Natürlich stillen

... ist gut fürs Kind

Stillen? Natürlich! Aber wie lange eigentlich? Darüber sind sich laut einer aktuellen Lansinoh-Umfrage viele Mütter nicht im Klaren.

Zahlreiche Studien bestätigen: Stillen ist gut für das Kind, begünstigt eine optimale Gehirnentwicklung und fördert die Mutter-Kind-Bindung. Dennoch scheint es in Deutschland einige Wissenslücken zu geben, wie eine Umfrage von Lansinoh zeigt. Bei dieser wurden 12.087 Frauen aus neun Ländern befragt  – 1.002 Frauen davon aus Deutschland.

Die Mehrheit der Frauen schätzt die Stilldauer kürzer ein, als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Die ideale Zeit beträgt laut WHO und Nationaler Stillkommission sechs Monate, danach ist eine Fortführung des Stillens mit Beikost sogar über den 24. Lebensmonat hinaus sinnvoll. Jedoch sehen acht Prozent der deutschen Frauen die ideale Dauer im Alter von null bis drei Monaten, 38,6 Prozent gaben an, dass das Baby in der Zeit zwischen drei und sechs Monaten gestillt werden sollte. Die tatsächliche Stillzeit sieht wiederum anders aus, denn 23,3 Prozent der Frauen stillen maximal drei Monate lang, 36,4 Prozent kommen auf bis zu sechs Monate. Die Gründe für eine verkürzte Dauer sind vielfältig – von Wissensdefiziten über Sorgen bis hin zu Herausforderungen beim Stillen werden verschiedene Gründe aufgeführt. Als häufigste Erklärung (22,6 Prozent) gaben die Frauen allerdings eine unzureichende Milchbildung an. In einem sind sich aber die meisten einig: Über 90 Prozent der Mütter gaben an, dass Stillen die beste Möglichkeit ist, ein Baby zu ernähren. Wie wichtig dabei eine gute Aufklärung zum Thema ist, erklärt Kerstin Feuß im Interview mit Dr. Miriam Sonnet.

www.lansinoh.de

Frau Feuß, die Stillumfrage von Lansinoh zeigt, dass viele Mütter Wissenslücken zum Thema Stillen haben und die optimale Stilldauer als zu kurz einschätzen. Was meinen Sie, woran das liegt? Brauchen wir mehr Aufklärung?

Die Entscheidung einer Mutter, kurz oder gar nicht zu stillen, ist ganz individuell und kann ein großes Spektrum an Gründen haben. Dennoch denke ich, dass die Initialzündung für das Stillen in den ersten Tagen nach der Geburt liegt: Wird die frisch gebackene Mutter von stillfreundlichen Hebammen und Krankenschwestern begleitet, die sie in ihrem Wunsch zu stillen unterstützen und ihr zum Beispiel Tipps und Kniffe beim Anlegen zeigen, ist schon unglaublich viel erreicht. Später ist es dann wichtig, dass die Mutter in schwierigen Momenten (schmerzende Brustwarzen, unruhige Nächte usw.) am Ball bleibt und sich immer wieder vor Augen führt, wie wertvoll das Stillen für ihr Baby ist. Auch hier ist es wichtig, dass die Mutter offen für Unterstützung von „außen“ bleibt und sie diese im Umkehrschluss aber auch bekommt.

Hat sich in den letzten Jahren eine Tendenz pro oder eher Kontra Stillen herauskristallisiert?

Familien sind heute generell viel aufgeklärter, was einen gesunden Lebensstil und eine gute Ernährung anbelangt. Dazu gehört auch das Stillen – es gibt wirklich kein besseres „Superfood“ als Muttermilch. Aber: Die Tendenz, dass Mütter heutzutage häufiger und früher in ihren Job zurückkehren, bringt oftmals leider mit sich, dass früher abgestillt wird.

Viele Mütter fühlen sich schuldig, wenn sie nicht stillen. In Deutschland ist das „schlechte Gewissen“ dabei nicht so stark ausgeprägt, wie in anderen Ländern. Was könnten Gründe dafür sein?

Ich empfinde Deutschland als ein tolerantes und offenes Land. Frauen gehen selbstbewusst ihren Weg und treffen auch beim Stillen ihre eigenen Entscheidungen. Der gesellschaftliche Druck in Deutschland ist vielleicht geringer als anderswo. Ich finde es aber trotzdem immens wichtig, dass Hebammen, Familie und Freunde eine stillende Mutter in ihrer Entscheidung unterstützen – ohne dabei Druck aufzubauen.

Viele Mütter sehen Stillen in der Öffentlichkeit mittlerweile als natürlich an, dennoch empfinden es viele immer noch als Herausforderung. Wie kann man die Mütter hier besser unterstützen?

Die Mama einfach machen lassen! Je natürlicher mit dem Stillen von allen Seiten umgegangen wird, desto besser!

Wie können Ängste im Vorfeld, etwa dass das Baby die Brust nicht annimmt oder die Angst vor Schmerzen, gelindert werden?

Mich als Zwillingsmutter haben in der Anfangszeit besonders die „gutgemeinten Ratschläge“ verbunden mit Ammenmärchen geärgert. Zu allem gibt es scheinbar eine Geschichte, die am Ende böse ausgeht. Ich persönlich habe dann immer auf Durchzug geschaltet und auf meine Intuition und meine Hebamme vertraut und beide Kinder ein Jahr lang gestillt. Und nicht immer war es einfach – ist doch klar. Wir von Lansinoh setzen uns beispielsweise mit einer kostenlosen Hebammen-Stillsprechstunde auf Facebook dafür ein, mit Ammenmärchen aufzuräumen. Außerdem findet die junge Mutter – ganz einfach von Zuhause aus – eine Stelle, an der sie all ihre Fragen stellen, Ängste teilen und wertvolle Tipps erhalten kann. Das gab es zu meiner Stillzeit leider noch nicht. 

 

Zur Übersicht "Ratgeber & Guide"