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Fokus

Integration im Kinderzimmer

Jeder ist wie er ist – und das ist gut so. Diese Haltung kann man Kindern nicht früh genug vermitteln. Jedes Kind ist einmalig, jedes Kind hat seine Besonderheit, kein Kind ist wie das andere. Integration und Inklusion verlangen den Blick auf die ganze Persönlichkeit, nicht nur auf einen Aspekt, eine körperliche oder geistige Behinderung oder eine andere Hautfarbe. Geeignetes Spielzeug kann helfen, das Denken in Stereotypen und das Einsortieren in Schubladen aufzubrechen. Und es gibt schon eine ganze Menge davon.

Wer sich zwanzig, dreißig Jahre zurückerinnern kann, der weiß, dass im Spiel unüberlegt Klischees transportiert wurden. Da waren es primitive Ureinwohner, die weiße Entdecker in ihren Kochtöpfen schmoren ließen. People of Colour kamen selten oder nie als Protagonisten der Spielgeschichten zum Zuge. Das ist heute anders. Die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt und mit ihr die Berücksichtigung von Diversität auch im Brett- und Kartenspiel.
Belegt wird das eindrücklich in einem aktuellen Familienspiel. Eine illustre Gesellschaft tritt zum Erinnerungsfoto vor die Kulisse eines mondänen Badestrandes. Unter den Gästen befinden sich wie selbstverständlich ein Rollstuhlfahrer und ein dunkelhäutiger Lebemann. Inklusion und Integration ganz eng verknüpft. Oder: In einem Fantasy-spiel schlüpfen Spieler nicht nur in Rollen von Helden, Zauberern oder Zwergen, für Spielerinnen stehen Heldinnen, Zauberinnen und Zwerginnen bereit, sogar mit extra Spielmaterial. Das ist Gendergerechtigkeit.
Gesellschaftliche Vielfalt wird zunehmend im Medium Spiel berücksichtigt. So werden Kinder und Jugendliche in diesen sensiblen Bereichen sozialisiert. Gut so!

(pen)

Spielzeug bildet die reale Welt im Kleinen ab und ist immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es beginnt in den Kinderzimmern der heranwachsenden Generation die Vielfältigkeit der Menschen und ihren unterschiedlichen Kulturen nahezubringen und den respektvollen Umgang miteinander zu lernen. Wir haben das Thema auf der letzten Spielwarenmesse 2020 anhand unseres Trends ‘Be You!‘ verdeutlicht und entsprechende Produktbeispiele vorgestellt. Denn das Spiel verbindet alle – unabhängig von Herkunft, Religion und Äußerlichkeiten. So lautete auch der Grundgedanke dieser internationalen Strömung, die zwei Ansätze vereint hat: zum einen Menschen mit speziellen Bedürfnissen in ihren individuellen Fähigkeiten zu fördern und zum anderen für einen toleranten Umgang miteinander und damit für Inklusion und Diversität zu sensibilisieren. Das mediale Interesse für diesen Trend war hoch und ich bin mir sicher, dass sich aufgrund der zunehmenden positiven Beispiele auf der Spielwarenmesse 2022 noch mehr Hersteller ihrer Verantwortung stellen und die Thematik aufgreifen.

Scarlett Wisotzki,
Director Communications der Spielwarenmesse eG

3 Fragen an ...

... Björn Seeger, Unternehmenssprecher Playmobil

Herr Seeger, Playmobil hat schon vor Jahren eine Figur im Rollstuhl herausgebracht und damit einen Beitrag zur Inklusion und Integration im Kinderzimmer geleistet. Das Unternehmen reagierte damit als eines der ersten. Wie ist der Stand heute?
Wir freuen uns, wenn wir mit unserem Spielsystem einen Beitrag leisten können. Figuren im Rollstuhl gehören weiterhin fest zum Playmobil-Sortiment. Dabei verstehen wir das Thema Inklusion als selbstverständlichen Teil einer Spielwelt – etwa in unserer Produktlinie „City Life“. Über kreatives Spiel entdecken Kinder die Welt und setzen sich mit vielen Themen auseinander, die sie auch im Alltag beobachten. Dazu können wir vielfältige Impulse geben. Beispielsweise hat der Artikel „Große Schule mit Einrichtung“ eine Rollstuhlfahrerin dabei und bietet einen Aufzug für diesen. Auch unsere YouTube-Serie Playmo High ist ein Beispiel: Fünf Kinder lernen sich am ersten Tag an der High School in der Pause kennen und werden Freunde. Lisa und Benett sind weiß, Patrick und Juna sind People of Colour, Mia sitzt im Rollstuhl.

