Spiele

Es grünt so grün ...

Spielautor, Verleger und vor allem Macher – seit nunmehr 25 Jahren ist Friedemann Friese in Sachen Spiele erfolgreich. Besonders die schrägen Themen sind es, die ihm am Herzen liegen und für die sein 2F Verlag bekannt wurde. Und dabei ist Grün nicht nur die Farbe der Hoffnung, sondern steht vor allem für ein stimmiges Marketingkonzept.

Als gewiefter Zocker outet sich Friedemann Friese bei seiner Spieleneuheit „Feiner Sand“

In der Innenstadt von Bremen liegt sie, die Spiel-Baustelle von Friedemann Friese, und leider gibt es für Besucher dort kaum Stellplätze fürs Auto. Doch kein Problem für Friedemann, Parkausweise sind die Lösung. Diese direkte Art Dinge anzupacken, kennzeichnet ihn auch beim Spieleerfinden. Er ist Macher und Spieleautor schon seit mehr als 25 Jahren und erfolgreicher Verleger eigener Ideen. In seinem Kreativzimmer, vollgepackt mit unzähligen Brett- und Kartenspielen, einem PC-Arbeitsplatz und einem großen Spieltisch kredenzt Friedemann Tee und Wasser. „Kaffee gibt es nicht“, er besitzt, wohl typisch friesisch, keine Kaffeemaschine. Auch das kein Problem, schnell ist man mit ihm im Gespräch, fachsimpelt über die Großen und Kleinen, die Stars und Sternchen, die Vergangenheit und Gegenwart der Szene

Volltreffer

Als studierter Mathematiker begann Friese in einem Informatikunternehmen, gründete später eine kleine Firma und programmierte als Dienstleister für seine Auftraggeber. Völlig unabhängig davon werkelte er an einer eigenen Kartenspielidee. Diese sollte nach Testläufen im Freundeskreis marktreif gemacht werden. Gleich mit 700 Exemplaren schlug er mit seinem „Wucherer“, thematisch eine Satire um raffgierige Miethaie, auf den Essener Spieltagen 1992 auf und traf offenkundig den Nerv dieser Zeit, denn sowohl Händler als auch Kunden sprangen darauf an. Schnell folgten eine zweite und dritte Auflage mit jeweils 1.000 Stückzahlen: ein enormer Erfolg für ein Start-up in der Szene der 90er Jahre. Es waren vor allem Spielwarengeschäfte in typischen Studentenstädten, die orderten. Neben Bremen kamen bald Bestellungen aus Hamburg, Göttingen, Freiburg. Sein „Wucherer“ wurde in Studenten-WGs gezockt und 2F als Verlag für Spiele mit schrägen Themen zunehmend bekannter.
Nach der Veröffentlichung des ersten Spiels folgten weitere, allerdings brauchte es zehn Jahre zum Longseller „Funkenschlag“, einer komplexen Wirtschaftssimulation. Mittlerweile wurden davon 300.000 Exemplare weltweit verkauft und mit den Erweiterungen erreicht der Verlag eine Gesamtauflage von einer halben Millionen Spielen, die über den Ladentisch gegangen sind. Chapeau!


Spielend zum Erfolg

Auch sein Solitär-Kartenspiel „Freitag“ ist eine Erfolgsgeschichte. Robinson versucht auf seiner einsamen Insel zu überleben und schlussendlich die Piraten zu besiegen. Eine differenzierte Bewertung, damals recht neu, ermuntert den Solospieler immer wieder zum Kartenlegen, um erreichte Punktstände zu verbessern. Auch dieses Spiel hat eine verkaufte Stückzahl im sechsstelligen Bereich erreicht. Schmunzelnd berichtet Friese, dass er seinerzeit für dieses Spiel belächelt wurde. Redakteure aus etablierten Verlagen hielten ein Spiel für nur eine Person für nicht marktfähig. Heute freut sich Friese, dass er damals eine richtige Entscheidung getroffen hat. Gleichzeitig wurde ihm auch bewusst, dass es ein Vorteil ist, neben dem Entwickeln von Spielen diese auch selbst verlegen zu können – ohne Zwänge eines marktorientierten Unternehmens mit einem quengeligen Vertrieb. Einer Veröffentlichung kann nur die eigene Risikobereitschaft im Wege stehen. So hat Friedemann Friese in all den Jahren sein Ding gemacht und bisweilen erstaunliche Erfolge erzielt. Heute kann er gesichert sein Unternehmen führen. Nichtsdestotrotz arbeitet er als Autor auch mit Fremdverlagen. Spielideen von ihm sind unter anderem bei Kosmos, Queen Games, Pegasus und Huch! (dort das erfolgreiche „Fauna“) erschienen, keineswegs nur Zweitverwertungen alter 2F-Spiele, sondern durchaus eigenständige Neuentwicklungen.Seine im 2F Verlag erschienenen Spiele vertreibt Friese ausschließlich über Spiel direkt (siehe Kasten).

