meinen Job, weil ich genau das tue, was ich immer machen wollte, mich aktiv mit Menschen, Kommunikation, sowohl kleinen Unternehmen als auch großen Marken sowie komplexen Zusammenhängen auseinanderzusetzen. In meinem Job bin ich Dienstleister und Teamplayer durch und durch. Ich weiß an den meisten Tagen nicht, was mich in der Geschäftsstelle erwartet. Es tauchen in der unerhört vielfältigen Spielwarenbranche täglich neue, spannende Fragestellungen auf und ich lerne jeden Tag mehr mit und über Menschen. Spannend!

Fakt ist, dass Industrie und Handel immer mehr „zusammenspielen“ müssen, um den Herausforderungen der Marktbereinigung, der Digitalisierung, der Vertikalisierung und des E-Commerce konstruktiv begegnen zu können. Kein leichtes Unterfangen. Aber zumindest haben im Falle DVSI und BVS schon einmal die Verbandsfürsten erkannt, dass Zäunchenziehen keine Lösung mehr ist. Die Mitglieder beider Verbände begrüßen diese Initiative. Man darf auf die neue Allianz gespannt sein, die sich zunächst in gemeinsamen Veranstaltungen niederschlägt: Die nächste DVSI-Mitgliederversammlung findet vom 1. bis 2. Juli 2020 in Köln statt; am 7. und 8. Juli 2021 ist der DVSI in Nürnberg Gastgeber des Branchentreffens.
Die Ankündigungen bei der Mitgliederversammlung, sich in wichtigen Bereichen neu zu positionieren, hat der DVSI in Teilen schon mit Leben gefüllt. So wurde der Webauftritt des Verbandes 2017 einem umfassenden Relaunch unterzogen, dieser wird 2020 ein Update erfahren. Auch der DVSINewsletter wird in ein neues, leserfreundliches Format gestellt.
Auf der Spielwarenmesse zeigt sich der DVSI im Foyer der Halle 12 seit einigen Jahren mit einem frischen Layout des Messestandes offen, „gesprächsbereit“ und transparent. Hier finden Treffen der Mitglieder statt, neue Unternehmen werden angesprochen, Vertreter aus der Politik werden empfangen, der weithin sichtbare Messestand in leuchtendem Rot dient sowohl als Info wie auch als Akquise Point.
Auf politischer Bühne wird der Ge-sprächsmarathon mit Brüssel weitergeführt, es werden neue Botschafter des Spielens gesucht. Bisher haben sich 80 Mitglieder des Bundestages und weitere Politiker committet und Spielwarenpakete an soziale Einrichtungen in ihrem Wahlkreis übergeben. Ulrich Brobeil hat die politische Bühne für sich entdeckt und nutzt sie nicht zur Selbstdarstellung, sondern beispielsweise, um in Jahresgesprächen mit Bundesministerien relevante DVSI-Themen zu erörtern und voranzubringen. 2020 werden Besuchsprogramme für politische Entscheidungsträger auf der Spielwarenmesse vorangetrieben. Beim Brüssel-Fly-in im Herbst 2019 absolviert der DVSI einen Gesprächsmarathon mit bekannten und neuen deutschen MEPs.
Der „neue“ DVSI ist parkettsicher. Nicht zuletzt dieser erheblich erweiterte Aktionsradius sorgt dafür, dass ökokritische Medien, die mit schöner Regelmäßigkeit Störfeuer entfachen, in Schach gehalten und auf ihre Plätze verwiesen werden können.
Fragt man Ulrich Brobeil abschließend, was kommt und was bleibt, lautet die Antwort: „Das würde den Rahmen dieser Story sprengen.“ Fazit: #estutsichwas!

dvsi.de

Der Verband der Deutschen Spielwarenindustrie hat derzeit etwa 220 aktive Mitglieder, Tendenz steigend. Bis 2025 sollen 50 weitere Mtglieder dazukommen. Der DVSI repräsentiert damit 80 Prozent der Spielwarenbanche

Safety First!

Mit Alexander Breunig hat der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie e.V. sich eine echte „Sicherheits-Kapazität“ an Bord geholt. Breunig, der lange Jahre in führenden Positionen für die zentrale Qualitätssicherung bei einem renommierten Unternehmen der Konsumgüterindustrie zuständig war und seit 22 Jahren Mitglied in deutschen und europäischen Normungsgremien zur Spielzeugsicherheit und weiteren Normungsgremien ist, wird ab 1. Oktober 2019 das Serviceprofil des DVSI schärfen und ausbauen. Der diplomierte Chemie-Ingenieur wird bei der Neuausrichtung dieses wichtigen Angebotsbereiches von den langjährigen DVSI-Mitarbeiterinnen Susanne Braun und Cornelia Becker unterstützt.
Mit Alexander Breunig, Jahrgang 1957, wird sich der DVSI ab Oktober noch stärker in die Diskussion um Sicherheit und Qualität von Spielzeug auf nationaler wie internationaler Ebene einbringen und seine Mitgliedsfirmen verstärkt „fit“ machen für aktuelle und zu erwartende neue Sicherheitsanforderungen. Der ausgewiesene Experte für chemische Analytik wird darüber hinaus den DVSI zusammen mit Susanne Braun in allen TIE Gremien und bei der Normungsarbeit repräsentieren. Breunig, der neben Spielzeugsicherheit auch die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit „anpacken“ soll, berichtet direkt an Geschäftsführer Ulrich Brobeil.

Neu formiert

Der engere Vorstand des DVSI mit Karen Pascha-Gladyshev, Lego GmbH, Paul Heinz Bruder, Bruder Spielwaren, Dr. Rainer Noch, Geschäftsführer Noch GmbH & Co., Frank R. Schneider, rollytoys KG sowie Felix Stork, Corporate Marketing Director Simba Dickie Group. Ganz links Ulrich Brobeil, Geschäftsführer DVSI

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