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Made in Germany

Diese Bezeichnung gilt seit Ende des 19. Jahrhunderts als Qualitätsmerkmal – auch wenn es kein offizielles Gütesiegel ist. Hersteller entscheiden nämlich selbst, ob sie eine Herkunftsbezeichnung auf ihren Produkten anbringen. Dennoch gilt: Um „Made in Germany“ zu tragen, müssen die wichtigsten Bestandteile der Wertschöpfungskette wie Entwicklung, Design, Produktion und Qualitätssicherung in Deutschland stattfinden. Gibt es Zweifel, prüft ein Gericht. Welche Hersteller von Babyhartware unter anderen bis heute in Deutschland fertigen, fand Astrid Specht heraus.

Alexander Popp, Geschäftsführer Gesslein

Alexander Popp, Geschäftsführer Gesslein

Herr Popp, zu wieviel Prozent werden Gesslein-Produkte in Deutschland beziehungsweise im Ausland gefertigt?
Alexander Popp: Etwa 80 Prozent der Wertschöpfung unserer Kinderwagen werden in Deutschland erbracht und zwar an unserem ursprünglichen Gründungsstandort in Mannsgereuth in Oberfranken. Den Rest fertigen wir in Fernost. Wir haben eine eigene Produktion in China, die stets in engem Austausch mit uns steht und die ich auch aus Deutschland persönlich mit betreue.
Welche Produktionsschritte finden in Deutschland beziehungsweise im Ausland statt?
Der gesamte Entwicklungsprozess und die Konzeption unserer Produkte erfolgen in Deutschland. Hier vor Ort haben wir außerdem unsere Näherei, in der wir sämtliche Textilteile unserer Kinderwagen fertigen und in aufwändiger Handarbeit nähen. Die Kinderwagengestelle werden in China produziert und von dort zu uns ins Werk geliefert. In Mannsgereuth erfolgt dann die Endmontage und -kontrolle, bei der Kinderwagentextilien und Gestell zusammengefügt werden. Im Anschluss werden die Produkte dann direkt an unsere Kunden versandt.

Welche Vorteile ergeben sich daraus für Sie als Hersteller aber auch für Endverbraucher – vor allem bezogen auf Qualität und Sicherheit Ihrer Produkte?
Als Hersteller ist es uns wichtig, die Endkontrolle hier bei uns vor Ort zu haben. So können wir sicherstellen, dass jedes Produkt, das unser Werk verlässt, unseren hohen Qualitätsansprüchen entspricht. Alle Stoffe, die wir verwenden, sind schadstoffgeprüft, was wir durch die Textilproduktion in Deutschland besser kontrollieren und gewährleisten können. Auch im Sinne der Nachhaltigkeit ist es von Vorteil, die Näherei hier bei uns in Deutschland zu haben: Dadurch ist es uns möglich, unsere Kinderwagen auf Bestellung zu produzieren. So vermeiden wir Überproduktion, sparen Ressourcen und stellen sicher, dass stets neuwertige Ware unser Werk verlässt. Neben der Sicherheit unserer Kinderwagen hat der Endverbraucher den besonderen Vorteil, dass er bei uns sogar komplett individuelle Sonderanfertigungen bestellen kann, die wir direkt vor Ort für ihn umsetzen.

Wie kam es dazu, dass bestimmte Produktionsschritte ins Ausland verlegt wurden? Immerhin würde eine vollständig deutsche Produktion ja als Gütesiegel gelten.
Bis um die Jahrtausendwende haben wir unsere Kinderwagengestelle von Herstellern aus der Umgebung bezogen. Zu dieser Zeit drängte aber zunehmend ausländische Konkurrenz auf den Markt, die den deutschen Anbietern technisch teilweise überlegen war. Da seitens der deutschen Gestellhersteller die Investitionsbereitschaft und -möglichkeiten fehlten, um gleichzuziehen, waren deren Gestellkonstruktionen binnen kürzester Zeit überholt und nicht mehr up-to-date. Folglich waren wir gezwungen, uns nach Alternativen umzusehen, die wir schließlich bei Anbietern aus Fernost gefunden haben. Es war die logische Konsequenz, die Gestelle künftig von dort zu beziehen, um weiterhin höchsten technischen Standard anbieten zu können.

