Das Spiel

mit den Lizenzen

Gesellschaftsspiele werden gerne mit Lizenz-Themen aufgeladen: Roman-, Film- oder Comic-Figuren tummeln sich auf Würfeln oder Karten. Mittlerweile sind diese Spiele äußerst originär und nicht mehr wie früher thematisch neu verwurstelte Klassiker.

Buchverspielungen

Bei Kosmos gab es sehr erfolgreiche Spiele zu den noch erfolgreicheren Romanen von Ken Follett: „Die Säulen der Erde“ und „Die Tore der Welt“. Die in diesen Romanen beschriebenen Freuden und Leiden um die Kathedrale im fiktiven Kingsbridge sind jetzt im 16. Jahrhundert angelangt. Das Fundament der Ewigkeit erscheint Mitte September als Buch bei Bastei Lübbe und erstmalig gleichzeitig auch als Brettspiel bei Kosmos. Buch und Spiel haben einen gemeinsamen Auftritt. Dabei schafft es das Brettspiel, einen elementaren Plot des Romans ins Spielgeschehen zu transportieren. Religionskämpfe sind angesagt und die Spieler wechseln während des Spiels immer wieder ihre Zugehörigkeit. Es ist wichtig, sein Fähnlein nach dem Wind zu drehen, denn wer bei Konflikten zur falschen Konfession gehört, erleidet harsche Einbußen.
Sebastian Fitzek ist ein angesagter Autor der gehobenen Spannung, der seine Romane bei Droemer verlegt. moses. hat nun zum gesamten Oeuvre des Autors ein kooperatives Spiel am Markt, das die Spannung der Bücher auf den heimischen Tisch holt. In Fitzek – Safehouse sind die Spieler Zeugen eines Verbrechens. Der Täter hat die Gemeinschaft beobachtet und nimmt die Verfolgung auf. Alle müssen rechtzeitig in Sicherheit, um das Spiel zu gewinnen. Mit geschicktem Kartenmanagement kann das gelingen. Es wird in einem Buch (sehr passend!) gespielt. Mehrere Seiten müssen umgeblättert und durchlaufen werden. Am Ende ploppt das Ziel, das Safehouse, in 3D-Optik auf. Das ist ein schöner Gimmick.
Der Altmeister des Horrors ist Howard Phillip Lovecraft. In der jüngeren Vergangenheit gab es häufiger Spiele zum Gesamtwerk. Jetzt ist zu seinem wohl eindringlichsten Roman Berge des Wahnsinns, verlegt bei Suhrkamp, ein Brettspiel bei Iello erschienen. Nach einem Flugzeugabsturz müssen die Spieler gemeinsam ein Plateau erreichen. Das funktioniert nur durch schnelles und präzises Handeln. Dummerweise verfallen einzelne Spieler nach und nach dem Wahnsinn und verhalten sich gar nicht mehr kooperativ. Das erschwert zunehmend die Aufgabe, zum rettenden Hochplateau zu gelangen.
„Das Lied von Eis und Feuer“ oder „The Game of Thrones“ ist der angesagte Fantasy-Zyklus der letzten Jahre und erscheint bei Penhaligon. Seit der genialen Serienverfilmung ist das interessierte Publikum noch gewachsen. Etliche Spiele sind zur Vorlage erschienen. Ganz neu ist das kleine aber äußerst tückische Game of Thrones – Hand des Königs von Fantasy Flight. Hier wird mit wenigen Karten das intrigante Spiel des Einflüsterers Varys nachgestellt, der Beziehung zu allen großen Häusern der Fantasywelt Westeros pflegt. Ihn bewegt jeder der Spieler, um die eigenen Ziele zu verfolgen. Mit wenigen Mitteln konnte hier ein wichtiger Erzählstrang der Romane spielerisch eingefangen werden. Die Figuren sind in einem harten Comic-Stil gezeichnet, was passend zum Ränkespiel der Protagonisten passt.
Auch Catan verbandelt sich mit Westeros. Catan – A Game of Thrones bei Kosmos spielt an der großen Mauer. Jeder baut in der Schänkung, dem Gebiet diesseits der Mauer, seine Dörfer und Wege auf, während die Bedrohung jenseits der Mauer, die Wildlinge, gemeinsam abgewehrt werden müssen. Auch hier ist ein Erzähl-Plot der Romanvorlage gelungen in ein bekanntes Spielsystem integriert worden. Die schönen 3D-Figuren reizen zusätzlich.

