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125 Jahre Schildkröt

Wenn ein Unternehmen es versteht, über so einen langen Zeitraum das Spannungsfeld aus Tradition und Innovation zu nutzen, um sich immer weiterzuentwickeln, sehen auch die nächsten 125 Jahre rosig aus. Happy Birthday, Schildkröt!

Als 1896 die „Rheinische Gummi und Celluloid Fabrik“ in Mannheim-Neckarau gegründet wurde, war nicht absehbar, dass daraus einmal einer der bekanntesten Hersteller für Freizeitsportartikel Deutschlands werden würde. Denn ursprünglich entwickelte das Unternehmen die Blas-Presse-Methode, ein Produktionsverfahren für Hohlkörper aus Celluloid, wofür es bis heute Patente hält. Dieses Verfahren wurde später angewendet, um unter der Marke Schildkröt Puppenköpfe und schließlich auch Tischtennisbälle anzufertigen. Grund für die Wahl der Schildkröte als Unternehmenslogo war die Ähnlichkeit, die der Panzer des Tiers mit der Tönung und Musterung der Celluloid-Erzeugnisse hat. Das Reptil versinnbildlicht zudem Unverwüstlichkeit, Dauerhaftigkeit und Widerstandsvermögen. So gilt Schildkröt bis heute als Erfinder des Tischtennisballs.
Anfang der 1980er-Jahre wurde die Schildkröt-Produktpalette in die Bereiche Puppen, Spielwaren und Tischtennis aufgeteilt. Die Schildkröt-Puppen existieren auch heute noch mit einer eigenen Produktion in Thüringen. Als 1984 die Familie von Keller den Sportartikelbereich übernahm, wurde zunächst das letzte verbliebene Werk in Mannheim-Neckarau geschlossen und gegen Ende der Dekade die erste westliche Tischtennisproduktion in China aufgebaut.
1992 wurde dann die MTS Sportartikel Vertriebs GmbH gegründet, die die zuvor hinzugekauften Racketsportmarken (Donic-)Schildkröt (Tischtennis), Talbot-Torro (Badminton) und Unsquashable (Squash), die Bereiche FunSports, Fitness und Fun Wheels unter der Marke Schildkröt sowie die Rucksack-Marke Wheel Bee unter einem Dach vereint.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Jahr 2000 verbanden sich in einer Kooperation die bekannten Tischtennis-Marken Donic und Schildkröt zu Donic-Schildkröt. Sie gilt heute als eine der bekanntesten und marktführenden Tischtennismarken in Zentraleuropa.
Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens setzte sich fort, als 2007 dem Portfolio Funsport-, Beach- und Wassersportartikel hinzugefügt wurden. Ob Neoprenbälle, Wurfscheiben-, Rückschlag- und Gartenspiel – ab sofort war für jeden Geschmack etwas dabei. 2013 kamen schließlich noch Kleinfitnessgeräte für unterwegs und den Hausgebrauch hinzu. Seit 2018 gibt es zudem ein Sortiment an hochwertigen Scootern, Skateboards und Waveboards in coolen Designs für jedes Alter und Können.
Heute ist MTS/Schildkröt stabil in Deutschland, Europa und der ganzen Welt aufgestellt, exportiert das Unternehmen seine Produkte doch in über 70 Länder. Und trotz dieser kosmopolitischen Ausrichtung spürt man, dass das Herz von Schildkröt im oberbayerischen Wolfratshausen schlägt und in der Hand einer Familie liegt, denn hier stehen neben dem steten Willen zur Innovation noch Werte wie Zuverlässigkeit, Qualität und Kundenzufriedenheit an erster Stelle.

mts-sport.de

Patenturkunde für die Blas-Press-Methode

Produktion 1889

Produktion 2017

Jean-Marc von Keller, geschäftsführender Gesellschafter von MTS/Schildkröt

Bewegte Zeiten

Jean-Marc von Keller ist seit über 30 Jahren an Bord von MTS/Schildkröt und leitet seit 1994 die Geschicke der Firma. Im Interview mit Astrid Specht wirft er einen Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft des Unternehmens.

