Family on Tour

Unterwegs mit Kind und Kegel

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Vor allem, wenn er ein Kind – oder zwei, oder drei – mit dabei hat. Joerg L. Meister berichtet aus eigener Erfahrung, was man alles braucht, wenn man mit Kind und Kegel für ein paar Tage oder ein paar Wochen unterwegs ist.

Fünf Kilo Kind, zehn Kilo Proviant und Pflegemittel, dreißig Kilo Accessoires. Das ist das gefühlte Verhältnis an Dingen, die man dabei hat, wenn man mit einem Säugling das Haus verlässt. Und dabei ist es irrelevant, ob man nur kurz zum Supermarkt um die Ecke geht oder eine längere Reise antritt.
Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, in der wir vorm Verlassen des Hauses wie die Wilden gepackt und das Ganze in mehreren Schüben durchs Treppenhaus vors Haus manövriert haben: Kind frisch
gewickelt und warm verpackt in die Kinderwagen-Babywanne, Windel-Necessaire aufgefüllt, Gläschen warm gemacht respektive Milch im Fläschchen auf Temperatur gebracht und ins Thermotäschchen gepackt (sofern Mama nicht mit Frischware dabei war), Wechselklamotte und Wetterumsturz-Alternativen in die prall gefüllte Wickeltasche gestopft, die auch noch Feuchttuchvorrat, Spielsachen und Spucktücher beherbergte – dann das Gestell des Wagens aus dem Keller geholt – bloß das Schloss nicht vergessen – und peu à peu vorm Haus montiert. Schon konnte es, bepackt wie die Mulis, losgehen. Schnuller nebst Box noch fix geholt -– und auch die Regenhaube für den Wagen. Sicher ist sicher.

Mit der Zeit entspannt sich das Ganze. Man stellt fest: Die meisten Drogeriemärkte haben Wickelstationen. Wolkenbrüche sind ein willkommener Grund, mal wieder ins Café zu gehen. Andere Eltern haben am Spielplatz zur Not auch was dabei – und so entsteht ein Geben und Nehmen.
Das Verhältnis Kind zu Proviant zu Accessoires ändert sich übrigens wider Erwarten nicht. Vielmehr wird alles schwerer und geräumiger. Mittlerweile ist unser Kind in einem Alter, wo es spannend wird, sich Wege selbst zu erschließen. Dennoch halten wir am Wagen fest für Spaziergänge. Schon allein aufgrund des Stauraums. Und es kommt gern vor, dass spontan die Beine nicht mehr laufen wollen. Also die des Kindes. Nach unseren wird eher selten gefragt. Die würden nämlich gern auch mal voran kommen, statt an jedem Kiesel und jeder Blüte Halt zu machen.
Das Laufrad wird wohl ebenfalls erst mal im Staufach des Wagens transportiert. Mit Rutschautos on tour haben wir gar nicht erst angefangen. Ein Bobbycar mit Schiebestange oder gar ein Dreirad trägt sich einfach recht unkomfortabel, sobald das Kind die Lust zu fahren verliert. Dennoch gehört es zum Hausstand. Bei anderen Eltern hält derweil gerade, aufgrund von Kind Nummer zwei, das Anbau-Buggyboard Einzug. Klar – der Kinderwagenkorb ist ja schon voll mit Babysachen. Und Sandspielzeug. Und dem Kuscheltier, das auch unbedingt nach draußen wollte.

