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Spielzeughersteller gesucht!

Eigentlich wäre es ja ein echter Traumberuf. Das Herstellen von Spielwaren. Aber kaum jemand weiß, ob und wo man diesen Beruf erlernen kann. In Deutschland gibt es genau eine Schule, die diesen Zweig anbietet. Wie der Ausbildungsgang aussieht und welche Chancen dieser Beruf bietet, erfuhr Sibylle Dorndorf im Gespräch. Rede und Antwort stehen Heike Kemnitz, Lehrkraft der SBBS in Sonneberg, zwei Schülerinnen und die Unternehmerin Barbara Fehn-Dransfeld, deren Auszubildende gerade die SBBS in Sonneberg besuchen.

Frau Kemnitz, was wird im Rahmen der Ausbildung zum Spielzeughersteller/ zur Spielzeugherstellerin gelehrt und wie lange dauert die Ausbildung an der Staatlichen Berufsbildenden Schule (SBBS) in Sonneberg?
Ein Spielzeughersteller stellt Spielzeuge aus Kunststoff zum Beispiel Puppen, Eisenbahnen oder Kleinkindspielsachen sowie textiles Spielzeug wie beispielsweise Plüschtiere, Stoffpuppen und Puppenbekleidung und Holzspielzeuge wie beispielsweise Bausteine, Fahrzeuge und Zubehör für Modelleisenbahnen her. Er lernt Arbeitsabläufe selbständig zu planen, textile Materialien sowie Holzwerkstoffe und Kunststoffe je nach Verwendungszweck und Wirtschaftlichkeit auszuwählen und bearbeitet diese.

Infos zur Ausbildung und zur Schule finden Interessierte im Internet unter sbbs-son.de, Rubrik: Bildungsangebote – Duale Ausbildung – Spielzeughersteller oder unter dem Button: Beratungslehrer: Christine Roß.Auf dem Gelände der Schule befindet sich auch ein Wohnheim mit 13 Wohneinheiten und je zwei Doppelzimmern, so dass auch Schülern, die weit entfernt wohnen, eine Übernachtungsmöglichkeit während den Schulwochen zur Verfügung steht. Ebenfalls auf der Website zu finden sind Anmeldeformulare zum Download.

Weiterhin erarbeitet ein Spielzeughersteller Unterlagen für den Fertigungsablauf und technische Daten über Arbeitsabläufe und erfasst die Arbeitsergebnisse. Gesichtspunkte des Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzes sind ebenso Bestandteile der Ausbildung wie betriebsorganisatorische Tätigkeiten in der Arbeitsvorbereitung und der Produktion. Er verwendet Werkzeuge und richtet Maschinen und Anlagen zur Textil-, Holz- und Kunststoffbearbeitung ein, bedient und überwacht sie und ist für die Instandhaltung mitverantwortlich.
Ein Spielzeughersteller muss auch technische Zeichnungen anfertigen und auswerten können, er fertigt Zuschnittschablonen und Zuschnitte an, stellt Kunststoffteile her und fügt Teile zu Baugruppen und fertigen Spielzeugen zusammen. Außerdem gestaltet er Oberflächen mit verschiedenen Techniken, dekoriert und komplettiert die Produkte wie zum Beispiel Ankleiden und Frisieren von Puppen, farbige Gestaltung von Gesichtern mit Airbrush, Besticken von Plüschtieren, Einsetzen von Augen und vieles mehr.
Ganz wichtig ist die abschließende Qualitätskontrolle der Produkte, denn schließlich stellt der Spielzeughersteller Spielzeuge für Kinder her, die Produkte müssen also strengen sicherheitstechnischen und ästhetischen Anforderungen genügen. Auch die letztendliche dekorative und sichere Verpackung der Spielzeuge ist ein wichtiger Aspekt der Ausbildung. Wie Sie erkennen können, ist die Ausbildung sehr breit gefächert und abwechslungsreich.
Die Ausbildung zum Spielzeughersteller ist eine dreijährige duale Berufsausbildung, das bedeutet, die Ausbildung findet an zwei Lernorten statt, im Ausbildungsbetrieb und an der SBBS in Sonneberg. Bestimmte Lehrinhalte werden darüber hinaus in Form von überbetrieblichen Lehrgängen im nahegelegenen Sonneberger Ausbildungszentrum (SAZ) vermittelt.

