Der Welttag des Buches

Lesefest!

Am 23. April findet jährlich der Welttag des Buches statt. Aus diesem Anlass werden 1,2 Millionen Exemplare des Welttagbuchs in Schulklassen und Buchhandlungen verteilt – für uns eine passende Gelegenheit, um mit Lisa von Zobeltitz über das Projekt, über Politik und die Zukunft des Lesens zu sprechen.

Frau von Zobeltitz, anlässlich des „Welttag des Buches“ wird seit 1996 das Welttagsbuch an Schulklassen verschenkt. Beschreiben Sie unseren Lesern bitte kurz: Wer ist an dem Projekt beteiligt, wie ist die Zusammenarbeit entstanden und welches Ziel verfolgen Sie mit diesem Projekt?
Die Fähigkeit zu lesen ist eine wesentliche Voraussetzung für die persönliche und schulische Entwicklung; und damit auch für den späteren Erfolg im Berufsleben und für eine gesellschaftliche Teilhabe. Deswegen haben wir damals anlässlich des Welttags die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ aus der Taufe gehoben – gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem cbj Verlag, der Deutschen Post und dem ZDF. Ziel ist es, Kinder mit Geschichten, die ihre Interessen widerspiegeln, für das Lesen zu begeistern und so langfristig ihre Lesekompetenz zu stärken. 2016 erhielten rund 850.000 Schülerinnen und Schüler deutschlandweit das Welttagsbuch – einen Abenteuerroman, der exklusiv von der bekannten Kinder- und Jugendbuchautorin Annette Langen verfasst wurde. Für viele Kinder ist das Welttagsbuch übrigens das erste eigene Buch.

2016 war das Welttagbuch aus aktuellem politischen Anlass zusätzlich mit einem Comic-Teil für Willkommensklassen ausgestattet. Sehen Sie die Verlags-Branche hier in der Verantwortung, sich dem Thema Integration zu widmen?
Viele Verlage reagieren bereits mit entsprechenden Publikationen auf die aktuelle Situation oder haben Themen wie Inklusion und Integration längst auf ihrer Agenda. Eine Medienliste, die sich aus dem Verlagsangebot speist und die wir speziell für die Arbeit mit Flüchtlingskindern zusammengestellt haben, ist bei uns abzurufen unter www.stiftunglesen.de/fluechtlinge. Allerdings sind bei diesem Thema nicht nur die Verlage in der Verantwortung, sondern sämtliche gesellschaftliche Bereiche. So haben wir gemeinsam mit unseren Partnern das Welttagsbuch erweitert, damit Kinder im Unterricht, unabhängig von ihren Deutschkenntnissen, das Buchgeschenk genießen und je nach Klassenorganisation auch gemeinsam lesen können.

Der Welttag des Buches wird bereits seit zwei Jahrzehnten veranstaltet. Wie hat sich das Leseverhalten in diesen Jahren verändert und was meinen Sie, erwartet uns in der Zukunft?
Was sich generell verändert hat: Die tägliche Lesezeit ist in den letzten Jahren gestiegen. Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass wir insgesamt über viereinhalb Stunden täglich lesen. Daran haben vor allem die digitalen Medien einen großen Anteil. Allerdings werden sie, wie häufig vermutet, nicht das klassische Buch verdrängen. Laut JIM-Studie 2015 gibt es zwar bereits in jedem zweiten Haushalt in Deutschland einen Tablet-PC und in jedem vierten Haushalt einen E-Reader, dennoch spielt das klassische Buch weiterhin eine wichtige Rolle. Auch bleibt, dass Eltern das spätere Leseverhalten ihrer Kinder prägen. Deswegen rufen wir immer dazu auf: Lesen Sie vor, lesen Sie gemeinsam. Es lohnt sich für Ihre Kinder und schafft unvergessliche gemeinsame Momente.

Frau von Zobeltitz, vielen Dank für das Gespräch!

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