Pucken

Ja oder nein?

Viele Eltern und Hebammen setzen heute noch auf das klassische Pucken, bei dem das Baby eng in ein Tuch gewickelt wird. Welche Nachteile das allerdings für die Entwicklung des Kindes haben kann, erklärt Dr. Tamara Seidl, Oberärztin der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie sowie Fachärztin für Orthopädie und Kinderorthopädie am Franziskus Hospital Bielefeld im Interview mit Dr. Miriam Sonnet.

Frau Dr. Seidl, wie funktioniert eigentlich das klassische Pucken? Und kann es für das Kind gefährlich werden?

Beim klassischen Pucken wird das Kind mit eng anliegenden Armen und gestreckten Beinen in ein Tuch gewickelt. Das Problem dabei: Durch die Streckstellung erfolgt eine kleine Anspreizung der Beine. Das kann dazu führen, dass es durch Scherkräfte zu einer Wachstumsstörung im Bereich der Wachstumsfuge der Hüftpfanne kommt. Diese Störung hat einen Wachstumsstillstand im Bereich der Pfanne zur Folge, der Hüftkopf wächst jedoch weiter. Das erzeugt ein Ungleichgewicht und kann langfristig zu einer Hüftdysplasie führen. Aus orthopädischer Sicht bringt das klassische Pucken also definitiv einen Nachteil.

Gibt es Studien, die das belegen? 

Ja, die gibt es. Zum Beispiel zeigten Dogruel und Kollegen im Jahr 2008, dass das klassische Pucken in der Türkei ein Hauptrisikofaktor für die Erstdiagnose von Hüftdysplasien ist. Bei etwa 21 Prozent der Fälle kommt es durch diese Methode zu einer solchen Diagnose. Dagegen sind andere Risikofaktoren wie eine Veranlagung in der Familie oder eine Geburt aus Beckenendlage eher untergeordnete Risikofaktoren. Eine weitere Untersuchung zeigte, dass Pucken, neben der Geburt aus Schädellage, der einzige Risikofaktor für eine verspätete Diagnose einer Hüftdislokation ist. Hüftdislokation bedeutet, dass das Gelenk ausgerenkt ist.

 Gibt es auch Vorteile des Puckens? Und was sind die Alternativen zum klassischen Pucken?

Laut Hebammen beruhigt die enge Wickelung Schreikinder. Ob das allerdings in Studien belegt ist, kann ich leider nicht beantworten. Alternative zum klassischen Pucken ist die Verwendung von Pucksäcken. Diese sind zwar oben an den Armen relativ eng, bieten aber am Unterkörper viel Platz, da sie mit einem großen ballonartigen Sack abschließen. Die Babys können somit ihre Beine frei bewegen und eine leicht gebeugte Froschhaltung einnehmen. Das stellt die beste Position für die Hüftreifung dar.  

Findet das klassische Pucken heutzutage überhaupt noch statt?

Ja, definitiv. Es gab eine Zeit, in der klassisches Pucken eher „out“ war; lange Zeit war die Empfehlung, das Kind breit zu wickeln. In den letzten Jahren ist das klassische Pucken aber wieder zum Trend geworden. Da aber die Orthopäden davon abraten, sind Pucksäcke zunehmend in den Vordergrund getreten. Dennoch wird die klassische Puckmethode häufig leider immer noch angewendet. Umso wichtiger also, dass Eltern darüber aufgeklärt werden!

Gut eingewickelt

Was neumodisch klingt, ist eine jahrhundertealte Technik und hat in den verschiedensten Kulturen eine feste Tradition: das Pucken. Als Hebamme weiß Jasmin Kraftzig schon lange um seine Vorteile und gibt diesen Tipp auch in der Wochenbettbetreuung weiter. Das Pucken simuliert die Enge des Mutterleibs durch das Einwickeln der Arme des Neugeborenen – für mehr Geborgenheit und einen gesünderen Schlaf. Das heutige Pucken ist eine Abwandlung der historischen Wickelmethoden, wie sie in verschiedenen Kulturen angewendet wurden. Wichtig ist, dass sich das ausgewählte Material bei jeder Bewegung mitdehnt und hilft, die Körpertemperatur des Kindes zu regulieren. 

Wenn Jasmin Kraftzig Eltern im Rahmen der Wochenbettbetreuung besucht, hört sie häufig, dass die Kinder unruhig sind, sich durch schreckhafte Bewegungen selbst aufwecken oder nur mit Körperkontakt schlafen. Diese Eltern sind dann froh über jede Minute, die ihr Baby schläft. Pucken verhindert diese schreckhafte Bewegungen des Kindes (den sogenannten Moro-Reflex) – gepuckte Babys schaffen daher leichter den Übergang in die Traumschlafphase (REM-Phase), sie schlafen ruhiger und länger – und ermöglichen so auch den Eltern einen erholsameren Schlaf oder eine kleine Auszeit am Tag.

Studien zeigten zudem, dass korrekt gepuckte Babys sicherer schlafen, weil sie eher in Rückenlage bleiben und sich nicht in Decken verheddern können. Das hilft, CO2-Nester zu vermeiden, die als Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod gelten. 

Eine Alternative zum klassischen Pucken bieten Pucksäcke. Ein Beispiel ist der
Ergobaby Puck-Mich-Sack, der leicht und sicher in der Anwendung ist. Er hat Ärmel, die das Anziehen erleichtern und die Arme in der fetalen Position „Hände am Herzen“ halten – das Baby fühlt sich damit so geborgen wie im Mutterleib. Jasmin Kraftzig ist auch von der ergonomischen Form des Puck-Mich-Sacks überzeugt: Durch diese unterstützt er die Anhock-Spreiz-Haltung der Beine und somit eine gesunde Hüftreifung des Säuglings. 

 

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