Geschenkeflut

Ist weniger mehr?

Ob Ostern, Nikolaus, Weihnachten oder Geburtstag, ob Onkel, Tanten, Omas, Opas, Paten oder Freunde, jeder will schenken. Leider führt das oft dazu, dass Kinder zu diesen Gelegenheiten mit Geschenken überhäuft und dadurch auch schlicht überfordert werden. Denn Masse ist nicht gleich Klasse.

Bild: 123RF/amarosy

Wirklich schwierig sind manchmal Geburtstage, da diese oft mehrmals gefeiert werden. Am Tag selbst mit Eltern, Geschwistern und Geschenken schon zum Frühstück, mit den Verwandten vielleicht dann am Wochenende, wenn alle Zeit haben und – besonders wichtig – der Kindergeburtstag mit Freunden und/oder Kindern, die aus den verschiedensten Gründen eingeladen werden müssen. Aber Vorsicht: Schnell kann die Zahl der Gäste das Limit übersteigen, sowohl Kinder als auch Erwachsene sind mit der Situation überfordert und die Feier endet unter Umständen im Chaos. Es sollte daher lange vorher überlegt werden, wie und inbesondere wo gefeiert werden soll – etwas individueller und kostspieliger im Erlebnispark, auf der Kart-Bahn, in der Boulder-Halle, im Kino oder im Schwimmbad beispielsweise oder ganz einfach zu Hause. Da wollen die Kinder aber auch angemessen unterhalten und beschäftigt werden, mit Angeboten, die ihrem Alter entsprechen. Gut kommen zum Beispiel Seidenmalen mit anschließendem Rahmen, Bedrucken von T-Shirts oder Bastelpackungen zum Bau von Fluggeräten, die man auch gleich ausprobieren kann, an.

Nachdem die organisatorischen Fragen alle geklärt sind, stellt sich noch die Frage nach den Gastgeschenken, denn die kleinen Gäste bringen nicht nur Geschenke mit, sie werden auch beschenkt. Leider oft in einer Form und Größenordnung, die den Unterschied vom Schenkenden zum Beschenkten kaum erkennen lassen.
Wenn das Geburtstagskind Wünsche äußern kann, ist es relativ einfach, ein Geschenk zu finden. Dann kann es allerdings aber schon mal vorkommen, dass diese Geschenke nicht unbedingt in die Erziehungs-Philosophie der Eltern passen.

Viele Anlässe, viele Geschenke

Deutlich einfacher gestalten sich da die im Jahreskreislauf verankerten Feste und Feiern wie Ostern, Weihnachten, Halloween oder Valentinstag. Auch der Besuch der Zahn-Fee, der erste Kita- oder Schultag und viele kleinere und größere Anlässe werden gerne mit Geschenken zelebriert. Nicht zu vergessen, die Spielsachen, die beim Einkauf im Supermarkt so ganz nebenbei im Einkaufswagen landen. Und sogar vom Zahnarzt oder Friseur bringen Kinder kleinere Spielsachen mit nach Hause. Wen wundert es da, dass das Kinderbett von Kuscheltieren überladen ist, die Schränke voll mit Spielsachen sind. Und wenn man diese Spielzeugflut kritisch betrachtet, muss man häufig feststellen: mehr Masse, als Klasse.
Mit zunehmendem Alter werden die Geschenke dann technischer, elektronischer und spezieller. Die medialen Angebote sind kaum noch zu überblicken und Kinder äußern ganz deutlich ihre Wünsche, Modelle und Marken betreffend. Das schürt auch das Konkurrenzdenken unter den Kindern – wer hat das bessere, teurere oder ausgefallenere Spielzeug.

Aufklärung ist unabdingbar

Doch mit wieviel und welchem Spielzeug soll oder darf ein Kind nun spielen? Vor allem kommt es darauf an, dass Eltern ihre Kinder bei der Auswahl beraten und sie nicht dem riesigen Angebot, das in der Werbung kommuniziert und in den Kaufhäusern angeboten wird, aussetzen, um sie dann, nach Abwägung der eigenen Erziehungsvorstellungen und -werte einerseits und den Besitz- und Spielwünschen der Kinder andererseits selbst entscheiden zu lassen.
Eltern müssen ihren Kindern aufzeigen, dass Spielzeug nicht als Wegwerfprodukt zu sehen ist, sondern als etwas, zu dem man eine persönliche Bindung aufbauen, das man lieben, pflegen und bewahren kann. Bei Spielzeug, das zahlreiche Erweiterungs- und Ausbaumöglichkeiten anbietet, Konstruktions- oder Baumaterial beispielsweise, können sich Verwandte und Freunde vor dem Kauf absprechen, sich zusammentun und gemeinsam schenken. So kann auch ein Wunsch erfüllt werden, der das Budget überschreiten würde.
Sicher ist, der freie Markt braucht den aufgeklärten Konsumenten. Mit seinen Ratgebern bietet der spiel gut-Arbeitsausschuss allen Eltern und Erziehern, die daran interessiert sind, Hilfe, ihr Wissen über Spiel und Spielzeug zu ergänzen und zu vertiefen. Auszeichnungen der im Handel erhältlichen Spielsachen sollen hier bei der Auswahl von Spielzeug beraten und unterstützen.
Regina Witte

Regina Witte ist Leiterin der Kindertagesstätte St. Christophorus in Weißenhorn und im Vorstand des Arbeitsausschusses spiel gut

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