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Spiele

Frisch auf den Tisch, Folge 8

In regelmäßigen Abständen werden wir auf toys-kids.de Brettspiel-Rezensionen von Spieleexperte Peter Neugebauer präsentieren. Immer frisch. Immer aktuell.

Im Oktober, mit Blick auf Halloween, soll es schön-schaurig am Spieltisch zugehen. Zum Glück gibt es einige finstere Spielthemen mit skurrilen Abläufen.

BEI „BAD BONES“ HÖRT MAN DIE KNOCHEN KLAPPERN

Verlag: Sit Down!
Vertrieb: Pegasus
Autor: David Flies
Illustrationen: Alexander Brick, Aoulad & Oliver Mootoo
Zielgruppe: Spieler, die am Thema Spaß haben
Anzahl/Alter: 1-6 Spieler ab 8 Jahren
Art: Funspiel
Neuheit: Herbst 2020
Besonderheit: Mit Konkurrenz-, Kooperativ- und Solo-Modus

Etwas crazy. Jeder hat ein kleines Areal zu beschützen. Aus den Wäldern und vom Friedhof stürzen Skelettkrieger herbei. Zunächst lugen wenige aus dem Unterholz. Die kann jeder noch abwehren. Aber alsbald nimmt die Anzahl der Untoten zu. Mit dem Drachen werden die Geister verjagt oder gar mit Katapulten in nachbarschaftliche Gefilde geschickt. Bald helfen keine Fallen oder Tricks mehr. Wenn der Verteidigungsturm geschliffen oder das Dorf eingeäschert wurde, verliert man. Wer hat dann sein Terrain am besten bewacht?

Jeder will sein 5x5-Gelände verteidigen. Vor allem müssen der Turm in der Mitte und die fünf Häuser am unteren Planrand geschützt werden. Zu Beginn einer Runde strömen Skelette von den Seiten ins Geviert. Der einzelne Held ist da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Er kann allein nichts bewirken sondern nur eine Schlachtfront leidlich halten. Die wenigen Fallen wollen klug eingesetzt werden, denn wenn ein Katapult erst einmal in Aktion war, braucht es Zeit, es wieder in Stand zu setzen. Das gilt für Wehrmauern, Goldkisten und den Drachen genauso. Jede Verteidigungsaktion will und muss strategisch klug geplant sein, denn die nächste noch stürmischere Welle an Skelettkriegern erhebt sich schon auf dem Friedhof.

Die Skelette werden als Plättchen aus dem Beutel gezogen und bestimmen zufällig den Eintrittsort ins eigene Gelände. Ihr Weg führt sehr zielgerichtet auf den Turm und ins Dorf. Da man an mehreren Fronten, sprich in verschiedenen Ecken seines Plans verteidigt, müssen die Handlungsmöglichkeiten wirklich gut überlegt eingesetzt werden. Hektisches Handeln birgt Fehler, die unweigerlich in der Niederlage münden. Der Spielspaß entsteht durch das sich entwickelnde Szenario und durch kopflose Aktionen. Der Spuk ist schnell vorbei und lässt ein Lächeln, zumindest bei den Gewinnern zurück. Ein Mehrwert bieten die verschiedenen Spielvarianten und zusätzliche Spieloptionen durch noch mehr Fallen und fiese Skelettkrieger. (pen)

„VILLAINOUS“: EIN SPIEL VOLLER SCHURKEN

Verlag: Wonder Forge
Vertrieb: Ravensburger
Autor: Prospero Hall
Illustrationen: aus den original Disney-Filmen
Zielgruppe: Familien mit einer Nähe zu Disney-Filmen
Anzahl/Alter: 2-6 Spieler ab 10 Jahren
Art: asymmetrisches Kampfspiel
Neuheit: Herbst 2019, Frühjahr 2020, Herbst 2020
Besonderheit: mittlerweile mit zwei Erweiterungen

Böse Miene zum guten Spiel. Aus dem riesigen Disney-Film-Universum versammeln sich sechs bekannte Schurken wie Dschafar aus Aladdin oder Ursula aus der kleinen Meerjungfrau und bekämpfen sich gegenseitig. Jeder organisiert sein eigenes Reich und will vor den anderen seine Siegbedingung erfüllen. Die ist bei jedem Charakter völlig unterschiedlich. Mit fiesen Karten-Tricks und guter Planung geht jeder ans Werk. Es dürfen aber auch die Helden der jeweiligen Geschichten ins Spiel gebracht werden, sehr zum Leid der Antagonisten.

Zunächst besucht der Schurke einen seiner vier Orte, die sein Reich ausmachen. Dort können verschiedene Aktionen ausgeführt werden. Das Ziehen von Bösewicht-Karten, der Erhalt von Machtchips oder die Aktivierung von mutigen Recken in gegnerischen Gefilden gehören genauso dazu wie der Siegeszug gegen einen Helden, der das eigene Spielziel doch arg behindert. Fast alles wird über Karten gemanagt. Deren Vorteile müssen erkannt und im eigenen Sinne angewandt werden. Und alles verbraucht Macht. Deshalb sollten einem diese Chips nie ausgehen.