Die richtige Technik macht‘s

Manchmal denke ich mir, wenn wir so Tippelschritt für Tippelschritt durch die Straßen schildkröten: „Ich verrate niemandem, dass das bei weitem nicht unser ganzer Spielwarenvorrat ist, mit dem wir hier durch die Lande ziehen“ und ertappe mich bei der Idee, nun doch langsam auf einen Bollerwagen umzustellen. Der fasst Kind, Gedöns und Proviant. Und obendrein den Roller, der müde ist vom Fahren.
Lustig wird’s, wenn das Auto beladen wird, um einen größeren Ausflug zu machen. Vielleicht sogar mehrtägig. Immer wieder erinnert mich das Packen an die alte Hoffnung, die ich beim Tetris-Spiel hatte, dass doch endlich der passende Stein für die Lücken kommt, und dann ein paar Reihen wegfallen. Nun haben wir nicht das größte Auto. Doch irgendwie gelingt es mit Presspassung und ausgefuchster Stapeltechnik immer, alles mitzunehmen. Mit größerem Auto – das zeigen mir befreundete Familien – sieht es jedoch nicht anders aus. Scheinbar steigt der Bedarf an Dingen, die mit auf die Reise müssen, direkt proportional zum verfügbaren Platz. Der Zugewinn an Volumen wird dann mit Sterilisatoren, Essensbereitern, Nasensekretsaugpumpen und Babywasser aufgefüllt.

Was muss mit

Je nach Reiseziel – Oma, Hotel oder befreundete Paare mit Kindern – ist die Zusammensetzung des Familiengepäcks unterschiedlich. Spielsachen bleiben nach Möglichkeit zu Hause, wenn am Zielort auch Kinder sind. Dort gibt es dann spannende neue Sachen zu entdecken. Auf dem Weg zu Oma bleibt das das Reisebett zu Hause – eine Kofferraumlücke, die fix mit dem spielwarengefüllten Trunki gestopft wird. Außerdem müssen weniger Klamotten mit, da dort ja gewaschen werden kann. So passt auch noch die Kraxe ins Auto. Für den Tagestrip kann das eine gute Alternative sein, für häufiges Auf- und Absetzen ist dieses Transportmittel aber nicht zu empfehlen, da es einiges an Kraft und Überzeugungsarbeit kostet, es immer wieder neu mit dem Kind zu beladen.

Abheben mit Kindern

Die größte Challenge allerdings beim Verreisen mit Kindern ist das Flugreisen. Womöglich noch mit Mietwagen nebst Kindersitzen am Zielort. Gut also, dass es neuerdings zahlreiche Buggys in Handgepäck-Format gibt, die sich ganz einfach mit wenigen Handgriffen zusammenklappen beziehungsweise auseinanderbauen lassen. Und dass Airlines Familien mit Kleinkindern Priority Boarding zugestehen und somit die Fächer über den Sitzen noch frei sind. Kinderwagen können bis zum Einstieg ins Flugzeug mitgenommen werden, bevor sie dann im Gepäckraum verladen und direkt nach der Landung wieder ausgehändigt werden. Dennoch ist das Boarden kein Kinderspiel: Die engen Flure sind mit Kind, Buggy, Reiseproviant, Entertainment-Material und dem üblichen Kleinkram, den man eben auch selbst braucht, kein Spaß. Denn natürlich muss man darauf achten, alles stets greifbar zu haben, was die Laune des Reisenachwuchses im annehmbaren Pegel hält.
Einige große Fluglinien stellen Familien auf Langstreckenflügen an Bord spezielle Babybettchen zur Verfügung, leider sind diese aber oft nur begrenzt verfügbar. Es lohnt sich also im Vorfeld zu eruieren, ob an Bord Platz für eine mitgebrachte Babywanne ist, in der das Kind schlafen kann. Und sollten im allgemeinen Reisetrubel doch mal unentbehrliche Utensilien zu Hause vergessen worden sein, so haben Fluggesellschaften an Bord oft eine Babybox mit Ersatzwindeln, Babyfläschchen, Babynahrung und vielem mehr. Es ist also durchaus sinnvoll, bei der Urlaubsplanung die Bezugsquellen für Babyartikel im Umfeld zu recherchieren. Das erspart unter Umständen weitere – meist teure – Gepäckstücke.
Wie sehr freue ich mich auf die Zeit, in der reisewillige Nachwuchs freiwillig alleine läuft und seine Sachen selbst transportiert. Doch ich fürchte, das dauert noch ein wenig – wenn es überhaupt je eintritt.
Gute Reise!
Joerg L. Meister

Wie schön, wenn der Nachwuchs sich selbst um sein Reisegepäck kümmert

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