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Gesellschaft

Vaterfreuden

Wenn man von der Generation der „neuen Väter“ spricht, meint man in der Regel junge Männer, die das Vater sein bewusst anders und neu interpretieren. Wir gehen der Frage nach, was junge Väter sein wollen: Bezugsperson, Spielkamerad, Familienmanager, Erzieher – und, wie in Florian Siebers Fall, Unternehmer.

Herr Sieber, Sie sind Co-CEO der Simba Dickie Group, Geschäftsführer des Modellbahn-Marktführers Märklin, Mitbesitzer der Schweizer Franz Carl Weber-Geschäfte – und Sie sind Vater. Sind Sie nach Ihrer Selbsteinschätzung ein typischer, neudeutsch gesagt, Vertreter der „Generation Papa“? Also einer der „neuen Väter“, die Verantwortung übernehmen, sich aktiv mit ihrer Vaterrolle einbringen und nicht nur am Wochenende präsent sind?
Auch wenn ich diese Entwicklung für sehr positiv halte, muss ich persönlich abwägen zwischen der Verantwortung, die ich im Unternehmen trage und der, die ich in meiner Familie habe. Die Aufgaben, die ich beruflich wahrnehmen muss, lassen es leider nicht zu, dass ich wochentags viel Zeit mit unserem kleinen Mann verbringe. Ich versuche, abends rechtzeitig zu Hause zu sein, damit ich Robin noch sehe und meine Frau ein wenig unterstützen kann. Mir ist aber sehr wohl bewusst, dass der Job, den meine Frau in diesem Fall macht, extrem fordernd und teilweise sehr anstrengend ist. Hierfür zolle ich ihr großen Respekt und Anerkennung.

Das Thema Rollenspiele wird bei den Kindermarken der Simba Dickie Group ganz groß geschrieben, da können und sollen die Rollen gern auch mal vertauscht werden

Hat sich durch das Vatersein Ihr Lebenskonzept, das durch Ihre Führungsrolle bei der Simba Dickie Group vorgezeichnet scheint, verändert?
Nein, nicht wesentlich. Ich wollte schon immer Kinder haben und habe diese gedanklich schon frühzeitig in mein Lebenskonzept eingebaut. Der Alltag hat sich dahingehend verändert, dass ich nun schon versuche, abends etwas früher nach Hause zu kommen als zuvor. Freizeitgestaltung, Urlaube und Treffen mit Freunden sind natürlich auch an diese neuen Bedürfnisse angepasst.

Sie wollten eigentlich, das erinnere ich aus einem früheren Interview, in den pädagogischen Bereich gehen. Und nun sind Sie Co-CEO, designierter Nachfolger Ihres Vaters, Michael Sieber, und tragen damit eine Menge Verantwortung für ein großes, stark wachsendes Unternehmen. Woher nimmt man da die Zeit, Familie zu gründen und zu leben?
Wie oben angedeutet, muss ich schon ein paar Abstriche in Kauf nehmen und habe etwas weniger Zeit für meine Familie als andere. Meine Frau unterstützt mich hier aber sehr und nimmt mir im privaten Bereich viel ab, damit wir die Zeit, die wir gemeinsam erleben, auch genießen können. Zeit ist für mich mittlerweile mein wichtigstes Gut und ich versuche, viele alltägliche Abläufe so weit wie möglich zu optimieren.

Haben Sie als Kind eine klassische Rollenverteilung in der Familie erlebt? War das für Sie positiv besetzt?
Ja, die klassische Rollenverteilung gab es auch in meiner Kindheit. Mein Vater war beruflich oft unterwegs, meine Mutter hat sich primär um uns Kinder gekümmert. Wenn mein Vater daheim war, hat er viel mit uns unternommen. Diese Konstellation habe ich – und ich glaube, auch meine Geschwister – nicht negativ wahrgenommen. Zudem habe ich auch mit unseren Großeltern viel Zeit verbracht.

Hinter jedem erfolgreichen Menschen steht idealerweise ein Partner, der viel Verständnis und Mit-Verantwortung übernimmt. Das ist ja auch in Ihrem Fall so wie Sie sagen.„Mann“ will ja nun niemanden gleich verschrecken, aber wie früh haben Sie mit Ihrer Frau ein für Sie gangbares Familienmodell diskutiert?
Meine Frau und ich waren fast zehn Jahre zusammen, bevor wir geheiratet und ans Kinderkriegen gedacht haben. Sie hat in dieser Zeit bereits einen tiefen Einblick gewinnen können, was meine beruflichen Aufgaben bedeuten. Mit der Zeit hat sie sich ein eigenes Bild aufbauen können, wie unser Familienmodell denn aussehen könnte. Als wir dann konkret dar-über gesprochen haben, waren wir uns beide einig, wie wir die zukünftige Aufgabenteilung gestalten. Ich habe sie immer große Wertschätzung spüren lassen und weiß, dass die Aufgaben, die sie nun ausfüllt, sehr anspruchsvoll und auch sehr fordernd sind.