Wie haben Sie während des Fabriken-Lockdowns in China die Herausforderungen der Lieferkettenengpässe und -unterbrechungen gemeistert? Und wie werden Sie die in Zukunft umgehen?
Natürlich war die Situation Anfang 2020 auch für uns eine besondere Herausforderung. Wir hatten allerdings gegenüber anderen Herstellern den großen Vorteil, dass wir unsere Kinderwagen in Deutschland nähen. Dadurch waren wir hinsichtlich der Textilproduktion unabhängig von chinesischen Zulieferern. Zwar erhalten wir die Gestelle aus China, planen allerdings bewusst mit ausreichend Lagerbeständen, was in dieser Zeit von Vorteil war. So konnten wir den mehrwöchigen Fabriken-Lockdown in China gut überbrücken, ohne dass es für unsere Kunden zu irgendwelchen Einschränkungen gekommen ist. Auch wenn ein Eigenlager natürlich mit hohen Fixkosten verbunden ist, ermöglicht es uns doch eine gewisse Unabhängigkeit und größere Kontrolle, was uns in dieser besonderen Situation – und mit Sicherheit auch zukünftig – zugute kommt.

Gegründet von Korbflechter Georg Gesslein Ende der 1940er-Jahre. Zusammen mit seiner Frau Anni entwickelt er den ersten Panorama-Kinderwagen der Welt, der in den 60er- und 70er-Jahren zum Bestseller avanciert. 1986 übernehmen Anni und Tochter Waldtraut mit Ehemann das Geschäft. Mit Fokus auf Stoffen, Mustern und Farben gelingt es ihnen, in den 80er- und 90er-Jahren Kinderwagen zum Lifestyle-Produkt zu machen. Heute führt das Geschwisterpaar Alexander Popp und Jeannine Merkl Gesslein mit sicherer Hand. Sie vereinen Tradition & Innovation, Technik & Design, Mode & Funktionalität sowie Lifestyle & Nachhaltigkeit und kreieren moderne Kinderwagen für Millenials.

Bewerten Sie vor dem Hintergrund der Pandemie die Vorteile/Nachteile der Auslandsstandorte neu? Zu welchem Ergebnis kommen Sie dabei?
In der Pandemie hat sich gezeigt, dass wir mit unserer Kombi-Ausrichtung ganz gut fahren beziehungsweise hier eine gute Balance gefunden haben. Die eigene Gestellproduktion in China ermöglicht uns ein Preis-Leistungs-Verhältnis bei unseren Kinderwagen, das wir niemals halten könnten, wenn wir die Wertschöpfungskette komplett in Deutschland beziehungsweise Europa hätten. Andererseits begeben wir uns nicht in eine totale Abhängigkeit, sondern behalten wichtige Produktionsschritte wie etwa die Textilherstellung und besonders auch die Endkontrolle hier in Deutschland. Dadurch können wir die Qualität und Sicherheit unserer Produkte gewährleisten. Ich würde daher sagen: Aktuell ist unser Herstellungsprozess so austariert, dass er die Vorteile aus beiden Standorten ganz optimal nutzt.

Wie sehen die nächsten zehn Jahre bei Gesslein idealerweise aus – wird der Standort Deutschland/Europa (wieder) wichtiger oder wird er im Gegenteil an Bedeutung verlieren?
Für uns hat der Standort Deutschland beziehungsweise ganz konkret unser Firmenstandort in Mannsgereuth schon aus der Tradition heraus eine große Bedeutung. Das haben wir zuletzt auch dadurch unterstrichen, dass wir in den letzten Jahren viel in unsere Produktions- und Vertriebsstätten hier investiert haben. Dennoch ist es als modernes Unternehmen wichtig, über den Tellerrand zu blicken und internationale Möglichkeiten auszuschöpfen. Insofern werden wir bei unserer Produktion auch in Zukunft an dieser Kombi-Ausrichtung festhalten, da sie uns die nötige Flexibilität ermöglicht. Unser Schwerpunkt und die Seele unseres Unternehmens liegen aber eindeutig in Deutschland und das wird auch in den nächsten zehn Jahren so bleiben.

