Fast wie im Mutterbauch

Pucken

Pucken – eine spezielle Technik, das Baby ganz fest einzuwickeln und so zu beruhigen, wird oft von Hebammen empfohlen. Welche Vorteile diese alte Technik hat, weiß die Berliner Hebamme Jana Friedrich. Seit drei Jahren bloggt sie altes Hebammenwissen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Säuglinge. Seit vergangenem Jahr ist ein eigener Online-Shop dazu gekommen, in dem sie die von ihr empfohlenen Produkte direkt anbietet.

Frau Friedrich, das Pucken ist ja erst seit einigen Jahren bei uns gängig, woher kommt denn die Idee?
Auch wenn es sich hier erst seit einiger Zeit durchgesetzt hat, wird das Pucken doch in vielen Ländern angewandt. In Russland zum Beispiel ist es sehr gängig, aber auch in Südamerika und China hat pucken eine lange Tradition. Schließlich hat man auch bei uns irgendwann festgestellt, dass das ganz enge Einwickeln das Baby beruhigt.

Wie erklären Sie sich die beruhigende Wirkung?
Das Fest-Eingewickelt-Sein erinnert an die Enge im Bauch der Mutter. Außerdem unterdrückt es den Moro-Reflex bei Neugeborenen. Werden sie erschreckt, reißen sie die Arme hoch. Durch diese Bewegung wachen sie auf oder erschrecken sich noch mehr – das wird verhindert. Allerdings kommt es auch auf die Dosis an. Zum Schlafen etwa kann es sinnvoll sein, aber Babys brauchen auch immer wieder die Möglichkeit, sich zu bewegen. Pucken sollte auch nur in den ersten drei Lebensmonaten angewandt werden.

Für welche Kinder und Situationen empfehlen Sie das Pucken?
Ich empfehle generell, es auszuprobieren, gerade wenn Babys zu abendlichen Schreistunden neigen. Es gibt Kinder, die sehr gut darauf reagieren, andere mögen es gar nicht. Eltern sollten aber nicht erst pucken, wenn das Kind schon schreit und strampelt. Oft kennen sie schon ungefähr die Zeit, wenn das Schreien beginnt. Es ist ja meist eine Folge von Überreizung, dann ist es wichtig, vorher schon „herunterzufahren“: zum Beispiel den Raum zu verdunkeln, das gepuckte Kind in den Arm zu nehmen, es leicht zu schaukeln und dabei leise zu sprechen oder zu summen.

Das Pucken kann also den Eltern helfen, ein Ritual einzuführen.
Ja, und das Ritual kann wirklich beim Einschlafen helfen. Alleine schon, weil Mutter oder Vater das Gefühl haben, sie können dem Baby aktiv helfen und selbst ruhiger werden. So vermitteln sie dem Kind das Selbstbewusstsein, um es beruhigen zu können. Ganz wichtig ist, Eltern sollten nicht 500 Sachen auf einmal ausprobieren, das heißt: sich und dem Kind auch beim Pucken erst einmal Zeit lassen.

Worauf sollte man hinsichtlich des Materials achten?
Bei Neugeborenen reicht schon ein einfaches, quadratisches Mulltuch. Das Kopfende wird umgeklappt, dann wird eine Seite schräg über Schulter und Arm eingeschlagen, die andere Seite wird gegengleich eingeschlagen. Bei Babys, die das Pucken mögen, lohnen sich auch spezielle Pucktücher. Der Schnitt macht das Einwickeln leichter und dank Klettverschlüssen verrutscht nichts. Aber immer darauf achten, dass dem Baby nicht zu warm wird und je nach Dicke des Materials nur Windel und Body darunter ziehen.

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