Nach welchen Kriterien legen Sie im Unternehmen fest, welche Themen im Kontext Integration und Inklusion Sie mit Playmobil „bespielen“?
Im Mittelpunkt unserer Spielwelten stehen Stories, mit denen wir den Nerv unser Zielgruppen unterschiedlichen Alters treffen möchten. Dabei versuchen wir, Themen immer wieder neu aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und mit Konsumenten ins Gespräch zu kommen. Wichtige Aspekte für die weitere Ausgestaltung eines Themas formuliert beispielsweise der „Verband binationaler Familien und Partnerschaften“, der sogar eine Spielzeug-Positivliste mit Must-have-Kriterien veröffentlicht (verband-binationaler.de/regionalstellen/hamburg/unsere-diversityseite/vorurteilsbewusstes-spielzeug und verband-binationaler.de/seminare/das-interkulturelle-spielzimmer). Dort sind wir mit einigen Sets vertreten – unter anderem, weil Playmobil schon sehr lange vielfältige Produkte anbietet, die Kinder aller Hautfarben berücksichtigen.

„Wir verstehen das Thema Inklusion als selbstverständlichen Teil einer Spielwelt “

Playmobil-Männchen und -Mädchen werden oft als Protagonisten verwendet, wenn es darum geht, Kindern – und im Übrigen auch Erwachsenen – Zusammenhänge zu erklären. Wie ist die Reaktion aus Ihrer Zielgruppe auf diese Bühne, die das Unternehmen da betritt?
Playmobil bietet hervorragende Möglichkeiten, um Wissen spielerisch und unterhaltsam zu vermitteln. Für unser Wissensformat „ROBert knows“ produzieren wir kreative Clips, in denen wir auch komplexe Themen kurz und kindgerecht erklären. Das Format ist mittlerweile nicht nur bei Kindern beliebt – auch von Eltern erreichen uns viele Zuschriften und Themenvorschläge. Wir freuen uns, wenn diese Clips neugierig auf ein Thema machen und dazu beitragen, dass Kinder Fragen stellen und sich ein Stück der Welt erschließen können. Ein aktuelles Beispiel ist ein Video-Clip in Zusammenarbeit mit der ESA, der viele Fragen zum Weltraum beantwortet – und auch beleuchtet, wie man Astronaut wird.

Klare Haltung

Mattel hat zweifelsohne eine Vorreiterrolle inne, wenn es um die Themen Inklusion und Integration im Kinderzimmer geht. Gerade in den USA, einem Land mit vielfältigen Kulturen und einer jahrhundertelangen Geschichte, die teilweise mit einem tief verankerten Rassismus einhergeht, ist dies umso bemerkenswerter.
Die erste Barbie mit dunkler Hautfarbe gab es bereits in den 60ern, als Signal gegen Rassismus und für die Gleichstellung aller Menschen. Die Kampagne „Black Lives Matter“ wird von Mattel mit klarer Haltung unterstützt. Positiv zu bewerten ist, dass das Unternehmen dieses Engagement nicht für PR-Zwecke „ausschlachtet“ und sein Engagement nicht „an die große Glocke hängt. Sibylle Dorndorf sprach mit Pressesprecherin Anne Polsak über die moralische Verpflichtung von Unternehmen der Spielwarenbranche, bei den Themen Integration und Inklusion klare Kante zu zeigen.

Frau Polsak, Mattel hat sehr früh Stereotype aufgebrochen und in Gestalt von Spielzeugen Menschen abgebildet, die anders sind. Gibt es einen Kodex im Unternehmen, der den Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Menschen festschreibt?