gesslein.de

John Hartan, Geschäftsführer Hartan

John Hartan, Geschäftsführer Hartan

Herr Hartan, zu wieviel Prozent werden Ihre Produkte in Deutschland beziehungsweise im Ausland gefertigt? 
Alle unsere Produkte werden in Deutschland gefertigt mit Ausnahme zweier Buggymodelle. Beim Material achten wir im Einkauf auf faire Europäische Produktionen. Die eigentliche Fertigung unserer Kinderwagen findet aber hier in unserem Werk in Gestungshausen statt, inklusive Textilzuschnitt, Näherei, Metallfertigung und Gestellmontage. Die Kunststoffe verwenden wir ebenfalls aus deutscher Produktion.

Welche Vor- und eventuell auch Nachteile ergeben sich aus einer rein deutschen Produkt für Sie als Hersteller aber auch für Endverbraucher – vor allem bezogen auf die Qualität, Sicherheit und den Preis Ihrer Produkte?
Für uns überwiegen definitiv die Vorteile durch die Qualität, die wir Made in Germany erreichen und durch unsere hohe Flexibilität. Wir können jederzeit in den Fertigungsprozess eingreifen. Sicherheit wird bei uns ganz groß geschrieben. In enger Zusammenarbeit mit dem TÜV Thüringen werden unsere Kinderwagen durch freiwillige Tests regelmäßig von unabhängigen Experten kontrolliert. Selbstverständlich hat das seinen Preis. Letztendlich überwiegen für uns klar die Vorteile, die auch von unseren Fachhändlern und von den Endverbrauchern geschätzt werden.

Wie kommt es, dass Sie sich dagegen entschieden haben, Produktionsschritte ins Ausland zu verlagern? 
Wir wollen dem Endverbraucher einen echten Mehrwert bieten, indem wir Lieferketten kontrollieren, Kinderarbeit ausschließen, Arbeitsplätze sichern sowie echte Nachhaltigkeit anbieten durch kurze Transportwege und größtmögliche Vermeidung von Seefrachten. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass wir einen großen Vorteil haben, da wir nicht auf Lieferketten aus Fernost angewiesen sind.

Glauben Sie, dass viele Hersteller vor dem Hintergrund der Pandemie jetzt China beziehungsweise Asien als Produktionsstandort aus dem Fokus nehmen? So ließen sich Lieferkettenprobleme möglicherweise leichter umgehen … 
Das glaube ich nicht, weil die Produktionsstandorte in China/Asien nicht so einfach irgendwoanders hin verlagert werden können. Denn es ist nicht möglich, von heute auf morgen eine Kinderwagenproduktion aufzubauen. Das benötigt hohe Investitionen und technisches Know-how.

Welche Bedeutung hätten Standortverlagerungen Ihrer Mitbewerber für Ihr Geschäft?
Jede Marke trägt ihre eigene Signatur. Dadurch sehe ich keine Beeinflussung für unser Familienunternehmen.

Wie sehen die nächsten zehn Jahre bei Hartan aus – bleibt der Standort Deutschland weiterhin wichtig für Sie oder wird sich daran etwas ändern?
Wir haben in unserer fast 130-jährigen Geschichte immer an der Produktion in Deutschland festgehalten und planen, diese Traditionen fortzuführen. Wir stellen uns den Herausforderungen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels. Die Attraktivität wertiger und umweltgerechter Produkte ist beim Endverbraucher angestiegen. Wir werden unsere Anstrengungen weiter in diese Richtung lenken. 

hartan.de

Der Grundstein für das Unternehmen wird bereits 1892 gelegt. Damals stellt Hartan noch Korbwaren her. 1920 wird das Sortiment um Korbmöbel erweitert, seit 1950 konzentriert sich das familiengeführte Unternehmen auf die Produktion von Kinderwagen und Zubehör. Von Anfang an ist es Hartan wichtig, Entwicklung und Fertigung – von den Gestellen bis hin zum Vernähen der Stoffe – komplett in Deutschland zu halten. So kann die gesamte Wertschöpfungskette lückenlos und kontinuierlich überwacht werden.