Comicverspielungen

Etliche Blockbuster der vergangenen Jahre beruhen auf Comic-Geschichten des Marvel- beziehungsweise DC-Universums. Durch den Erfolg sind viele dieser Vigilanten in aller Munde und taugen dazu, verspielt zu werden. Bei den DC-Helden Batman, Superman, Green Lantern und Flash gibt es einen interessanten Zugriff. In kleinen Boxen, den Justice League Hero Dice bei Asmodee, steckt jeweils die Ausrüstung für einen dieser Helden. Mit Karten und Würfeln geht’s ans Werk. Die bösen Gegenspieler müssen besiegt werden. Dabei raufen sich zwei oder mehrere Helden zusammen, die mit ihren unterschiedlichen Würfelfähigkeiten den Schurken trotzen. Sehr vielversprechend ist, dass die Würfelregeln den Charakter-Fertigkeiten angepasst sind. So kann Flash, wenn er einen guten Würfellauf hat, blitzschnell durch die Reihen der Feinde hetzen. Das schafft Identifizierung. In Kooperation wird der Feind besiegt. Gestaffelte Ergebnisse zeigen, wie geschickt man ist.
Im Marvel-Kosmos mischen die Avengers die Gegnerschaft auf. Bei Top Trumps Match von Winning Moves muss aus einem Pool von 15 Helden ein beliebiger so in einer Matrix arrangiert werden, dass fünfmal derselbe Held in einer Würfelreihe zu sehen ist. Aus dem 3D-Aufbau wird ein Würfel herausgeschubst und darf vom Gegenüber auf seiner Matrixseite neu eingesetzt werden, um die geforderte 5er-Reihe zu bilden. Nur mit Glück fallen die Würfel so, dass man sie gut nutzen kann. Und wenn jemand vermeintlich gewonnen hat, kann man ihm den Sieg mit einer zugelosten Charakterkarte noch streitig machen. Das alles hat weniger mit Comic-Kämpfen zu tun. Dafür sind die Protagonisten massenweise vertreten.
Eine der erfolgreichsten Comic-Figuren aller Zeiten heißt Asterix. Jetzt im Oktober wird sein 37. Abenteuer „Asterix in Italien“, ein Wettrennen durch den Apennin, verlegt. Millionenfach werden die Alben international verkauft. So hat sich eine erquickliche Spielerange bei unterschiedlichen Herstellern um den kleinen Gallier geschart, die Witz und Charme der Helden einfangen. In Asterix & Obelix – Das große Abenteuer von Pegasus ist das Geschehen nach Frankreich verlagert. Beim Sammeln wertvoller Utensilien kommt es zu den unerlässlichen Begegnungen mit Römern und Piraten. Würfel mit den Protagonisten müssen geschickt herausgelegt werden, um erfolgreich einzuheimsen oder plattzumachen. Viel Gallier-Charme wurde hier verspielt.

Filmverspielungen

Natürlich ist auch die TV-Serie zu The Game of Thrones (GoT) begehrt bei Lizenznehmern, auch im Spielbereich. Hier darf mit Original-Bildmaterial der Serie gespielt werden. Die bekannten Charaktere finden sich wie vom Bildschirm gewohnt im Spielmaterial wieder, die Identifizierung ist gleich größer. Winning Moves hat nicht nur diese Rechte erworben, WM ist auch so mit Hasbro verbandelt, dass dort die Klassiker „Monopoly“, „Cluedo“ und „Risiko“ mit Lizenzen verknüpft verlegt werden. Auf schwarzen Schachteln steht lediglich in Großbuchstaben der Spieleklassiker wie der Bezug zur Filmlizenz. Das schafft Aufmerksamkeit. Bei Monopoly sind die Bezüge vage. Lediglich das Spielen mit dem eisernen Thron oder dem Drachenei als Setzfiguren aus Metall lässt das Sammlerherz höher schlagen. In Cluedo gibt es noch weniger inhaltliche Bezüge. Die dort verwendeten Tatwaffen sind aber alle dem Westeros-Sujet entnommen. Am besten lässt sich die Geschichte mit Risiko verknüpfen. Auf der Landkarte treten die Häuser Stark, Baratheon, Lannister, Martell und Tyrell mit unzähligen (wie bei Risiko üblich) 3D-Figuren in den bekannten Würfel-Duellen gegeneinander an.
Michael Herbig ist Masterbrain hinter der Bullyparade, die im Spätsommer erfolgreich als Kinofilm lief. Für alle Fans hat Huch! ein Brettspiel und ein Kartenspiel mit vielen Bildbezügen zum Film herausgebracht. Das Kartenspiel, an dem auch Bully Herbig himself mitgearbeitet haben soll, ist eine hoch interessante Mau-Mau-Variante. Nicht nur, wie beim Klassiker üblich, muss die Kartenhand auf einem Ablagestapel eingespielt werden. Die Mau-Mau-Idee wird mit „Schwarzer Peter“ gemischt. Es gibt eine Störkarte. Wer diese zieht, darf sie nicht abwerfen. Vielmehr muss er sie loswerden. Dabei helfen Sonderfunktionen auf vielen Spielkarten, die es taktisch zu nutzen gilt. Das gibt der bekannten Idee neue Würze. Dazu ergötzt man sich an den herrlichen Bildern aus der Bullyparade, natürlich mit Spucky, dem Kaiserpaar, Indianern und vielen mehr.

(pen)

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