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Tragen statt Wagen

Was denken Eltern über das Thema Babytragen? Wie wichtig sind Tragen und Tücher heute in ihrem Alltag? Ersetzen sie bereits den Kinderwagen? Wer wird vor einem Kauf zu Rate gezogen, und welche Marken sind bekannt und beliebt? Antworten auf viele, besonders für Hersteller interessante Fragen liefert die gerade beendete Trageumfrage, an der sich in den deutschsprachigen Ländern mehr als 10.000 Eltern sowie werdende Mütter und Väter beteiligt haben.

Tragen und Tücher sind heute fester Bestandteil der Erstausstattung. Das und viele andere spannende Ergebnisse zeigen die Zahlen der Erhebung der Projektinitiatoren, die die „Trageumfrage 2020“ gemeinsam mit der Unterstützung der Sponsoren umgesetzt haben (siehe Kasten). Ziel der Umfrage ist es, einen Status Quo zu Erwartungen und Erfahrungen rund ums Tragen, zu Trageberatungen und verschiedenen Trageprodukten zu ermitteln.

Ein Muss auf der Wunschliste

Mamas – so eines der wichtigsten Resultate der Umfrage – tragen ihr Kind in 98,7 Prozent der Fälle, bei den Papas sind es 73,7 Prozent. Die Ergebnisse bei den Eltern decken sich mit den Plänen von jenen, die es gerade werden: Schwangere und ihre Partner*innen geben zu 98,2 Prozent an, nach der Geburt eine Trage oder ein Tragetuch nutzen zu wollen. 40,6 Prozent der zukünftigen Eltern hat vor, im dritten Trimester der Schwangerschaft eine Trage zu kaufen, 40,1 Prozent will das erst nach der Geburt tun.
„Bei fast allen Eltern steht heute eine Babytrage mit auf der Wunschliste“, sagt Robin Homolac, Senior Brand Marketing Manager beim Babytragenhersteller Ergobaby Europe und dreifacher Vater.

„Gerade Tragetücher waren früher eher in der Domäne der alternativen Elternschaft angesiedelt. Heute ist das Tragen im Mainstream angekommen.“ Das zeigen auch die Ergebnisse der Umfrage. Homolac: „Diese Nähe, die Mamas schon beim Stillen erleben, erfahren Papas beim Tragen ganz nah am Körper. Das kann die ganze Beziehung nachhaltig positiv beeinflussen.“

Die Nähe ist wichtig

Nähe ist auch in der Trageumfrage 2020 der mit Abstand meistgenannte Grund (76,7 Prozent) für das Babytragen – gefolgt von „gut für Babys Entwicklung“ (9,9 Prozent) und „gut für Babys Ergonomie“ (4,5 Prozent). Bei den offenen Antwortmöglichkeiten werden zudem noch Flexibilität und Beruhigung des Kindes genannt. Unabhängigkeit vom Kinderwagen und die Hände frei haben dürfte ausschlaggebend für jene 18,9 Prozent der Teilnehmer*innen mit Kind sein, die angeben, bei größeren Distanzen ausschließlich mit Trage oder Tragetuch unterwegs zu sein. 75,8 Prozent der Befragten nutzen sowohl Kinderwagen oder Buggy als auch Trage oder Tragetuch. Nur 5,3 Prozent der Eltern verlassen sich ausschließlich auf den rollenden Transport.
„Dieses Ergebnis bestätigt, was Eltern ganz intuitiv spüren. Und heutzutage unterstützt es unsere Gesellschaft: Das Tragen ist zu einem modernen und angemessenen Mittel geworden“, so die Trageexpertin Michaela Lehner von Die Trageschule Österreich und Schweiz. Beim Punkt „Ergonomie“ hätte sich Robin Homolac noch mehr Nennungen gewünscht. Schließlich heißt sein Unternehmen „Ergobaby“, weil Tragen wie der aktuelle Bestseller Omni 360 Cool Air Mesh die gesunde physische Entwicklung der Kinder durch die M-Stellung (Anhock-Spreizhaltung) fördert und auch die optimale Gewichtsverteilung für die Tragenden im Blick behält.