Welche Voraussetzungen muss man als Schüler mitbringen und welchen Abschluss kann man erreichen?
Als erstes braucht man natürlich einen von der IHK bestätigten Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb, der Spielzeuge produziert. Zugangsvoraussetzung ist mindestens ein Hauptschulabschluss. Man sollte körperlich gesund sein, vor allem keine Probleme mit dem Farbensehen und keine Allergien gegen bestimmte Stoffe wie Plüsch, Farben oder ähnlichem haben. Man erreicht den Facharbeiterabschluss mit der Bezeichnung: „Spielzeughersteller/Spielzeugherstellerin“, das ist ein IHK-Beruf.

Ist Talent erforderlich oder kann jeder diesen Beruf erlernen, was raten Sie?
Im Prinzip kann jeder diesen Beruf erlernen, der ein wenig Geschick und Fingerfertigkeit besitzt. Mit den berühmten „zwei linken Händen“ ist man in diesem Beruf fehl am Platze! Wichtig ist, dass man sich auch mit seinen Produkten identifiziert, dass man Liebe zum Detail entwickelt und etwas Geduld für Feinarbeiten mitbringt, da in jedem Spielzeug noch viel Handarbeit steckt. Und man sollte sich bewusst sein, dass Kinder mit den hergestellten Produkten spielen und man somit auch eine gewisse Verantwortung für die Gesundheit und Entwicklung der Kids hat.

In welchen Fächern unterrichten Sie persönlich?
Ich unterrichte alle Lernfelder, die mit textilen Materialien und Maschinen zur Textilver- und bearbeitung zu tun haben und mit der Gestaltung der Produkte, da ich die Fachrichtung Textiltechnik studiert habe. Das sind folgende Lernfelder: LF1: Der Spielzeugbetrieb und seine Erzeugnisse, LF3: Auswählen von Werk- und Hilfsstoffen Textil, LF6: Maschinenkunde Textil, LF9: Dekorieren und Komplettieren der Erzeugnisse und LF11: Gestalten von Spielzeugen und Spielzeugverpackungen.

Die Spielwarenbranche ist eine Wachstumsbranche mit vielen Facetten. Viele Unternehmen holen ihre Produktion derzeit nach Europa, sogar Deutschland, zurück. „Made in Germany“ ist eine „sichere Bank“ und ein Qualitätsversprechen. Wie erklären Sie sich angesichts dessen den geringen Zuspruch für diesen Bereich?
Ich vermute, diese Ausbildungsrichtung ist vor allem bundesweit gar nicht so bekannt und viele Jugendliche und ihre Eltern denken, dass man durch den Beruf des Spielzeugherstellers regional eingeschränkt ist oder keine weiteren beruflichen Perspektiven nach der Ausbildung hat, obwohl es nicht so ist. Man kann nach der Ausbildung zum Beispiel eine Weiterbildung zum Fach- und Industriemeister absolvieren und eine Qualifikation zum Ausbilder über die IHK abschließen. Außerdem glauben wahrscheinlich männliche Jugendliche, dass der Spielzeughersteller ein typisch weiblicher Beruf ist, obwohl er auch viel mit Werkzeugen und Maschinen zu tun hat. Deshalb ist es wichtig, bundesweit zu werben und die Inhalte bekannt zu machen.

Der Fachkräftemangel wird die Tendenz, Produktionsstätten wieder zurückzuholen, für fast alle Branchen bremsen. Gehen Sie auch aktiv an herstellende Spielwarenunternehmen heran, um für die Ausbildung zu werben?
In Südthüringen und Oberfranken sind die Ausbildungsmöglichkeiten an unserer Schule bekannt. Durch regelmäßige Telefonate mit Firmen, durch die „Regionale Ausbildungsmesse“ (RAM) in unserem Haus und den jährlichen „Tag der offenen Tür“ an der SBBS werben wir regelmäßig. Außerdem sind unsere Beratungslehrer Susanne Roß und Christine Roß ganzjährig auf vielen Messen unterwegs, um unsere Ausbildungsmöglichkeiten bekannt zu machen, um nur einige zu nennen: „Jobfinder Erfurt“, „Berufsstart Erfurt“, „IHK-Messen in Sonneberg, Coburg und Neuhaus am Rennweg“ und die „FAMOS“ in Sonneberg“.

Frau Kemnitz, ich bedanke mich herzlich für das Gespräch!