Herr von Keller, 125 Jahre Schildkröt ... Von Puppenköpfen über Tischtennisbälle und Spielware bis hin zu Fun- und Outdoor-Produkten. Das Unternehmen kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, während der es sich und sein Portfolio immer wieder neu erfunden hat. Welches Resümee ziehen Sie, wenn Sie auf diesen Zeitraum zurückblicken?
Schildkröt kann in der Tat auf eine bewegte Geschichte mit Tiefen und zuletzt auch vielen Höhen zurückblicken. Unterm Strich zeigt sich, dass sich ein Unternehmen immer weiterentwickeln und sich den immer schneller werdenden Veränderungen anpassen muss, um erfolgreich zu sein. Als ich vor etwas mehr als 30 Jahren an Bord kam, war eine meiner ersten Handlungen die Organisation des Umzugs und der Schließung des restlichen noch verbliebenen Werkes in Mannheim im Jahr 1986. Die Produktion in Deutschland war lange defizitär und musste daher komplett aufgelöst werden. Darauf folgte eine Konzentration und ein kontinuierlicher Wiederaufbau der Marke im Bereich Tischtennis. Dies ist uns mit einer eigenen Produktionsstätte in China, unserem Büro in Hongkong und dem EuropaVertrieb gut geglückt. Im Vertrieb zeigte sich dann sehr schnell, dass wir zum weiteren Überleben am Markt die Sortimente erweitern müssen, um ernstgenommen zu werden. Dies erfolgte zunächst durch den Kauf der Racketsport-Marken Talbot-Torro und Unsquashable. Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass wir mit der Marke Schildkröt hervorragende Möglichkeiten hatten, zusätzliche Bereiche wie Funsport, Fitness oder Rollsport zu entwickeln.

Im Frühjahr und Sommer sind Radfahren und Outdoor-Spiele sehr beliebt. Wie sieht Ihre Vertriebsstrategie für Herbst und Winter aus – auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie?
Die Pandemie hat uns ein in jeder Hinsicht völlig verrücktes Jahr beschert, und wir haben versucht, uns stets so schnell und flexibel wie möglich auf die geänderten Gegebenheiten und die stark erhöhte Nachfrage bei vielen unserer Produkte einzustellen. Wahrscheinlich wird auch in den kommenden Monaten große Flexibilität nötig sein. Für die Herbst-/Winter-Saison sehen wir viele gute Möglichkeiten für unsere Händler, interessante Umsätze mit unseren Artikeln zu generieren:

So haben wir neue Funsport-Spiele für Indoor entwickelt, die unser Sortiment erweitern. Tischtennis ist immer ein Winterthema, da viele Familien Tische im Hobbykeller stehen haben und außerdem auch kleinere Platten für kleinere Wohnungen verfügbar sind. Unser Fitnesssortiment mit vielen kleinen Home-Fitness-Artikeln, ist vor allem im Sportfachhandel, aber auch bei einigen Spielwarenhändlern, der absolute Renner in der Pandemie.

Wie hat sich die Art und Weise, wie Sie Handel betreiben, im Lauf der Zeit verändert? Wie werden Sie in Zukunft Handel betreiben?
Wir sind mit dem Fachhandel groß geworden und das vergessen wir natürlich nicht. Mit unserem fünfköpfigen Außendienst in Deutschland sind wir nach wie vor im Mittelstand stark vertreten, und dieser Bereich ist wichtig für uns. Mit vielen unserer Kunden erfolgt heute ein elektronischer Datenaustausch, und die Modernisierung unserer Firma ist ein fortlaufender Prozess. Hier hat Corona vieles beschleunigt und Entwicklungen angeschoben. Kundenseitig gibt es heute natürlich vor allem neue Online-Handelsformate und es wäre fahrlässig, diese zu ignorieren. Hierbei ist uns eine ausgewogene Verkaufspolitik wichtig, die den stationären Handel nicht vergisst. Insgesamt ist es sicher so, dass heute eine reibungslose und schnelle Abwicklung noch wichtiger geworden ist.

Welche Rolle spielt Digitalisierung in Ihrem Unternehmen?
Der digitale Wandel beschäftigt uns schon seit langem und wird uns auch die nächsten Jahre begleiten. Für unsere Größe waren wir in dem Bereich sicher schon früh gut aufgestellt, und wir sind stets wach. Trotzdem hat die Pandemie nochmals mit voller Härte aufgezeigt, wo es Handlungsbedarf gibt, und da sind wir zurzeit sehr aktiv.

Zum Schluss noch ein Blick in die Glaskugel: Was bringen die nächsten 125 Jahre für MTS/Schildkröt?
In einer Zeit, in der der Fortschritt und Veränderungen immer schneller voranschreiten, dürfen wir in den nächsten 125 Jahren einiges Neues erwarten. Gleichzeitig hoffen wir, dass Bewährtes und Traditionen und somit auch unsere alte, deutsche Marke Schildkröt weiterhin und gerade auch deshalb einen Platz haben werden. Auf etwas kürzere Sicht werden wir sicher vieles dafür tun, der alten Schildkröte „Beine zu machen“ und dafür zu sorgen, dass sie nicht von der Zeit überholt wird. Dazu gehört unter anderem die fortlaufende Modernisierung, das flexible Einstellen auf neue Gegebenheiten sowie viele neue Ideen zur Sortimentserweiterung bei gewohnt hohen Qualitätsstandards und immer mit Blick auf unsere Ursprünge und Geschichte.

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