Kleine Helden

leben sicher

Die Homepage www.kleineheldenlebensicher.de berät Eltern zu allen Fragen rund um das Thema Kindersicherheit. Hinter diesem Informationsportal steht der bei Köln ansässige Bundesverband Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller (BDKH). Die Mitglieder des Verbands möchten Eltern helfen, ihre Kinder zu schützen und tägliche Risiken zu reduzieren.

Im Fokus der Aufklärungsarbeit der Verbandsmitglieder steht die Sicherheit von Produkten aus der Baby- und Kinderausstattungsindustrie. Wir möchten wissen, wie sicher die Produkte für die deutschen Verbraucher eigentlich sind und fragen nach bei Alessandro Zanini, Vorstandsvorsitzender des BDKH und Verkaufsleiter der Firma Britax Römer.

Herr Zanini, Sie arbeiten bereits seit 20 Jahren in der Branche für Baby- und Kinderausstattung. Wie sorglos können Ihrer Einschätzung nach Eltern in Deutschland einkaufen?
Eltern können hier recht entspannt einkaufen, schließlich existieren gesetzliche Bestimmungen zur Produktsicherheit, an die sich alle Hersteller halten müssen. Natürlich gibt es immer mal wieder einige schwarze Schafe, meist No-Name-Hersteller aus Fernost, die versuchen, unsere Bestimmungen zu umgehen. Sie bringen Produkte auf unseren Markt, die eine viel schlechtere Qualität oder andere Inhaltsstoffe haben als die Muster, die sie für die Zulassung zur Verfügung gestellt haben. Solche Tricksereien kommen dann über Stichproben zu Tage.

Informieren Sie die Leser von www.kleineheldenlebensicher.de über gesundheitsgefährdende Produkte?
Sofern wir davon Kenntnis haben, selbstverständlich.

Normalerweise nennen Sie weder Firmen- noch Produktnamen auf der Homepage.
Wir sind nicht Stiftung Warentest und wollen das auch gar nicht sein. Uns geht es in erster Linie um eine kompetente und seriöse Aufklärung. Nehmen Sie die viel diskutierten Weichmacher. Tatsache ist, dass es für manche Produkte unumgänglich ist, Weichmacher zu enthalten, da sie erst dadurch ihre Funktionsfähigkeit erhalten. Weichmacher und alle Produkte mit Weichmachern an den Pranger zu stellen, führt den Verbraucher in die Irre. Es sollte vielmehr unterschieden werden, wie und wo diese Inhaltstoffe eingesetzt werden.

Seitens der Industrie werden immer wieder Testverfahren angezweifelt …
Zu Recht. Viele der gängigen Testverfahren arbeiten mit Methoden, die nicht ausreichend transparent gemacht werden. Außer Acht gelassen wird zudem oft die Frage, wo sich im Produkt genau die bemängelten Schadstoffe befinden. Im Reifen eines Kinderwagens mögen beispielsweise Schadstoffe sein, die sich bei Speichelkontakt lösen können. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass ein Kind den Reifen eines Kinderwagens in den Mund nimmt?
Sicher ist hingegen, dass bereits nach einmaliger Benutzung Unmengen von Schadstoffen am Reifen kleben. Also da muss man die Kirche auch mal im Dorf lassen.

Auch Kindersitze sind immer wieder in der Kritik.
Als Verkaufsleiter der Firma Britax Römer kenne ich mich mit Kindersitzen sehr gut aus. Die Sicherheitsstandards bei den Premiummarken sind sehr hoch und gehen weit über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus. Kindersitze die „nur“ den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, stoßen natürlich irgendwann an ihre Grenzen. Doch grundsätzlich gilt folgendes: Unfallschäden entstehen überwiegend nicht dadurch, dass der Sitz schlecht ist, sondern dadurch, dass die Kinder nicht richtig angeschnallt sind oder der Kindersitz nicht korrekt befestigt ist.

Die Initiative „Kleine Helden leben sicher“ steckt ja noch in den Kinderschuhen. Wo geht die Reise hin?
Die Resonanz unserer Leser und die ersten Mediadaten sind sehr ermutigend. Wir sind definitiv auf dem richtigen Weg und möchten die Verbraucher so umfassend wie möglich informieren. Daher sprechen wir im Moment auch mit dem Verband der Spielwarenindustrie über eine mögliche Zusammenarbeit. Denn natürlich ist der Informationsbedarf über die Produktsicherheit von Spielzeug genauso hoch wie bei Baby- und Kinderausstattern.

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Prof. Dr. Peter Biberthaler, Leiter der Unfallchirurgie am Klinikum Rechts der Isar, unterstützt die Initiative des BDKH als unabhängiger Experte. Wir fragen nach, wie sich Unfälle bei Kindern vermeiden lassen und wie sich Eltern im Ernstfall verhalten sollen.


Herr Professor Dr. Biberthaler, Unfälle gehören zu den größten Gesundheitsrisiken für Kinder. Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die jährlich nach Unfallverletzung ärztlich versorgt werden müssen, wird auf rund 1,7 Millionen geschätzt. Um welche Art von Unfällen handelt es sich?
Eine erhebliche Anzahl der Unfälle erfolgt zu Hause, natürlich vor allem bei Babys und Kleinkindern. Sobald Kinder ihren Radius erweitern, kommen weitere Unfallorte dazu wie der Kindergarten, die Schule und der Straßenverkehr.

Haben Sie für Eltern einen Tipp, wie sich Unfälle vermeiden lassen?
Zunächst einmal sollten Eltern alle vorhandenen Sicherheitssysteme nutzen. Kindersitz, korrektes Anschnallen, Fahrradhelm, Leuchtwesten, um einige zu nennen – all das sollte in einer Familie schlicht nicht verhandelbar sein. Gleichzeitig sollten Eltern ihren Kindern ein unfallverhütendes, präventives Verhalten vorleben. Dazu gehört, dass man sich selber anschnallt und auch selber die Verkehrsregeln befolgt. Man muss die Kinder über die vorhandenen Gefahren sensibilisieren, damit sie verstehen, welche Situationen kritisch sind. Kinder können sich nur schlecht vorstellen, was es bedeutet, tot zu sein, aber wenn sie eine tote Katze am Straßenrand sehen, die vielleicht überfahren wurde, dann verstehen sie sofort und sehr gut, um was es geht.

Welche Verletzungen sind die häufigsten?
Glücklicherweise ist es so, dass die häufigsten Verletzungen eher harmlos sind – Prellungen, Schürfungen, gebrochene Extremitätenknochen. Aber natürlich sehen wir auch schwerste Verletzungen.

Mit welchen Verletzungen sollte man sofort in die Klinik?
Ich rate allen Eltern, lieber einmal zuviel als zuwenig in die Klinik zu gehen. Verletzungen am Kopf oder im Bauchraum erfordern eine sofortige Vorstellung in der Klinik. Dann herrscht Alarmstufe Rot.

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