Die Staatliche Berufsbildende Schule Sonneberg (SBBS), die eine exzellente Ausbildung unter hervorragenden Bedingungen bietet, versteht sich als Partner für Industrie und Handwerk in der Region Südthüringen und Oberfranken. Das Spektrum reicht vom Erwerb von diversen Schulabschlüssen über berufliche Aus- und Weiterbildung bis hin zur dualen Ausbildung. Vor allem ist die SBBS aber Deutschlands einzige Schule, die den Beruf des Spielzeugherstellers anbietet. Das ist einmalig! Nicht ohne Grund ist sie seit 1997 auch Kooperationspartner des DVSI. Jetzt macht sich die Staatliche Berufsbildende Schule Sonneberg Sorgen um den Aus­bildungsberuf des Spielzeugherstellers. Der Nachwuchs fehlt zunehmend. Die Ausbildung wird parallel im Betrieb und in der Schule durchgeführt und verbindet die Querschnitts­funktionen, die im Alltag des Spielwarenproduktion entstehen. Aus meiner Sicht droht etwas unwiderruflich Besonderes für die Spielwarenbranche verloren zu gehen. Eine Schule lebt nicht nur von seinen Lehrern und der Infrastruktur, sondern vor allem von den Schülern. Fehlen die, fehlt nicht nur bald ein anerkannter Ausbildungsberuf, sondern auch Fachkräfte. Der DVSI und die Schule haben jetzt beschlossen, den Lehrplan auf den aktuellen Stand zu bringen und im Frühjahr 2022 eine gemeinsame Veranstaltung durchzuführen, um der Spielwarenindustrie die Stärken dieses Ausbildungsangebot und das Potenzial dieses dualen Ausbildungsgangs für die Branche zu verdeutlichen. Seit der Gründung als Industrieschule im Jahr 1883 von der Sonneberger Spielwarenindustrie war es Ziel dieser Bildungsanstalt, junge Talente mit einer gründlichen Ausbildung zu befähigen, um die Spielwarenindustrie zu „veredeln“ und die „Blüte unserer Industrie“ zu erhalten, wie es damals hieß. In den letzten 138 Jahren änderten sich zwar öfters mal der Name der Schule und die Ausbildungsschwerpunkte, aber die Aufgabe ist heute immer noch die gleiche geblieben.

Ulrich Brobeil, Geschäftsführer DVSI

Im Gespräch mit ...

Tamara und Hasiba, Schülerinnen der SBBS in Sonneberg

Was hat Sie am Ausbildungsgang zur Spielzeugherstellerin fasziniert? Ist es ein Kindheitstraum, der nun wahr wird?
Tamara: Mich haben besonders die flexiblen Möglichkeiten der kreativen Gestaltung angesprochen. In diesem Beruf werden nicht nur ein, sondern mehrere Bereiche zur Herstellung von Spielzeug erlernt. Ein Kindheitstraum ist es nicht, da mir bis vor meiner Ausbildung nicht bewusst war, dass ich diesen Beruf überhaupt erlernen kann. Ein Traumberuf ist es trotzdem geworden.
Hasiba: Selbst was herstellen, selbst was entwerfen, das wollte ich machen. Die Firma Heunec hat eine Auszubildende ge-sucht, ich habe mich beworben, ein Praktikum hier gemacht und wurde genommen. Mein Hauptgrund: Kinder spielen mit Spielzeug und das macht sie glücklich.

Welche Voraussetzungen haben Sie mitgebracht, um sich für den Ausbildungsgang zu bewerben?
Tamara: Genäht habe ich schon immer gerne, egal ob Spielsachen oder Kleidung. Das meiste habe ich zuhause gelernt. Mit Nadel und Faden konnte ich also schon umgehen. Trotzdem waren die Industrienähmaschinen in der Firma für mich anfangs eine Herausforderung.
Hasiba: Ich habe den Beruf der Maßschneiderin gelernt und auch darin gearbeitet. Nähen und Zuschneiden ist in beiden Berufen sehr wichtig, genauso wie die kreative Arbeit. Deshalb habe ich mich für den Ausbildungsberuf der Spielzeugherstellerin entschieden.

Wie haben Sie die Ausbildung zum Spielzeuggestalter an der SBBS erlebt?
Tamara: An meiner Schule ist der Unterricht theoretisch gehalten. Allerdings wird wahrscheinlich ab dem nächsten Jahr mehr Praxis dazu kommen. Hoffentlich auch wieder Ausflüge. Die größte Hürde für mich (und viele andere Schüler auch) war, dass der Unterricht nicht regulär stattfinden konnte, ich in meinen schwächeren Fächern schnell Lücken bekommen habe, beziehungsweise die Kommunikation durch den Online-Unterricht erschwert wurde. Mit dem allgemeinen Schwierigkeitsgrad komme ich ganz gut zurecht, ich werde gut unterstützt. Da ich nicht viele Mitschüler habe, haben die Lehrer mehr Zeit für mich.
Hasiba: An der SBBS habe ich nur theoretischen Unterricht. Praxisunterricht habe ich am SAZ (Sonneberger Ausbildungs-Zentrum) im Textil-, Holz- und Kunststoffbereich sowie im Metall- und Elektronikbereich. Leider habe ich noch große Verständigungsschwierigkeiten in den Fächern Wirtschaft, Sozialkunde und Deutsch.

