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Brettspiele – Ein wachsender Markt

Mit einer jährlichen Wachstumsrate von vier Prozent, prognostiziert für die kommenden sieben Jahre, sind Brettspiele die am zweitschnellsten wachsende Kategorie unter den Spielzeugen, direkt hinter den Lernspielzeugen. Dieses Wachstum ist von den gleichen Faktoren getrieben, die auch das Wachstum von Lernspielzeugen beeinflussen. Ähnlich wie Lernspielzeuge tragen auch Brettspiele zur kindlichen Entwicklung bei – ein positiver Faktor, der weltweit immer mehr Beachtung findet.

Tabelle 1 (Quelle: Ipsos Business Consulting and Klosters Retailer Panel)

Die relevanten Faktoren – Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum weltweit – wurden bereits in der TOYS 6 im Beitrag „Lernspielzeuge – eine wichtige und wachsende Spielzeugkategorie im Wandel” behandelt.
Brettspiele spielen eine wichtige Rolle in der kindlichen Entwicklung. Sie trainieren logisches und kritisches Denken und fördern räumliche Vorstellungskraft. Lern- und Kommunikationsfähigkeit sowie Sozialkompetenz werden durch Brettspiele ebenfalls geschult. Sie verbessern die sprachliche Kompetenz und fördern die Aufmerksamkeit, da die Spieler sich über längere Zeit auf eine Sache konzentrieren müssen. Monopoly bringt Kindern spielerisch den Umgang mit Geld bei, Scrabble fördert den Wortschatz und die sprachliche Entwicklung, während andere Spiele wie etwa das Leiterspiel das mathematische Verständnis verbessern.

Ein weiterer Faktor, der sich positiv auf die Beliebtheit von Brettspielen auswirkt, ist die Tatsache, dass viele Menschen schon von Berufs wegen den ganzen Tag am Computer verbringen. Nach Büroschluss ist eine gemeinsame Spielerunde erheblich entspannender als Online-Spiele, diese Erkenntnis setzt sich mehr und mehr durch. Der Trend zu Digital Detox zeigt Wirkung: Die meisten Eltern sind der Meinung, dass ihre Kinder schon genug Zeit vor dem Bildschirm verbringen – Brettspiele werden daher als willkommene Möglichkeit gesehen, den Zusammenhalt und die Kommunikation innerhalb der Familie zu fördern.
Etwa zehn Prozent aller Spielzeug-Verkäufe weltweit entfallen auf Brettspiele, allerdings ist die Verteilung – und daher auch die Wachstumsraten über die kommenden sieben Jahre – sehr ungleichmäßig (siehe Tabelle 1). Die Entwicklung der Bevölkerungszahlen im Vergleich zu den Verkaufszahlen von Brettspielen im Jahr 2018 ist Grafik 1 zu entnehmen. Die Bevölkerung Nordamerikas, Europas und des pazifischen Raums machen zusammen nur 17,7 Prozent der gesamten Weltbevölkerung aus und doch werden zwei Drittel aller Brettspiele in diese Märkte verkauft.

Grafik 1: Verteilung von Brettspiel-Verkäufen (Quellen: SEC filings and Klosters Retailer Panel Input)

Tabelle 2 (Quelle: Ipsos Business Consulting and Klosters Retailer Panel)

82 Prozent der Weltbevölkerung leben in Wachstumsmärkten. Nur ein Drittel aller Brettspiel-Verkäufe gehen in diese Länder. Das extremste Beispiel sind Afrika und der Nahe Osten: Hier leben insgesamt 16 Prozent der Weltbevölkerung und nur zwei Prozent aller Brettspiele werden in diese Märkte verkauft.
Noch extremer ist die Verteilung der Brettspiel-Verkäufe nach Hersteller (siehe Grafik 2). Eines der wichtigsten Unternehmen, das zur Kategorie „Sonstige“ gehört, ist Goliath Games. Es gibt nur wenige inhabergeführte Brettspielfirmen, die besser positioniert sind. Goliath wurde 1980 als Brettspielunternehmen gegründet, erweiterte aber sein Portfolio als 2014 der Spiele- und Spielwarenhersteller Pressman dazugekauft wurde.