Mattel ist am besten, wenn sich jedes Mitglied unseres Teams respektiert, einbezogen und gehört fühlt – wenn jeder als er selbst auftauchen und jeden Tag seine beste Arbeit leisten kann. Wir wissen, dass ein großer Teil unseres Erfolges darin begründet ist, ein vielfältiges Unternehmen zu sein, das weit über die üblichen Vorstellungen von Vielfalt in Bezug auf Geschlecht und Herkunft hinausgeht. Wir schätzen und teilen eine unendliche Bandbreite an Ideen und Stimmen, die unsere Perspektiven weiterentwickeln und erweitern, mit einer Reichweite, die sich auf alle unsere Marken, Partner und Lieferanten erstreckt. Unser Team arbeitet an 35 Standorten weltweit und besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen, die alle dazu beitragen unser vielseitiges Sortiment divers und innovativ zu gestalten.
Wir entwickeln innovative Produkte und Erlebnisse, die Kinder spielend unterhalten und fördern und dazu inspirieren, die Welt mit all ihrem Zauber zu entdecken und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Das Thema Diversität hat für uns also eine große und wichtige Bedeutung. Unser Ziel ist es, realen Bezug zu den gespielten Erlebnissen herzustellen, um neue realitätsnahe Spielszenarien zu kreieren, die auf dem basieren, was Kinder in ihrem täglichen Leben sehen und erleben. So können wir Kinder in den ersten Entwicklungsjahren auf spielerische Art und Weise durch verschiedenste Eindrücke prägen. Als die vielfältigste Modepuppenlinie auf dem Markt übernehmen wir eine große Verantwortung dafür, die Welt um uns herum besser widerzuspiegeln und wissen, dass es viele positive Vorteile hat, Kindern Puppen mit unterschiedlichen Hautfarben, Haartypen, Fähigkeiten und mehr bereitzustellen. Wir sind stolz darauf, mit der neuen Barbie Fashionistas-Linie eine noch größere Auswahl an verschiedenen Typen anbieten zu können, damit mehr Kinder sich in unserer Puppenlinie wiederfinden.

Leider ist gestern wie heute Rassismus in allen Ländern der Erde ein bitteres Thema. Mattel unterstützt die Kampagne „Black Lives Matter“ ohne Angst vor möglichen Konsequenzen und/oder Anfeindungen. Das Unternehmen wagt sich damit aus der Deckung und setzt Zeichen. Warum glauben Sie, ziehen noch so wenige Unternehmen der Branche gleich?
Zivilcourage zeichnet sich dadurch aus, dass man auch selbst zu Schaden kommen kann. Durch die Black Lives Matter-Kampagne hat sich letztes Jahr viel getan, wir müssen alle zusammen als Gesellschaft daran arbeiten, dass dieser Wandel weiterhin bestehen bleibt und wir in Zukunft in einer Welt leben, die sich aktiv gegen die Diskriminierung jeglicher Kulturen und Personengruppen positioniert.

Die Kultpuppe Barbie hat im Kontext von Integration und Inklusion unglaublich viel erreicht. In ihren Blogs spricht sie eine deutliche Sprache. Aus der „netten Blondine“ ist eine Kämpferin für Menschenrechte geworden. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, wo Barbie sich positioniert und wozu sie sich äußert?
Barbie wurde 1950 von Ruth Handler erfunden, als sie sah, dass die Spielzeugauswahl für ihre Tochter begrenzt war. Während ihr Sohn Spielzeug hatte, mit dem er sich als Feuerwehrmann, Astronaut, Arzt und vieles mehr vorstellen konnte, gab es für ihre Tochter nur die Wahl, sich als Mutter zu identifizieren. Das inspirierte Ruth dazu, eine Puppe zu entwickeln, die Mädchen zeigt, dass sie die Wahl haben – dass sie alles sein können. Barbie war schon immer eine Vorreiterin, was das Thema Feminismus und brechen von stereotypischen Rollenbildern angeht. Schon 1985 gab es die erste CEO Barbie, die als Chefin ihres eigenen Unternehmens agiert, 1992 kandidierte sie um die Präsidentschaft. Barbie flog schon als Astronautin zum Mond, bevor die erste Mondlandung durch einen männlichen Astronauten überhaupt erfolgte.
Barbie möchte die Welt, die Mädchen heute sehen und erleben, besser widerspiegeln, deshalb orientieren wir uns am Zeitgeist, an neuen Körperidealen und fokussieren uns auch hier vor allem auf das Thema Diversität.

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