Wie wurden Sie in dem Unternehmen, das Sie ausbildet, bei der Weiterbildung unterstützt?
Tamara: Meine Firma unterstützt mich sehr, nicht nur bei der Weiterbildung wie Seminaren, sondern auch, was das Schulische angeht. Während der Arbeitszeit wird uns Zeit und Unterstützung gegeben, um unsere schulischen Aufgaben zu erledigen oder Homeschooling zu machen.
Hasiba: Ja, meine Firma unterstützt mich sehr. Jeden Tag habe ich zwei Stunden Nachhilfeunterricht in Deutsch, Wirtschaft oder Sozialkunde. Das hilft mir, den Unterrichtsstoff besser zu verstehen und zu begreifen.

Hat die Ausbildung Ihren Arbeitsalltag, Ihren Verantwortungsbereich verändert?
Tamara: Mein Arbeitsalltag hat sich um einiges verändert. In der Schulzeit war ich nur für meine eigenen Leistungen verantwortlich. Jetzt im Betrieb arbeite ich in einem Team und meine Beiträge haben nicht mehr nur Einfluss auf mich, sondern auch auf meine Kollegen beziehungsweise die ganze Firma. Meine Schwerpunkte möchte ich hier im Bereich der Gestaltung von neuen Produkten, beziehungsweise der Umsetzung von neuen Ideen, setzen.
Hasiba: Als Maßschneiderin habe ich hauptsächlich größere Teile genäht. Bei Plüschtieren, Spielzeug aus Plüschstoff können es teilweise sehr kleine Teile, aber auch riesig große sein. Plüschstoff ist schwieriger zu nähen als normaler Stoff. Meine Schwerpunkte: kreativ sein und neue Plüschtiere, neues Spielzeug entwickeln und herstellen.

Was glauben Sie: Welche Perspektiven ergeben sich für Sie nach Beendigung der Ausbildung?
Tamara: Es steht fest, dass ich nach meiner Ausbildung vorerst im Betrieb bleibe. Ich würde weiterhin in der Produktion bleiben und könnte mich später vielleicht auch in der Neuentwicklung sehen. Falls ich doch noch etwas anderes oder mehr machen möchte, besteht noch die Möglichkeit, mich weiterzubilden und den Bachelor als Spielzeuggestalter zu machen. Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bin ich flexibel. Aufgrund der breit gefächerten Ausbildung kann ich auch zu Unternehmen mit anderen Schwerpunkten gehen, zum Beispiel Kunststoff, Holz, Metall, um dort mein Fachwissen zu erweitern.
Hasiba: Am liebsten würde ich in meinem Betrieb bleiben, die Arbeit hier macht mir wirklich viel Spaß. Ansonsten könnte ich natürlich auch bei einem anderen Spielwarenhersteller arbeiten, da wir in der Ausbildung auch mit Holz und Kunststoff gearbeitet haben.

Hasiba

Tamara

Barbara Fehn-Dransfeld

Nachgefragt bei ...

Barbara Fehn-Dransfeld, CEO Heunec GmbH

Frau Fehn-Dransfeld, in jedem dritten deutschen Kinderzimmer wird mit einem Plüschtier von Heunec gekuschelt. Ihre Produkte haben eine unverwechselbare Handschrift. Das setzt voraus, dass Sie im Unternehmen großen Wert auf Design, Qualität und sorgfältige Fertigung legen. Wie schwierig ist es, für diese Bereiche geeignete Fachkräfte zu finden?
Es ist sehr schwierig für diese Bereiche geeignete Fachkräfte zu finden. Sieht es bei Design noch ganz gut aus, kommt der Fertigungsanspruch zu kurz. Für das Herstellen von Spielwaren wird handwerkliches Verständnis und die Leidenschaft dafür vorausgesetzt. Handwerk ist aber momentan nicht so „in“, somit ist es wirklich sehr schwer, hier Interessent*innen zu finden.

