Kommunikation

... am Spieltisch

Spiel des Jahres 2016 ist „Codenames“ aus dem Heidelberger Spieleverlag. Damit wurde ein Spiel ausgezeichnet, das momentan im Trend liegt und auf dem Spielemarkt kein Einzelfall ist. Denn einige Verlage haben den Reiz, den Wort- und Kommunikationsspiele auslösen, entdeckt.

Zum dritten Mal in der Geschichte dieser Preisvergabe Spiel des Jahres wurde mit „Codenames“ ein kommunikatives Spiel bedacht. Auf dem Spieltisch liegt eine Auslage mit fünf mal fünf Begriffskärtchen. Worte wie Krone, Korb, Netz, Flasche oder Käfer könnten dabei sein. Es ist nun Aufgabe, als Vordenker seinem Team durch das Nennen eines Sammelbegriffs möglichst viele Lösungsworte zu suggerieren. Wer bei der obigen Begriffsauswahl „Gefäß – 3“ nennt, lässt schnell mit Flasche und Korb zwei richtige Lösungen finden. Wenn nun das Team um die Ecke denkt, in Käfer das Auto sieht und dieses im weitesten Sinne als Gefäß akzeptiert, dann hat die Mannschaft ein drittes Lösungswort gefunden. Im Prinzip lebt „Codenames“ davon, durch kreative Begriffsassoziationen viele Lösungsworte aufzuspüren. Hinzu kommen Regelfeinheiten, die das Spiel subtiler verlaufen lassen. Wichtig für den Ablauf ist die Kreativität, die richtigen Oberbegriffe zu finden. Die Anspannung beim Finden geeigneter Vorgaben aber auch die Schadenfreude bei Fehlversuchen ist stets groß. Die Spieldauer ist überschaubar. Gerne wird eine zweite Runde angehängt. Ein würdiger Preisträger! Die Spielregel ist allerdings etwas umständlich formuliert und das Spielmaterial rein abstrakt. Zum Ende des Jahres kündigt der Verlag als Variante „Codenames Pictures“ an. Dabei werden die Wortkärtchen durch Bildmotive ersetzt. Das könnte beim Suchen von Impulsbegriffen noch mehr Interpretationsmöglichkeiten freisetzen.
„Codenames“ ist kein Einzelfall. Gerade in diesem Jahr haben Verlage in kompakten und von daher preiswerten Schachteln interessante Wort- und Kommunikationsspiele veröffentlicht. Bei „Krazy Wordz“, das vom Ravensburger Spieleverlag vertrieben wird, ist der Titel halbes Programm. Alles dreht sich um verrückte Begriffe, also crazy words, die aber keinesfalls korrekt geschrieben werden dürfen. Vielmehr ist die lautmalerische Interpretation der Schlüssel zum Erfolg. Jeder bekommt Buchstaben und ein Aufgabenkärtchen zugelost. Dann muss man einen Begriff kreieren, bei dem die anderen auf die richtige Vorgabe schließen. Es ist keinesfalls verpflichtend, alle Buchstaben zu verwenden. Bei der Aufgabe, den Titel einer Fernsehzeitschrift zu entwerfen, könnten Lösungen wie „Gux“ oder „Schau Ma“ die richtige Fährte weisen. Wenn eine ideenreiche Runde spielt, ist allein schon wegen der Wortschöpfungen der Spaß gesichert. Neben der Familien-Edition gibt es eine nicht jugendfreie Version, bei der es beispielsweise um eine Kneipe auf Hamburgs Reeperbahn geht.

Kreativität wird ebenfalls bei „Imagine“ (Vertrieb Huch! & friends) groß geschrieben. Wie bei dieser Art von Spiel üblich, sind vorgegebene Begriffe darzustellen, die von der Gruppe erraten werden müssen. Als Medium für die Darstellung dienen 60 transparente Spielkarten, die mit Piktogrammen versehen sind. Diese dürfen übereinander gelegt, bewegt und beliebig kombiniert werden. So wird aus einem Ampelmännchen und einem Schwert, das man der Figur in die Hand legt, ein Ritter. Nicht alle Aufgaben gelingen einfach. Es kommt auch zu überraschenden Konstrukten, die tatsächlich erraten werden. Wer selber einmal rätseln möchte, schaut auf das Cover des Spiels und entschlüsselt die bekannte Landmarke.
Ähnlich aber doch anders spielt sich „Schattenmeister“ aus dem Piantnik Verlag. Hier gibt es Umrisse, die an die Tintenkleckse aus dem Rorschach-Test erinnern. Man muss aus einer Vorgabenkarte mit neun Motiven die zwei bis fünf Bilder entdecken, die sich im schwarzen Schatten-Mix verbergen. Ein scharfer Blick auf die Konturen hilft. Da es bei diesem Spiel auch auf Zeit ankommt, gerät man schnell unter Druck, was von manchen als Stress empfunden wird. Trotzdem sind die Aufgaben spielerisch und eine neue Art, in Konkurrenz zu den anderen zu tüfteln. Überraschenderweise haben manchmal ältere Kinder den besseren Durchblick.
Super einfach in Regel und Idee ist „Happy Birthday“ aus dem Kosmos Verlag. Das Spiel besteht aus exakt 200 Spielkarten mit bunten Motiven. Das sind die Geschenke für das Geburtstagskind. Der Beschenkte bekommt von jedem Mitspieler eine Karte vorgelegt und sucht sich aus, was er besonders mag und welches Geschenk er ablehnen würde. Diese Entscheidungen sollten wortreich kommentiert werden. Davon lebt das Spiel und alle lernen die Beteiligten etwas besser kennen, da manche geheimen Wünsche zu Tage treten. In solchen Situationen kribbelt es gewaltig. Als Geschenke gibt es eine ganze Palette unterschiedlicher Ideen wie Wüstenwanderung, Voodoo-Schnellkurs, Unterricht im Schlangenbeschwören, ein Paar Hobbitschuhe und vieles mehr. Alle Geschenkideen sind inspirierend bebildert, so dass das Geschenke-Spiel einen hohen Wiederspielwert besitzt: Ein ideales Geburtstagsgeschenk!
Und dann gibt es noch ein neues Ratespiel, denn auch Quizspiele sind kommunikativ: „Mr Lister’s Quiz Shootout“ aus dem Moses Verlag. Die Wissensfragen entstammen alle dem Kuriositäten-Kabinett. Es geht beispielsweise darum, die zwölf Dinge zu benennen, die am häufigsten in einem Hotelzimmer vergessen werden. Auf Schlüssel, Zahnbürste und Handy als korrekte Lösungen wird jeder schnell kommen. Dinge wie Gebiss und Sextoys sind sicherlich nicht bei allen „auf dem Schirm“. Genau davon lebt die Spielidee, dass man nicht alles weiß oder erahnen kann. Obwohl übersetzt, sind ein paar wenige Fragen nicht eingedeutscht (zum Beispiel die Zutaten für den Oreo-Original-Keks) und eher einem anglo-amerikanischen Publikum zugänglich. Ansonsten ist Mr. Lister eine spannende neue Art zu quizzeln. (pen)

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