Patricia Hesselbacher, Geschäftsführerin Hesba

Patricia Hesselbacher, Geschäftsführerin Hesba

Frau Hesselbacher, zu wieviel Prozent werden Hesba Produkte in Deutschland beziehungsweise im Ausland gefertigt?
Wir sind eine kleine Manufaktur und fertigen nur in Deutschland. Unsere Zulieferer für Gestelle, Kunststoffteile und Räder sind ebenfalls aus der Region und produzieren auch ausschließlich hier. Was man zum Beispiel nicht mehr in Deutschland kaufen kann, weil es dafür keinen Anbieter mehr gibt, sind unsere Speichenfelgen für die Räder, diese kommen aus Italien. Die schlauchlosen Luftkammerräder werden aber in Oberfranken hergestellt und auf die Felgen aufgezogen.

Welche Vor- und eventuell Nachteile ergeben sich aus einer vorwiegend deutschen Produktion für Hersteller aber auch für Endverbraucher – bezogen auf die Qualität, Sicherheit und den Preis Ihrer Produkte?
Letztendlich ist der einzige Nachteil bei Made in Germany der Preis, sonst sehe ich hier nur Vorteile: kurze Lieferwege, zuverlässige Qualität, deutsche Arbeitsplätze, Liebe zum Handwerk, traditionelles arbeiten und Know-how in Deutschland.

Wie kommt es, dass Sie sich dagegen entschieden haben, Produktionsschritte ins Ausland zu verlagern? 
Weil es nicht zwingend notwendig war! Wir produzieren ein Nischenprodukt und unsere Kunden danken es uns, dass wir noch eine Manufaktur sind, die Wert auf Qualität und regionale Produktion legt. Wir arbeiten nicht im Akkord, sondern jeder Kinderwagen wird individuell als Einzelstück sorgfältig hergestellt. Damit unterscheiden wir uns von Massenprodukten aus dem Ausland.

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, der Lockdowns und der Schließungen im Fachhandel: Sind Sie mit der Fertigung in Deutschland Ihren Mitbewerbern jetzt um eine Nasenlänge voraus?
Das könnte durchaus sein, allerdings sind auch unsere Lieferanten von Corona betroffen und arbeiten teilweise eingeschränkt. Werkstätten die aufgrund der Pandemie jetzt nur noch mit halber Kraft arbeiten können oder Mitarbeiter, die in Quarantäne sind, das ist derzeit leider keine Seltenheit.

Glauben Sie, dass viele Hersteller vor dem Hintergrund der Pandemie jetzt China beziehungsweise Asien als Produktionsstandort aus dem Fokus nehmen? So ließen sich Lieferkettenprobleme möglicherweise leichter umgehen … 
Das kann ich nicht beurteilen und das wird wohl auch nicht so schnell umzusetzen sein.

Wie sehen die nächsten zehn Jahre bei Hesba idealerweise aus – bleibt der Standort Deutschland/Europa weiterhin wichtig oder wird er im Gegenteil an Bedeutung verlieren?
Für uns gibt es nur diesen einen Weg. Solange es Hesba geben wird, werden wir auch in Deutschland produzieren. Das gehört zusammen.

hesba.de

Das Unternehmen wird 1925 von Konrad Hesselbacher gegründet. Damals besteht das Sortiment noch aus Körben und Puppenwagen. Seit 1950 ist Hesba auf die Fertigung von Kinderwagen spezialisiert – zunächst noch aus Holz und Korbgeflecht, später und bis heute aus Leichtmetall. Die weiche Federung ist ein Markenzeichen des Herstellers. Heute legt Hesba Wert auf moderne Funktionen, schadstofffreie Materialien, kompetenten Kundenservice sowie hochwertige Handarbeit Made in Germany.

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