Sein Grün-Konzept zieht der leidenschaftliche Spieler Friedemann Friese konsequent durch.

Nicht ganz so grün wie sein Chef: Henning Kröpke

International gefragt

Mit der Geburt seiner beiden Kinder Anfang der 2010er Jahre musste Friese umstrukturieren. Als Vater wollte er sich mehr um den Nachwuchs kümmern und benötigte daher Unterstützung im Verlag. Mit Henning Kröpke hat er den idealen Partner gefunden, die Chemie zwischen den beiden stimmt. Und Kröpke ist nicht nur Tester und Redakteur neuer Spiele, er ist auch kompetente Kontaktperson bei Presseanfragen und Auslandskontakten. Diese sind so zielgerichtet, dass „Funkenschlag“ in der US-Version „Power Grid“ sogar bei den Nerds der TV-Sitcom „The Big Bang Theory“ zu sehen war. Überhaupt ist die Internationalität ein wichtiges Standbein für 2F. Etwa 70 Prozent der verkauften Stückzahlen werden im Ausland generiert. Mittlerweile sind Frieses Kinder aus dem Gröbsten heraus, und er hat, auch durch die Entlastung durch Henning Kröpke, mehr Zeit fürs Spieleerfinden, die er auch intensiv nutzt. So wurden in den vergangenen Jahren gleich mehrere Titel, durchaus schon Mal vier pro Jahr, veröffentlicht.

Immer im Trend

Friedemann Frieses Herangehensweise an seine Spiele-Entwicklung zeugt von seinen Macher-Qualitäten. Er ist Spieler durch und durch und testet viele Neuheiten. Daraus zieht er die Inspiration für eigene Ideen, allerdings ohne zu kopieren. Er variiert und entwickelt Trends weiter. Sein kürzlich veröffentlichtes „Fabelsaft“ beispielsweise ist ein Reflex auf den Trend der Legacy-Spiele. Bei seinem aktuellen „Fast Forward“-Konzept wird die Spielregel während des Spielens sukzessive erklärt. Die Neuheit „Feiner Sand“ ist ein Deck-Abbau-Spiel und ein Pendant zu den vielen Deck-Building-Spielen. Bei diesem Spiel entpuppt sich der Autor himself als gewiefter Zocker, der die Spielidee bei einer Probepartie ausreizte und neue Strategien erkundete. Das macht ihn sympathisch, weil der Spieler in ihm deutlich sichtbar wird.

Das Marketing macht‘s

Ganz spielerisch gibt sich Friese auch bei seinem Marketing-Konzept. Nicht nur die Schachteln und das 2F-Logo sind grün, er selbst hat sich seine Haare schon vor den spielerischen Anfängen grün gefärbt, und dies bis heute beibehalten. Auch trägt er ausschließlich grüne Kleidung, spielt stets mit den grünen Figuren und zieht sein „grünes Konzept“ konsequent durch. Den grünen Verlag findet man immer leicht, ob auf Messen, im Netz oder im Ladenlokal: Grün ist sein Corporate Identity. Eine ebensolche Bedeutung kommt dem Buchstaben F zu. Nicht nur als Doppel-F im Verlagsnamen, auch in den Spieletiteln wimmelt es nur vor Fs. Alle Friese-Spiele (bis auf das Erstlingswerk) beginnen mit diesem Buchstaben (zum Beispiel „Fatal“), wo möglich kommt er sogar zweimal („Fremde Federn“), gelegentlich dreimal („Fische Fluppen Frikadellen“) oder gar viermal („Fiese Freunde Fette Feten“) vor. Dies alles sind kluge Marketingüberlegungen, die seit 25 Jahren gepflegt werden. So hat 2F sogar den legendären Ruf der 3M-Spiele aus den 70er Jahren (an denen er sich bei der Namensfindung orientiert hatte) erreicht. Allerdings fehlt noch ein letzter Schritt, um bei 1A zu landen. Einen nennenswerten Spielepreis haben Autor und Verlag bisher nicht gewonnen. Das sei ihnen noch vergönnt.

Spiel direkt

Der Großhandel und Versender „Spiel direkt eG“ aus Dossenheim ist eine gemeinnützige Genossenschaft. Sie wurde von Friedemann Friese und anderen vor etwa zehn Jahren gegründet. Heute gehören etwa 50 Kleinverlage zum Portfolio. Nur hier können Einzelhändler exklusiv alle 2F-Spiele, alte wie neue, beziehen. „Spiel direkt“ ist ein idealer Dienstleister für den Handel. Es wird schnell und in kleinen Stückzahlen verschickt. Auch die Kleinverleger profitieren. Sie benötigen keinen eigenen Vertrieb. Eine klassische Win-Win-Situation.

Mit seinem Erstlingswerk „Wucherer“ hat Friedemann Friese in den 90er Jahren einen Volltreffer gelandet. In die Rolle von korrupten Politkern schlüpfen Spieler bei „Fremde Federn“

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