Spiele für Kenner

Escape-Spiele im Fokus

Die ersten drei Titel der Kosmos Exit-Spiele wurden zum „Kennerspiel des Jahres 2017“ gewählt. Zu Recht, denn die Atmosphäre ist dicht, die Rätsel sind knifflig, sehr innovativ und schlüssig und Hinweise sind zur Hand. Außerdem animiert ein ausgeklügeltes Punktsystem zu weiteren Abenteuern. Allerdings steckt in jeder Schachtel nur ein Rätselfall.

Neben den drei prämierten Exit-Startspielen wurden drei weitere im Frühjahr aufgelegt und weitere drei für den Herbst angekündigt, die jetzt beim „Tod im Orient-Express“ anspruchsvoller beziehungsweise beim ???-Fall „Das Haus der Rätsel“ einfacher und analoger daher kommen.


Das Escape-Feeling wird wohl am besten in Escape Room – Das Spiel von Noris eingefangen. Der Chrono-Decoder übt wie eine tickende Zeitbombe Druck auf die Spielerschar aus. Das trägt entscheidend zur Atmosphäre bei. Die Rätsel passen durch die Bank gut zur Geschichte, sind bisweilen aber auch over-the-top. Dann helfen Hinweiskarten, die nach akustischer Aufforderung genommen werden dürfen. Vier Abenteuer in der Grundbox, zwei neue Erweiterungen im Frühjahr, zwei weitere für den Herbst angekündigt, dazu eine Virtual Reality-Box mit 3D-Brille. Der Spaß dringt in immer neuere Dimensionen vor. Die Ergänzungen „Funland“ oder „Casino“ lassen in moderne Entertainment-Events abtauchen.


Bei Escape the Room von HCM Kinzel sind die Rateaufgaben zweifelsohne einfacher gestaltet. Die Rätsel müssen linear, also immer der Reihe nach gelöst werden. Das ist keine Einschränkung. Schön gestaltete Umschläge illustrieren Türen, Schubladen oder Tresore, die erst dann geöffnet werden dürfen, wenn der Code entschlüsselt wurde. Dann ergießt sich neues, üppiges (aufwändiger als bei allen anderen Exit-Spielen) Spielmaterial auf dem Tisch und die Geschichte wird weitergestrickt. Sicherlich findet man hier leichte Rätselkost. Damit liegt das familientaugliche Angebot dieser Spielidee mit dem ersten und jetzt auch zweiten Fall (etwas schwieriger!) vor. „Das Geheimnis des Refugiums von Dr. Gravely“ entpuppt sich als Gruseltrip in einem renommierten Kurhotel.


Unlock! von Space Cowboys (Vertrieb: Asmodee) ist vielleicht das modernste Escape-Adventure. Denn hier ist das Laden einer kostenlosen App unabdingbar. Sie hilft (was bisweilen dringend notwendig ist), zählt die Zeit herunter, bepunktet die Leistung und schafft auch (falls gewünscht) Begleitmusik. Dicke Kartenstapel mit gelungen illustrierten Motiven müssen durchgespielt werden. Neben überraschenden Rätseln (dem eigentlichen Spielspaß!) müssen immer wieder auch nur bestimmte Gegenstände kombiniert werden (Schlüssel – Schublade), was keine größeren Anforderungen bedeutet. Bisher liegt die Grundbox mit drei Rätseln unterschiedlicher Schwierigkeit vor. „In der Mausefalle“ gefällt, weil das Spiel in einem animierenden Comic-Zeichenstil gehalten ist. In Frankreich gab es dafür den As D’Or, das dortige „Spiel des Jahres“. (pen)

 

Wohl und Wehe

Die große Stärke aller Escape-Spiele ist das gemeinsame Agieren. Viele Köpfe haben viele Ideen und die helfen oft, der Lösung schneller auf die Spur zu kommen. Das schafft ungeheure Atmosphäre und taucht die Spielgruppe tief ein in das Spielerleben. Das alles kann kippen, wenn ein Alphatier am Spieltisch sitzt und komplett im Alleingang versucht zu lösen. Die Mitspieler werden zu Statisten degradiert, ihr Spielspaß hält sich in Grenzen.

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