Das Unternehmen ist in der Grafik nicht separat aufgeführt, da im vergangenen Jahr zwei weitere Unternehmen hinzukamen – Crown + Andrews im Mai sowie Vivid Imagination im November – und es keine Möglichkeit gibt, festzustellen, wann genau die Umsätze dieser beiden Unternehmen integriert wurden.
Der Grund, warum die führenden Brettspiel-Hersteller sich auf Nordamerika und Europa konzentrieren, ist deutlich: Hier liegt das Geld. Die ärmeren Kontinente haben weder die Freizeit noch die finanziellen Mittel für Brettspiele. Erwartungsgemäß sind Afrika und der Nahe Osten daher in der Hierarchie ganz unten angesiedelt. (siehe Tabelle 2). Diese Tendenz bestätigt sich, wenn man sich anschaut, welche Marken wo erfolgreich sind (Tabelle 3).
Ein Problem, das die meisten führenden Brettspielhersteller haben, ist ihr Mangel an Innovation, was dazu führt, dass sie langsam aber sicher von anderen Anbietern eingeholt werden. Die Befragung einiger Einzelhändler hat ergeben, welche Brettspiele im März 2019 am meisten Wachstum verzeichnen konnten. Die Antworten finden sich in Tabelle 4.

Grafik 2: Brettspiel-Marktanteile weltweit (Quellen: SEC filings and Klosters Retailer Panel Input)

Tabelle 3 (Quelle: Ipsos Business Consulting and Klosters Retailer Panel)

Die wahrscheinlich wichtigste Plattform, die neuartige und interessante Brettspiele hervorbringt, ist Kickstarter: eine Crowdfunding-Plattform für kreative Projekte, bei der die Projektleiter beziehungsweise Erfinder das Finanzierungsziel sowie die Frist für ihr Projekt festlegen. Jeder, der die Idee für vielversprechend hält, kann investieren, um den Markteintritt des Projekts zu ermöglichen. Erst wenn das Finanzierungsziel erreicht ist, werden die Kreditkarten der Geldgeber belastet. Sobald das Projekt realisiert ist, bekommen die Geldgeber meist eine symbolische Anzahl an Gratisprodukten. Mit einer Investition können kleine Firmenanteile oder andere finanzielle Vorteile erworben werden. Das klingt vielleicht nicht sonderlich lukrativ, doch die Idee dahinter ist eine andere: Die Geldgeber setzen darauf, dass das erworbene Produkt sich zu einem wertvollen Sammlerstück entwickelt. Bisher haben mehr als zehn Millionen Menschen weltweit in eine Kickstarter-Kampagne investiert.
Die vermutlich erfolgreichste Kategorie auf Kickstarter sind Brettspiele. Bis Ende März hatten es bereits zwei der Spiele, die über Kickstarter finanziert wurden – Yeti and Scythe – in die Top fünf geschafft. Yeti war im März Nummer fünf bei Target USA und Scythe war Nummer zwei auf Amazon Japan. Acht der in Tabelle 4 gelisteten Brettspiele sind außerdem über die Kickstarter-Plattform auf den Markt gekommen.
Die erfolgreichste Kickstarter-Kampagne des vergangenen Jahres war ein Brettspiel der polnischen Awaken Realms namens „Tainted Grail: The Fall of Avalon”. Hierfür kamen insgesamt 6,25 Millionen US-Dollar zusammen. Das Spiel beruht auf einer Mischung aus Artussage und keltischer Mythologie. Alles dreht sich um eine 100.000 Wörter lange Geschichte, die 15 verschiedene Szenarien beinhaltet, mit bis zu vier Stunden Spielzeit pro Szenario. Gespielt werden kann entweder alleine oder gemeinsam mit bis zu drei Mitspielern. Im August 2019 sollen die ersten Spiele auf den Markt kommen. Der Verkaufspreis steht noch nicht fest, wird sich aber um die 125 US-Dollar belaufen.

Dieses kreative Potenzial, das es kleinen Unternehmen ermöglicht, sich im Brettspiel-Markt zu behaupten, ist mehreren Faktoren zu verdanken, hauptsächlich liegt es aber an der Größe des Markts. Es ist zudem ein sehr lukrativer Markt, da die Materialkosten im Vergleich zum fertigen Produkt recht niedrig sind. Nicht zuletzt ist der Brettspiel-Markt sehr wachstumsstark, und dank vieler neuer und kreativer Wettbewerber werden die führenden Anbieter sich ebenfalls gezwungen sehen, in Sachen Innovation und Neuartigkeit an Tempo zuzulegen.

Lutz Muller

Tabelle 4 (Quelle: Ipsos Business Consulting and Klosters Retailer Panel)

Lutz Muller

Lutz Muller arbeitet bereits seit 1984 als CEO im Bereich Fertigung und ist Branchenexperte für die Spielwarenindustrie. Sein Unternehmen Klosters Trading besteht bereits seit 1987 und zu seinen Kunden zählen Führungskräfte von Spielwarenunternehmen sowie Finanzanalysten. Zweimal pro Monat veröffentlicht er auch Newsletter. Zu seinen Kontakten gehören Einkäufer der 30 größten Spielwarenhändler der 17 größten Märkte weltweit sowie zahlreiche chinesische Spielwarenproduzenten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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