Innovative Marketingtools

Blogger auf Weltreise

Unternehmer sind immer wieder in der Pflicht, ihre Produkte mit neuen Impulsen zu vermarkten. Zu einem innovativen Marketingtool zählt die Kooperation mit Bloggern, die längst zu Influencern in der Elternschaft avanciert sind. Doch wie ticken eigentlich die Blogger? Was ist ihnen wichtig und mit welchen Unternehmen möchten sie zusammenarbeiten? Anya Biberthaler hat sich mit einem Blogger auf Weltreise unterhalten.

Bild: Stefan Leichsenring

Seit Dezember 2016 ist die fünfköpfige Familie Leichsenring auf Weltreise. Auf www.familieaufweltreise.de erzählen sie von ihren Abenteuern und teilen ihre Erfahrungen. Die Leichsenrings sind Teil einer wachsenden Community deutscher Familien, die ihrer Heimat den Rücken gekehrt und sich einem 08/15-Leben entzogen haben. Leben als Reise. Mit Ziel aber ohne Heimkehr. Vorerst jedenfalls. Zum Zeitpunkt des Gesprächs machen Stefan und Katrin mit ihren Kindern Julien, Marie und Mathilda gerade Station in Hemsedal, einem Dorf im norwegischen Gebirge.

Stefan, ihr habt drei Kinder im Alter von zehn, acht und sechs Jahren. Müssen sie denn nicht in die Schule?
Wir haben keinen festen Wohnsitz mehr in Deutschland, daher sind die Kinder von der Schulpflicht befreit. Wir setzen uns mit ihnen hin und studieren die Basics, also lesen, schreiben, rechnen. Das funktioniert auch, schließlich wollen Kinder immer lernen. Und bei uns lernen sie, nur eben anders als in der Schule.

Habt ihr Kontakt zu anderen Weltreise- Familien?
Ja, es gibt eine riesige Community von Familien, die sich auf Weltreise befinden. Im Winter treffen sich viele von uns in Thailand, das Buritara Wintercamp ist für viele Familien aber auch der Startpunkt ihrer Weltreise und eine Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Für uns ist es sehr wichtig, andere Familien zu treffen, denn die Kinder wollen nicht 24 Stunden nur ihre Eltern um sich haben, sondern auch mal mit anderen Kindern spielen. Also treffen wir uns auch auf der Reise immer wieder mit Familien, damit sich die Kinder austauschen können.

Ihr testet für Amazon Spielzeug und empfehlt Bücher. Könnt ihr von dieser Kooperation leben?
Nein, unsere Einnahmen aus dem Amazon Affiliate Programm sind ein Witz, damit verdienen wir 60 bis 80 Euro pro Monat. Es gibt aber andere Familien, die dieses Programm professioneller betreiben und damit auf etwa 400 Euro im Monat kommen. Das ist schon richtig gut. Aber es reicht natürlich auch nicht, um eine fünfköpfige Familie um die Welt reisen zu lassen. Wir verstehen das einfach als Service an unsere Leser, weil uns so viele Leute immer fragen, mit was unsere Kinder spielen und welche Rucksäcke wir benutzen.

Ist eure Zusammenarbeit mit dem Ferienhausvermittler Casamundo dann eine bessere Einnahmequelle?
Ziel dieser Zusammenarbeit ist, dass wir mittels unserer großen Reichweite in den Social Media-Kanälen den Instagram
Account von Casamundo erweitern wollen. Wir reisen für Casamundo ein halbes Jahr lang durch Europa und testen insgesamt 15 Ferienhäuser. Auf unseren YouTube-Videos stellen wir die Objekte vor und erzählen, was man in den jeweiligen Regionen als Familie unternehmen kann. Im Moment sind wir in Skandinavien und reisen dann weiter nach Portugal. Für uns ist das eine ganz tolle Kooperation, weil es natürlich die Reisekasse füllt und eine neue Erfahrung, weil wir tatsächlich jede Woche wissen, wo wir übernachten.

Habt ihr noch andere Sponsoren?
BMW hat uns für ein halbes Jahr ein nigelnagelneues Auto zur Verfügung gestellt, damit wir in Europa mobil sind. Diese Koop sind wir proaktiv angegangen und haben ungefähr 20 Autohersteller angeschrieben. Zwei haben geantwortet, mit BMW hat es am Ende geklappt.

Wie integriert ihr denn nun konkret die Sponsoren in euren Internetauftritt?
In den YouTube-Videos und im Instagram-Profil, also unseren zwei reichweitenstärksten Social Media-Kanälen, tauchen unsere Sponsoren immer auf.

Was müssen Sponsoren mitbringen?
Wir streben langfristige und strategische Partnerschaften an, die unser Reisebudget erleichtern und zu uns passen. Für unsere Reise nach Afrika, die nächstes Jahr auf dem Programm steht, planen wir eine Koop mit einem Tourismusverband. Seit einem halben Jahr verhandle ich zudem mit Netflix. Sie haben Interesse signalisiert, unser Leben als Dokumentation zu verfilmen.

Könntest du dir noch andere Werbepartner vorstellen?
Wir sind in der komfortablen Situation, dass wir uns eigentlich auch alles selber kaufen können. Ich bin von keinem Sponsor abhängig. Wir bekommen alle möglichen Angebote. Neulich schrieb uns eine Agentur an und fragte, ob wir nicht eine Puppe von ihrem Kunden bewerben wollen. Nun spielen unsere Kinder einfach nicht mit dieser Art von Puppen und darum haben wir das Angebot abgelehnt. Außerdem möchten wir so wenig offizielle Werbung wie möglich machen. Es geht uns weniger um die Frage, wie viel Geld wir damit verdienen würden als um die Frage, wie gut das Produkt tatsächlich zu uns passt. Wir wollen unbedingt authentisch bleiben und daher müssen die Sponsoren natürlich zu uns passen.

Wie viele Leser hat euer Blog?
Unser Blog ist noch nicht so stark frequentiert. Wir haben 20.000 Leser im Monat. Auf YouTube haben wir 5.000 Abonnenten und unsere Videos erzielen 3.000 bis 4.000 Klicks. Wir haben bei Null angefangen, haben auch keine gekauften Follower und es steckt viel Arbeit dahinter.

Für Casamundo testen die Leichsenrings ein halbes Jahr lang Ferienhäuser in Europa. Im Bild ein Zirkuswagen in den Niederlanden

Hast du ein Problem damit, das Leben deiner Familie zu vermarkten?
Nein, wir haben uns bewusst entschieden, andere Leute an unserer Reise teilhaben zu lassen. Klar, das Thema Privatsphäre der Kinder ist präsent, aber wir lassen uns von den Ängsten anderer generell nicht treiben. Wir bestimmen ja selber was wir hochladen, welche Bilder wir zeigen, was wir erzählen. Natürlich gibt es dabei Grenzen und Dinge, die wir niemals zeigen würden.

Kommt ihr irgendwann zurück nach Deutschland?
Im Moment zieht uns nichts nach Deutschland, auch wenn wir dort noch ein Haus haben, das wir im Moment vermieten. Wir sind jedoch realistisch genug, um zu wissen, dass die Reise zeitlich begrenzt ist. Für unsere Kinder werden Freunde immer wichtiger und das wird in der Pubertät erst richtig aktuell. Ich gehe davon aus, dass wir noch zwei weitere Jahre die Welt bereisen und uns dann irgendwo eine Base suchen.

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