Sie sind als Kind in einem Spielwarenparadies aufgewachsen. Nun sehen Sie unsere Produkte und die Branche aus einer anderen Perspektive, der des Vaters. Hat sich Ihr Blickwinkel auf die Spielwarenbranche verändert?
Ja, schon ein wenig. Wie und mit welchen Spielsachen sich Robin beschäftigt, wird natürlich genau beobachtet und verglichen. Dass ein Produkt dem eigenen Kind ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, ist natürlich das schönste Kriterium. Und an manch anstrengenden Tagen schätzt man als Eltern auch einfach Spielzeug, das die Eigenschaft besitzt, Kinder selbstständig zu beschäftigen.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Florian Sieber kennt den Spagat zwischen Familie und Arbeitsalltag

Beurteilen Sie heute als Unternehmer in der Spielwarenbranche Produkte strenger oder anders als früher? Und worauf legen Sie besonderen Wert, wenn Sie Spielware für den „Eigenbedarf“ aussuchen oder kaufen?
Ja, da bin ich schon ein wenig anspruchsvoller geworden. Qualität, Originalität, aber eben auch ein langanhaltendes Spielvergnügen sind mir definitiv wichtiger als früher.

Als Anteilseigner bei der Schweizerischen FCW erleben Sie die Kehrseite der Medaille, „Handel“ mit all der Problematik, die das mit sich bringt. Was haben Sie bisher aus diesem Perspektivenwechsel lernen können?
Die aktuellen Entwicklungen im Einzelhandel sind in der Tat sehr spannend, und wir stecken bei FCW mitten in der Veränderungsphase. Größte Herausforderung ist die Adaption unserer Business Software auf eine intelligente und automatisierte Dispositionssoftware, die dafür sorgt, dass die richtigen Produkte zum richtigen Zeitpunkt in unseren Filialen und auch online verfügbar sind. Solch eine Software ist notwendig, um die Einkaufsprozesse zu optimieren und unseren Kunden eine größtmögliche Verfügbarkeit zu garantieren. Darüber hinaus müssen wir natürlich auch unseren digitalen Footprint auf neue Beine stellen. Webshop, Content, Social Media und Kundendaten haben hier oberste Priorität. Diese Art der Arbeit ist auch für uns ein Experiment, da wir bisher nicht viel Erfahrung im Handel sammeln konnten. Das Corona-Virus und der damit einhergehende Lockdown haben leider auch uns einen großen Dämpfer versetzt, den wir dieses Jahr erst einmal wegstecken müssen.

Wie gehen Sie als Vater und potenzieller Spielwaren-Zielkunde heute an Kaufentscheidungen heran? Was muss der Händler Ihres Vertrauens mitbringen?
Eine authentische Produktauswahl und gute Beratung spielen für mich im Geschäft eine sehr große Rolle. Wenn ich aber schon genau weiß, was ich möchte, liegt der Einkauf im Internet nah. Hier zählen für mich ein unkomplizierter Check out-Prozess und bei teureren Produkten natürlich auch der Preis.

Kaufen Männer anders ein als Frauen, was meinen Sie?
Ich glaube, dass in einigen Männern noch immer das Kind drinsteckt und Produkte gekauft werden, mit denen man selbst als Kind gespielt hat oder die man sich gewünscht hat. Frauen legen vielleicht ein wenig mehr Wert auf modernes und schönes Design. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob diese persönlichen Erfahrungen sich auch so in unserer Gesellschaft widerspiegeln.

Und erziehen Väter anders?
Das ist von Familie zu Familie unterschiedlich. Optimalerweise ergänzt man sich hier.

Haben Sie schon Erfahrungen aus Ihrem Vatersein in Ihre beruflichen Betätigungsfelder einfließen lassen und wenn ja, welche?
Wie bereits beschrieben, beobachten wir schon sehr interessiert, wie sich unser Sohn mit den unterschiedlichen Spielzeugen beschäftigt, was sich allerdings nie pauschal auf alle Kinder übertragen lässt. Hier kommen einem beim Spielen aber immer wieder Ideen zur Verbesserung von Produkten.

Darf ich fragen, was derzeit das Lieblingsspielzeug Ihres Kindes ist?
Schon seit längerem beschäftigt sich mein Sohn Robin am liebsten mit seiner Smoby Küche. Kochen, backen und Kaffee zubereiten stehen hoch im Kurs. Darüber hinaus ist er auch begeistert von allen möglichen Baggern.

Und was war Ihres als Sie ein Kind waren?
Alles hatte seine Zeit. Als Kleinkind ein Steiff Igel, dann das Bobby Car und über Playmobil, Lego bis zum ferngesteuerten Auto von Tamiya gab es viele unterschiedliche Phasen.

Herr Sieber, ich bedanke mich herzlich für Ihre Offenheit und das Gespräch!

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