Das wunderbare bei diesem Wettbewerb ist die Asymmetrie. Jeder Held bzw. Antiheld hat seine eigenen Spielkarten und sein eigenes Reich. Alles ist dem bekannten Disney-Charakter angepasst und mit beliebten Filmmotiven illustriert. Die hübsch stilisierte eigene Spielfigur tut ihr übriges. Die Kartenfunktionen und Sonderfähigkeit müssen allerdings etwas mühsam angelesen und verstanden werden. Es lohnt aber den Aufwand. Da die Spielzüge ansonsten einem eher einfachen Muster folgen, ist man letztendlich doch schnell im Geschehen verankert. Eine Identifizierung mit dem dunklen Charakter ist nicht selten. Und der Reiz ist enorm, alsbald mit einer anderen Figur zu spielen und deren Stärken auszuloten. Mit den beiden Erweiterungen stehen mittlerweile zwölf verschieden Schurken zur Verfügung. (pen)

„KING OF TOKYO“: HERRSCHER ÜBER DIE METROPOLE

Verlag: iello
Vertrieb: Huch!
Autor: Richard Garfield
Illustrationen: Paul Mafayon
Zielgruppe: Würfel-Zocker
Anzahl/Alter: 2-6 Spieler ab 8 Jahren
Art: Kampfspiel mit Würfeln und Karten
Neuheit: Frühjahr 2020
Besonderheit: Dark-Edition des modernen Klassikers

Wie in einem B-Movie. Mächtige Kreaturen überragen die höchsten Skyscrapers im nächtlichen Tokyo. Nur ein paar erleuchtete Gebäude oder brennende Parkanlagen illuminieren die Szenerie. Dunkle Rauchwolken verdunkeln zusätzlich den Himmel. Alles vermittelt Endzeitgefühl. In einem zerfetzenden Kampf vernichten die monströsen Giganten Stadt und Gegner.

Wichtig ist der Aufenthaltsort. Steht der mächtige Pappaufsteller des eigenen Monsters in Tokyo, kann er nur von außerhalb der Stadt angegriffen werden. Und umgekehrt, er schadet sämtlichen Gegnern in den Suburbs. Mit Würfelwürfen geht man ans Werk. Bis zu dreimal ist Nachwürfeln möglich. Drillinge erhöhen eigene Siegpunkte, das Tatzen-Symbol fügt Gegnern Schaden zu. Mit Herzen ist Heilung möglich und das Blitz-Zeichen spült Energie-Marker ins eigene Portfolio. Damit kann man Power-Karten kaufen, die die eigenen Handlungsmöglichkeiten zum Vorteil variieren. Außerdem klettert jeder bei minderwertigen Würfelergebnissen auf der Bosheitsskala voran. Dort gibt es noch einmal fiese Gemeinheiten in Form von Karten zu gewinnen.

Neben den Würfelkämpfen sind zwei taktische Zugriffe wichtig. Wer Tokyo beherrscht, erheischt Vorteile, muss sich aber auch mehrerer Angriffe erwehren. Es macht durchaus Sinn, erst kurz vor dem Spielende sich aus der Deckung zu wagen und den Platz an der (hier dunklen) Sonne zu ergreifen. Noch wichtiger ist ein gutes und kluges Kartenmanagement. Wahllos Karten zu nehmen oder zu kaufen, ist nicht zielführend. Sich abgestimmt aufzupeppen, macht das eigene Ungeheuer monstermächtig. Der Spielablauf ist eine hin- und herwogende Würfelschlacht mit vielen überraschenden Wendungen, halt wie in einem B-Movie. (pen)

In „STUPID DEATHS“ DREHT SICH ALLES UM SKURRILE TODESFÄLLE

Verlag: The Fantastic Factory
Vertrieb: Piatnik
Autor: unbenannt
Illustrationen: unbenannt
Zielgruppe: Spieler mit Offenheit für morbide Themen
Anzahl/Alter: 2-6 Spieler ab 12 Jahren
Art: Quiz-Spiel
Neuheit: Frühjahr 2020
Besonderheit: Verpackung in Form eines Grabsteins

Quizspiele sind eine der ältesten Spiel-Arten. Immer wieder werden neue Varianten in Mechanismus oder Thema erdacht. Neu und einzigartig ist der Versuch, die Fragen und Antworten um kuriose Todesfälle weltweit und zu allen Zeiten zu gestalten.

Immer gibt es die Schilderung eines unglaublichen Todesfalles. Da stirbt man nicht im Bett oder an Altersschwäche, da wird auf kuriose Weise verunfallt und gemeuchelt. Und stets bleibt die Frage, ist die Geschichte wahr oder falsch? Jeder Spieler tippt, was er vermutet. Die Geschichten sind so skurril, dass es eigentlich keiner wissen kann. Für richtige Antworten gibt es Punkte auf einem Rundlauf, weg vom Sensenmann.

Die Güte von Quizspielen lebt neben außergewöhnlichen Fragen von der Qualität der Fake-Antworten bzw. Falsch-Behauptungen. Das ist hier weitestgehend gegeben. Man stimmt bisweilen eher den erfundenen Todesfällen zu, als dass man den wahren Begebenheiten Glauben schenkt. Wer dann noch aufgeschlossen für das morbide Thema ist, macht hier nichts verkehrt. 200 Fragekarten sind nicht allzu viele, für einige Runden reicht es aber trotzdem. Die Anzahl der Spieler ab zwei funktioniert eigentlich nicht. Dieses Frage- und Antwortspiel ist eher für größere Gruppen vielleicht zu einer Halloween-Party geeignet. (pen)

 

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