In Deutschland gibt es nur eine Schule, die zum Spielzeughersteller*in ausbildet, zwei Ihrer Auszubildenden belegen derzeit an der SBBS diesen Bildungsgang. Sie fördern damit als Unternehmerin gezielt kompetenten Nachwuchs für unsere Branche. Aber es scheint, Sie sind ein Einzelfall …
Wir sehen es als unsere unternehmerische Pflicht an, die Herstellung von Spielwaren in Deutschland weiterzuentwickeln. Auch wenn der Großteil der Spielwaren, auch unserer Produkte, aus dem Ausland kommen, heißt dies für uns nicht, dass es nicht mehr notwendig ist, in Deutschland Fachkräfte auszubilden und zu beschäftigen, die dieses Handwerk noch ausüben können. Gerade in den heutigen Zeiten wird immer häufiger davon gesprochen, Teile der Produktion von Asien zurück nach Europa und Deutschland zurückzuholen. Wie soll das funktionieren ohne entsprechende Fachkräfte?

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass dieses doch so attraktive Berufsbild so wenig Beachtung findet?
Dies können wir auch nur erahnen, denn wir sind selbst erst vor ungefähr fünf Jahren auf dieses Berufsbild aufmerksam gemacht worden – und der Standort der Schule in Sonneberg liegt sozusagen vor unserer Haustür. Seit jeher haben wir hier in Neustadt eine kleine Produktions-Stätte für Plüschspielwaren-Herstellung aufrechterhalten und waren aufgrund von angehender Überalterung unseres Personals gezwungen uns umzuschauen, ob man diesen Beruf überhaupt erlernen kann. So sind wir auf die Schule in Sonneberg gestoßen. Die Schule selbst kann nur sehr wenig Werbung für sich machen, somit ist vermutlich den meisten Spielwarenunternehmen gar nicht bekannt, dass es diese Ausbildung in Deutschland gibt.

 

Wie könnte man Ihrer Meinung nach forcieren, dass Unternehmen wieder mehr ausbilden, aber auch dass junge Menschen sich mehr für diesen Berufsweg interessieren?
Zum einen Werbung bei den Spielwaren-Unternehmen für die Schule SBBS machen, damit die Branche überhaupt erfährt, dass es so eine Schule gibt und was sie bietet. Zum anderen Berufsberatungen in Schulen oder bei der Arbeitsagentur für dieses Handwerk und diese Ausbildung zu sensibilisieren. Und bei hoffentlich bald wieder stattfindenden Events mit den Kolleg*innen aus der Spielwaren-Branche Werbung machen, ermutigen und motivieren, etwas zu tun und aktiv zu werden.

Aktuell zeigt sich, wie abhängig unsere Unternehmen von Produktionsstätten im Ausland und fragilen Lieferketten sind. Gibt es eine Lernerfahrung, die eine Trendwende einläuten könnte?
Das kann ich nur für unser Unternehmen beantworten: Wir sind seit längerer Zeit bereits auf der Suche, wie wir die Produktion verlagern können. Bei textiler Herstellung ist dies allerdings sehr schwer, da die Materialien, die wir verarbeiten, auch zu 90 Prozent aus Asien kommen. Eine geeignete Alternative hat sich bis dato nicht ergeben. In 2020 haben wir uns entschlossen, unserer kleinen Produktion in Neustadt mehr Leben einzuhauchen und die „Kuschel-Manufaktur – made in Germany“ ins Leben gerufen. Mit kleinen Schritten geht es voran, im Mai konnten wir bereits eine zusätzliche Näherin einstellen.

Welche Lehren ziehen Sie persönlich für Ihr Unternehmen aus der Pandemie?
Wir sind gut durch die Pandemie gekommen, die Spielwarenbranche war ein Gewinner der Pandemie durch verstärkte Nachfragen hauptsächlich im Spiele- und Bastelbereich, aber auch unsere Kuscheltiere haben sich ausgewöhnlicher Beliebtheit erfreut. Im Unternehmen selbst sind wir noch mehr zusammengewachsen – wir hatten ja nur uns und das war sehr positiv. Ich möchte den Begriff der „Firmen-Familie“ nicht überstrapazieren, aber wir haben echt gut zusammengehalten. Und wir haben nichts wegen der Pandemie auf Eis gelegt, im Gegenteil: Die zweite Azubine wurde zum 1.9.2020 eingestellt, Praktika in der Produktion wurden vergeben und nicht wegen der Pandemie verschoben, und auch unsere Klimaneutralität haben wir vorangetrieben und im April 2021 erreicht, weil wir weiter gemacht haben. Wir hatten mehr Zeit, über das, was wir tun, nachzudenken und wollen uns – wenn’s denn vorbei ist mit Corona – nicht wieder in alte Muster treiben lassen.

Frau Fehn-Dransfeld, ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch!

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