Die Trageumfrage 2020 holte von Juli bis September insgesamt 10.132 Meinungen in Deutschland , Österreich und der Schweiz ein. Abgefragt wurden Einstellungen und Erfahrungen mit Babytragen und -tüchern, zu Trageberatungen und Produkten in diesem Segment. Teils waren bei den Antworten Mehrfachnennungen möglich. Die anonyme Online-Erhebung richtete sich an Schwangere und deren Partner*innen sowie an Mütter und Väter. Die Umfrage ist eine gemeinsame Initiative von Stefan Eipeltauer und seinem Team von Fokus Kind Medien und wurde inhaltlich von der Trageexpertin Michaela Lehner von Die Trageschule Österreich und Schweiz unterstützt. Finanziell wurde das Projekt durch die Tragehersteller Fräulein Hübsch, Buzzidil und Ergobaby ermöglicht. Die Ergebnisse sind auf der Webseite Trageumfrage.com veröffentlicht.

In der Umfrage sprechen sich die Teilnehmer*innen bei der Multiple Choice-Frage „Für welche Trageweisen sollte eine Trage geeignet sein?“ zu 94,2 Prozent für die Position vor dem Bauch mit Blickrichtung zu den Eltern aus, 78 Prozent für die Rückenposition, 31,2 Prozent für die Hüftposition und nur 18,2 Prozent für die Bauchposition frontal in Blickrichtung der Eltern. Der Ergobaby-Topseller auf internationaler Ebene sei eine 4-Positionen-Trage, die neben Bauch, Hüfte, Rücken auch die nach vorn gerichtete Blickrichtung des Kindes erlaube. Homolac: „Wegen der Gefahr einer Reizüberflutung empfehlen wir aber, das Kind erst ab sechs Monaten kurze Intervalle mit Blick nach vorn zu positionieren.“ Michaela Lehner beobachtet, dass Eltern die für sie am besten geeignete Methode ganz intuitiv wählen und dabei von Trageberater*innen individuell beraten werden.
Die Gründe, warum manche (werdenden) Eltern weder Trage noch Tragetuch verwenden, sind laut Umfrage „zu unkomfortabel oder zu kompliziert in der Handhabung“ (37 Prozent), das Kind habe „die Trage/das Tragetuch nicht angenommen“ (33,9 Prozent), „finanzielle Gründe“ (15,4 Prozent), „medizinische Gründe“ (10,7 Prozent) und schließlich „pädagogische“ beziehungsweise „modische Gründe“, die mit 1,6 Prozent und 1,4 Prozent angegeben werden.

Trageberatung erwünscht

In der Umfrage zeigen sowohl werdende als auch Eltern mit Kind zu etwa jeweils 50 Prozent deutliches Interesse an einer professionellen Trageberatung. Jene, die bereits eine Trageberatung gemacht haben, haben diese zu 97,2 Prozent als hilfreich empfunden. Gerade in den vergangenen Monaten haben laut Michaela Lehner sowohl Angebot als auch Nachfrage von Live-Online-Beratungen stark zugenommen. Und auch Unternehmen sehen hier Potenzial. Denn in der Umfrage geben Eltern an, beim Kauf meist auf die Empfehlung von professionellen Trageberater*innen zu vertrauen (51,3 Prozent), gefolgt von Freunden oder Bekannten (42,6 Prozent), offiziellen Tests und Bewertungen (23,8 Prozent) sowie Internetforen und Gruppen (21,9 Prozent).
Last but not least untersucht die Umfrage auch, inwieweit Marken bekannt sind. Als bekannteste Marken beziehungsweise Unternehmen werden in absteigender Häufigkeit Didymos, Ergobaby, Manduca, Fräulein Hübsch und Kokadi genannt. Bei den Eltern, die schon Tragen oder Tragetücher besitzen, gehören zu den fünf meistgekauften Modellen die der Unternehmen Didymos, Manduca, Ergobaby, Kokadi und Fräulein Hübsch. Bei den Modelltypen rangieren Tragen mit Schnallen (58,4 Prozent) ganz oben, gefolgt von Tragen zum Binden und Schnallen (46,5 Prozent), gewebten Tragetüchern (45,8 Prozent), Tragetüchern zum Binden (29,4 Prozent), elastischen Tragetüchern (26,9 Prozent) und Tragekraxen (9,8 Prozent).

Lioba Hebauer

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